Kommentar: Die Mär von der Flugscham

Neue Wortkreation deutscher Medien ist schlichtweg nicht existent.

Foto: www.AirTeamImages.com.

Im Zuge des heurigen Sommerlochs erfanden deutsche Medien eine neue psychische Erkrankung und zwar „Flugscham“. Im Zuge der aktuellen Klimadebatte erwischte es diesmal nicht die Kreuzfahrtschiffe, die ansonsten gerne als „Umwelt-Dreckschleudern“ tituliert werden, sondern die Luftfahrt. In der Folge daraus sollen sich Passagiere so sehr für ihre „Schandtat“ in ein Flugzeug zu steigen schämen, dass sie an „Flugscham“ leiden und nicht mehr fliegen. Stattdessen reist man dann eben „umweltfreundlich“ mit dem Diesel-PKW, den zuvor monatelang deutsche Medien als „Umwelt-Killer“ anprangerten, in den Urlaub…

Doch eine so genannte „Flugscham“ existiert schlichtweg nicht, denn beachtet man die Entwicklung der Passagierzahlen im Jahr 2019, so steigen diese an vielen Airports exorbitant. Rückgänge sind fast nur an jenen Standorten zu beobachten, die ohnehin über ein nur sehr geringes Angebot verfügen. Ein gutes Argument dafür, dass eine vermeintliche „Flugscham“ nicht existent ist, zeigen beispielsweise die jüngsten Zahlen der Flughafen Wien AG. Allein in Schwechat konnte der Konzern in den ersten acht Monaten des laufenden Jahres um 20,9 Prozent mehr Passagiere zählen. Die Tochter im slowakischen Kosice legte um 3,9 Prozent zu und Malta hatte um 6,3 Prozent mehr Reisende. In Deutschland ist das auch nicht anders, denn beispielsweise konnten Fraport und der Flughafen München ebenfalls deutlich zulegen.

Hinter dem Wachstum steht nicht nur der Umstand, dass Billigfluggesellschaften wie Ryanair, Lauda und Wizzair über das gesamte Jahr hinweg ein zweistelliges Passagierplus verzeichnen können, sondern ein Blick auf die Zahlen der IAG und der Lufthansa Group zeigt beispielsweise, dass auch die so genannten „traditionellen Anbieter“ deutlich, wenn auch nicht zweistellig, Zuwächse verzeichnen können. Dies steht doch in krassem Widerspruch zur von deutschen Medien erfundenen „Flugscham“?

Ein Video-Bericht der TV-Station „Welt“ zeigt unmissverständlich, dass sich die von deutschen Medien erfundene „Flugscham“ in der deutschen Bevölkerung so ganz und gar nicht existent ist. Wohl aber können diverse Umweltorganisationen einen Spendenzuwachs von rund 40 Prozent vermelden, allerdings ist fraglich, ob das Klima tatsächlich etwas davon hat, wenn in Entwicklungsländern ein neuer Baum gepflanzt wird, der möglicherweise illegalen Brandrodungen wieder zum Opfer fallen könnte.

Die Luftfahrt ist nun eben das aktuelle „Opfer“ deutscher Medien, die diesen Verkehrsträger nun an den Pranger stellen und diverse Politiker fühlen sich offensichtlich unter Druck gesetzt und schlagen diverse Maßnahmen wie beispielsweise Ex-Mautminister Dobrindt „Mindestpreise für Flugtickets“ vor. Bleibt abzuwarten wann wieder Kreuzfahrtschiffe und Diesel-PKWs für Klimaprobleme verantwortlich gemacht werden. Zumindest scheint es in Mode zu sein, dass regelmäßig ein anderer Verkehrsträger der „Sündenbock“ ist…

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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