Kommentar: Rosskur als letzte Chance

Ohne Druck geht bei der AUA wenig. Das kommt auch bei anderen Unternehmen vor, scheint aber bei der AUA speziell ausgeprägt zu sein. Wahrscheinlich hängt ihr da, so wie bei der medialen Aufmerksamkeit, die Vergangenheit als staatliches Unternehmen immer noch nach. Mit einem umfassenden Sparprogramm und der Einsparung von bis zu 800 Mitarbeitern will die AUA im Preiskampf mit den Low Cost Airlines bestehen.

Airbus A320 (Foto: Thomas Ramgraber).

Geredet wird von mehr Rendite und von Investitionsfähigkeit schon viele Jahre, passiert ist wenig, oft hat man die Zielerreichung einfach nach hinten verschoben. Mit der wachsenden Phalanx der Billigkonkurrenten im Nacken ist aber jetzt Schluss mit lustig und mit Alexis von Hoensbroech scheint auch ein Mann an der Spitze zu stehen, der jetzt gewillt ist, Nägel mit Köpfen zu machen. 

Lange wurde man als Beobachter den Eindruck nicht los, dass im Unternehmen die Freude über Wachstum und auch Gewinne die Notwendigkeit echter Strukturreformen zugedeckt hat. #DriveTo25 war ein Beginn, zu zaghaft, wie sich jetzt herausstellt. Statt 30 Millionen € soll das Programm jetzt 60 Millionen € einsparen, weitere 30 Millionen € soll eine bessere Produktivität bringen. Jährlich. Und noch einmal 90 Millionen € sollen von externen Lieferanten kommen, da werden sich wohl, wieder einmal, der Flughafen Wien, Austro Control und OMV angesprochen fühlen müssen. 

Keinen Millimeter will der Vorstand vor der Low Cost Konkurrenz weichen, er will sich nicht ins Low Cost Eck drängen lassen. Es klingt wie eine Mutinjektion, die AUA muss aber glauben, dass sie diesen Konkurrenzkampf gewinnt, zumindest aber übersteht. Sonst könnte sie ja gleich aufgeben. Hinter allen, die in Wien Jagd auf die Passagiere machen, stehen potente, finanzstarke Konzerne. Ob und wer da als erstes aufgibt, wem die Luft ausgeht, welcher Airline-Chef als erster die Lust am Kampf verliert, scheint offen zu sein. Konjunktur und Treibstoffpreis könnten da noch ein Wörtchen mitreden. Vielleicht auch das Thema Billigflüge und Umwelt. 

Der AUA aber tut die Rosskur jedenfalls gut, sie ist für eine gedeihliche Zukunft, unabhängig von der Billigkonkurrenz, unausweichlich. Was noch fehlt, ist der USP gegenüber der Konkurrenz, also was die AUA von der Konkurrenz positiv unterscheidet. Das Drehkreuz, ja. Die Business Class auch. Warum aber soll ein Economy Passagier mit der AUA fliegen? Das Essen ist es nicht mehr. Eine Sitzplatzreservierung kostet. Ein Koffer auch. Der günstige Preis? Kann sein, muss aber nicht sein. Die Sozialstandards? Sind den Passagieren meist egal. Das ausgebildete, freundliche Personal? Das können andere auch, manchmal schon besser. Was also soll es sein? Dass überall AUA drinnen ist, wo AUA draufsteht, ist es wohl nicht. Da muss wohl noch scharf nachgedacht werden, was das mehr sein kann, als sich nur Premium Carrier zu nennen. Soll nicht nur der günstigste Preis zählen, muss ein klares, attraktives Unterscheidungsmerkmal her. 

Die AUA braucht jetzt den Zug zum Tor, und den Willen, all die Sparprogramme kompromisslos durchzuziehen. Sie braucht Überzeugungskraft, um alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und den Betriebsrat vom Sparprogramm zu überzeugen. Sie braucht Argumente, warum dem Standort Österreich auf Dauer nicht lauter Billigfluglinien genügen, sondern er eine echte Netzwerk-Airline mit Langstreckenverbindungen in alle Welt dringend braucht. Warum es für den Standort besser ist München zu werden als Prag, Bratislava, Budapest oder Laibach. Und die Hoffnung, dass sie so den Kampf um Wien übersteht und gewinnt.

Autor: Michael Csoklich
Autor
Michael Csoklich ist einer der bekanntesten Wirtschaftsjournalisten Österreichs und leitete über viele Jahre das Ressort Wirtschaft im ORF Radio. Er ist Moderator, Querdenker und arbeitet als freier Journalist für die Kleine Zeitung. Und seit 2016 schreibt er als Luftfahrtspezialist auf Aviation Net insbesondere über Spezialthemen.

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