Junior-Flugbegleiter: Lauda zahlt im Vergleich den höchsten Netto-Lohn

Am Anfang gibt es bei der AUA deutlich weniger, langfristig jedoch erheblich mehr.

Der Flughafen Wien ist derzeit jener Ort, an dem sich Lowcoster matchen (Foto: Martin Metzenbauer).

Ohne Flugbegleiter dürfen die meisten Verkehrsflugzeuge nicht abheben, doch ein sonderlich gut bezahlter Job ist es nicht. Oftmals wird diese Berufsgruppe als „Kellner der Lüfte“ oder gar als „Saftschubse“ verschmäht, aber in Wahrheit tragen diese fliegenden Airline-Mitarbeiter massiv zur Flugsicherheit bei. Insbesondere dann, wenn es mal nicht wie am Schnürchen läuft, sind Fähigkeiten in Erster Hilfe, Konfliktschlichter oder gar in Evakuierung erforderlich.

Die in Wien vorherrschende Billigfliegerschwemme führt auch dazu, dass besonders viele Flugbegleiter gesucht werden oder aber in den letzten Jahren in dieser Position bei einer Airline angefangen haben. Die Logik „wo billig draufsteht, ist auch Billigpersonal drin“ gilt nicht für Flugbegleiter, wie ein Vergleich der durchschnittlichen Netto-Löhne der so genannten „Juniors“ der in Wien gebasten Lowcoster mit jenen, die Austrian Airlines bezahlt, zeigt.

Eine solche Gegenüberstellung ist gar nicht einmal so einfach, da sich die monatlichen Gehälter äußerst unterschiedlich zusammensetzen. Während bei Austrian Airlines das Grundgehalt höher ist als bei den Mitbewerbern, erhalten die AUA-Juniors insbesondere im ersten Berufsjahr unterm Strich, also netto, das mit Abstand niedrigste Monatsgehalt. Dieses liegt, je nach Anzahl der Nightstopps, im Schnitt in etwa bei 1.200-1.300 Euro pro Monat. Dies geht aus Gehaltsabrechnungen hervor, die AviationNetOnline vorliegen.

Bei Level Europe (vormals Anisec), Lauda und Wizzair ist das Brutto-Grundgehalt deutlich niedriger als bei Austrian Airlines, jedoch werden variable Gehaltsbestandteile bezahlt. Bei Lauda wird pro geleisteter Blockstunde extra bezahlt. Level Europe vergütet laut Geschäftsführung pro Duty-Stunde, was beispielsweise auch Check-In Zeit, Recurrent Trainings, Proceedings und so weiter einschließt, zusätzlich. Wizzair verwendet ein ähnliches, aber dennoch anderes, Modell, denn bei der ungarischen Billigfluggesellschaft spielt auch die Anzahl der Starts eine Rolle. Das Unternehmen erklärte hierzu, dass man so Ungerechtheiten zwischen Einsätzen auf langen und auf kurzen Flügen kompensieren möchte. Provisionen für Verkäufe an Bord und diverse andere Zulagen sind bei allen in Wien tätigen Billigfliegern ein wichtiger Bestandteil des Monatsgehalts. 

Mehr netto am Monatsende oder langfristig mehr netto?

Da die meisten „Juniors“ junge Menschen sind, die am Beginn ihres Lebens auf eigenen Füßen stehen, ist für diese insbesondere relevant was sie tatsächlich am Monatsende auf ihr Bankkonto überwiesen bekommen. Im Vergleich stellte sich auch überraschend heraus, dass der Netto-Durchschnittslohn bei Eurowings Europe um etwa 200 bis 250 Euro höher ist als bei Austrian Airlines. Diesen Umstand machte sich zwischenzeitlich auch die Wirtschaftskammer zu Nutze, jedoch dazu später mehr. Am meisten Geld erhalten Junior-Flugbegleiter derzeit bei Lauda, denn diese verdienen durchschnittlich zwischen 1.700 und 1.850 Euro netto pro Monat. Der durchschnittliche Verdienst ihrer Wizzair-Kollegen liegt nur minimal darunter. Bei Level Europe liegt der Nettolohn in etwa zwischen Austrian Airlines und Eurowings Europe, allerdings kann dieser bei mehr Flugstunden deutlich höher sein und in etwa das Niveau von Wizzair und Lauda erreichen.

Es zeigte sich klar und deutlich, dass der Netto-Monatsverdienst derzeit bei Lauda am höchsten ist, Wizzair rangiert ganz knapp dahinter auf Platz zwei, während Eurowings Europe den dritten Rang einnimmt. Level Europe liegt nur hauchdünn hinter Eurowings und mit großem Abstand nimmt die AUA den letzten Platz, jenen mit dem niedrigsten Nettoverdienst pro Monat ein, wenn man nur den durchschnittlichen Nettolohn betrachtet.

Allerdings zeigen sich gravierende Unterschiede im Bereich der Bezahlungsmodelle: Während bei Eurowings Europe (derzeit höchster Grundlohn) und Austrian Airlines die Grundlöhne für die Juniors in ihren ersten Berufsjahren deutlich höher angesetzt sind als bei ihren Kollegen bei Level Europe, Wizzair und Lauda, gibt es deutlich weniger flugabhängige Gehaltsbestandteile. Das bedeutet weiterer Folge auch, dass das wirtschaftliche Risiko in flugschwachen Zeiten für das Personal wesentlich geringer ist. Bei den Billig-Konkurrenten gibt es für jene, die viel fliegen deutlich mehr Geld am Monatsende. Das wirtschaftliche Risiko der flugschwachen Zeiten liegt dann aber beim Arbeitnehmer, denn wenn beispielsweise im Winter weniger geflogen wird als im Hochsommer, dann gibt es am Monatsende auch weniger Geld aufs Konto.

