Kommentar: Klagenfurt-Wachstum wird nicht einfach

Sind die Pläne von Lilihill genial oder überdimensioniert.

Flughafen Klagenfurt (Foto: René Steuer).

Der Mehrheitseigentümer des Klagenfurter Flughafens, Lilihill Group, kündigte Anfang der Woche an, dass der durchaus heruntergekommene Airport groß ausgebaut werden soll. Künftig soll das Terminal für rund eine Million Passagiere pro Jahr ausgelegt sein, doch von dieser Zahl ist man mit etwa 230.000 Reisenden im Vorjahr noch weit entfernt. Wenn Lilihill das gesamte Projekt, das unter anderem auch ein Hotel, ein Messe- und Kongresszentrum und einen Gewerbepark beinhaltet, zum Erfolg machen will, liegt in jedem Fall ein steiniger und schwieriger Weg vor den Verantwortlichen.

Lilihill kündigte zwar an, dass man Airlines mit preiswerten Gebühren nach Klagenfurt locken möchte und gar die Gründung einer eigenen Fluggesellschaft schwirrt durch diverse Regionalmedien, doch ganz so einfach gestaltet sich das nicht. Diverse Kosten, beispielsweise die Sicherheitsgebühren, werden über juristische Umwege staatlich festgelegt und sind zumindest offiziell nicht verhandelbar. Über Klagenfurt schwebt zusätzlich der Ruf der einstigen kräftigen Subventionierung, die gar im vollständigen Charter einzelner Verbindungen ausuferte. Das führt dazu, dass manche Carrier sich nur dann für den Airport interessieren könnten, wenn es eine gewisse „Risikobeteiligung“ des Airports dazu gibt. Aus welchen Töpfen das entsprechende Geld kommt, dürfte den Fluggesellschaften so ziemlich egal sein.

Daher braucht Lilihill insbesondere einen sehr langen finanziellen Atem, um sowohl die Investitionen in die Gebäude als auch die Wünsche von Fluggesellschaften erfüllen zu können. Dabei besteht allerdings noch zusätzlich das Risiko des angeblich kleinen Einzugsgebiets des Klagenfurter Flughafens. Außerhalb Kärntens wird die Region zusätzlich als kaufkraftschwach verschmäht, wobei die Problematik eher im bislang eher sehr geringen Angebot liegen dürfte. Dennoch zeigt ein Blick in die Vergangenheit, dass sich nur wenige Routen ab Klagenfurt als dauerhaft wirtschaftlich tragbar erwiesen haben. Doch: Wo kein Mut zu Risiko, da auch keine Chancen. Das bedeutet, dass durchaus experimentiert werden sollte, denn vielleicht lassen sich ja doch noch weitere Routen etablieren.

Besonders im Incoming-Tourismus wäre es für Klagenfurt besonders wichtig, dass starke Low-Cost-Verbindungen aufgebaut werden können, denn Kärnten ist zwar eine durchaus beliebte Urlaubsregion, allerdings dominiert derzeit das Auto als Verkehrsträger zur Anreise. Ob eine Vernetzung der einzelnen touristischen Betriebe der richtige Ansatz ist, um mehr Flugverkehr etablieren zu können, wird die Zukunft zeigen, doch gerade bei Reisen mit Billigfluggesellschaften geht der Trend in den letzten Jahren ganz klar zu selbst organisierten Reisen. Möglicherweise wissen manche Touristen gar nichts von diversen Vernetzungen, da sie sich ihren Mietwagen und/oder ihr Hotel über diverse andere Portale buchen.

Doch mit ein paar Incoming-Lowcost-Linien ist Klagenfurt und insbesondere der Kärntner Wirtschaft nicht ausreichend geholfen, denn auch diese ist – wie in allen anderen Regionen Österreichs auch – auf regelmäßige und insbesondere Zuverlässige Anbindungen an die wichtigsten Städte und Drehkreuze angewiesen. Angesichts der Tatsache, dass Austrian Airlines das Domestic-Netz zur Debatte stellt, sollte das Management im Sinne der Kärntner Wirtschaft und des Tourismus so schnell wie möglich eine Anbindung an ein Drehkreuz einer anderen Allianz, zum Beispiel London-Heathrow, Amsterdam oder Paris, „organisieren“. Dies würde die Abhängigkeit von der Lufthansa Group drastisch reduzieren und auch zum simplen Umstand führen: Konkurrenz belebt das Geschäft. Doch Lihilll muss erst noch beweisen, dass man als privater Mehrheitseigentümer besser und erfolgreicher ist als bislang die Geschäftsleitungen, die noch von der öffentlichen Hand eingesetzt wurden.

Allerdings ist die Fragestellung durchaus berechtigt, ob das geplante Terminal nicht doch etwas überdimensioniert ist, denn die angepeilte Passagierzahl von rund einer Million im Jahr dürfte mit heutigem Stand für Klagenfurt nur sehr schwer erreichbar sein. Dazu kommt die derzeitige Klimadebatte, die ohnehin Regionalflüge zu einer Art „schwerer Sünde“ erklärt hat. Doch Debatten ändern sich bekanntermaßen und Lilihill soll nun erstmal liefern und in einigen Jahren ist es früh genug, um ein erstes Fazit ziehen zu können.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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