Während Verkaufsprovisionen bei Austrian-Airlines-Juniors faktisch keine Rolle spielen, sind diese bei den Billigmitbewerbern ein essentieller Gehaltsbestandteil. Die Art und Weise wie sich dieser Mitverdienst berechnet, ist unterschiedlich. Bei Lauda ist es beispielsweise so, dass die eigene Verkaufsleistung nicht herangezogen wird, sondern der gesamte monatliche Umsatz aller Flugbegleiter. Anschließend wird die exakt gleiche Provision auf alle Stewards, die in diesem Monat geflogen sind, aufgeteilt. Mit diesem System sind die Lauda-Flugbegleiter eigentlich ganz glücklich, da es im Bordverkauf „gute“ und „schlechte“ Routen gibt. Beispielsweise würden Spanier eher dazu neigen ihre eigene Jause und ihre eigenen Getränke mitzunehmen, während auf Tel-Aviv-Flügen sehr viele Speisen, Getränke und Bordshop-Artikel gekauft werden sollen.

Lohntabellen sind äußerst unterschiedlich

Die Gewerkschaft Vida betonte wiederholt, dass der Austrian-Airlines-Kollektivvertrag jener mit den höchsten Sozialstandards ist. Dies ist auch weitgehend korrekt, wenn der Betroffene bereits seit einigen Jahren dem Unternehmen zugehörig ist. Dann ist es auch möglich, dass Gehaltsstufen erreicht werden, die es bei der Billigkonkurrenz gar nicht gibt. Neueinsteiger profitieren hinsichtlich ihrem durchschnittlichen Nettolohn davon allerdings nicht, außer sie bleiben ihren Arbeitgeber treu und werden möglicherweise irgendwann Senior (Purser), denn diese erhalten bei Austrian Airlines erheblich mehr pro Monat als ihre Kollegen bei der Billigkonkurrenz.

Ein Beispiel hierfür findet sich in den Lohntabellen, die im AUA-KV bis zum Berufsjahr Nummer 27 jährliche Lohnsteigerungen vorsehen. Bei Lauda endet diese bereits nach sieben Jahren. Auch sind bei Austrian Airlines zahlreiche Sozialleistungen kostenfrei, für die der Mitbewerb teilweise Zuzahlungen erhebt oder aber diese überhaupt nicht anbietet. Die Frage, ob ein höherer, aber deutlich variablerer Einstiegs-Nettolohn oder langfristig gesehen höhere Löhne und Sozialleistungen wichtiger sind, muss jeder Bewerber für sich selbst entscheiden. Jedenfalls ist anzumerken, dass bei Austrian Airlines – im Gegensatz zu den Konkurrenten – viele Flugbegleiter auch ihn höherem Alter noch ihre Jobs versehen, während die persönliche „Dropout-Rate“ (z.B. keine Rückkehr nach Schwangerschaften usw.) angeblich bei Lowcostern niedrig sein soll. Dies real zu vergleichen ist allerdings nahezu unmöglich, da die Mitbewerber noch nicht lange genug auf dem Markt sind.

Bei Austrian Airlines kann man jedenfalls den Vergleich der Nettolöhne nicht nachvollziehen, da der Vergleich von einzelnen Gehaltsabrechnungen nach Ansicht des Unternehmens nicht aussagekräftig genug ist. Lauda erklärte hierzu, dass man die Höhe des genannten durchschnittlichen Nettolohns für Junior-Flugbegleiter in den ersten Jahren bestätigen kann. Auch betonte man, dass man der best-zahlende Lowcoster in Wien wäre.

Eurowings-Europe-Einstiegsgehalt ist Grund für WKO-Einspruch gegen die Satzung des AUA-KVs

Doch der Umstand, dass das Grundgehalt bei Eurowings Europe im ersten Berufsjahr ein bisschen höherer ist als bei Austrian Airlines, brachte im Zuge der Recherchen auch einen bemerkenswerten Nebenaspekt ans Licht. Die Gewerkschaft Vida brachte vor einigen Monaten einen Antrag auf Satzung des AUA-KVs für alle Airlines ein, da dieser jener mit den höchsten Sozialstandards sein soll. So die Ansicht der Gewerkschaft. Bei der Wirtschaftskammer ist man grundsätzlich dagegen, dass der Austrian-Airlines-Kollektivvertrag für alle in Wien gebaseten Airlines verbindlich wird und verweist regelmäßig darauf, dass die Geschäftsmodelle der einzelnen Player zu unterschiedlich wären.

Und genau hier kommt nun wieder der Satzungsantrag ins Spiel, denn die Arbeitgeberseite erhob erwartungsgemäß das Rechtsmittel des Einspruchs und argumentierte, dass der AUA-KV nicht jener mit den höchsten Sozialstandards sein kann, weil das Grundgehalt für Junior-Flugbegleiter im ersten Betriebszugehörigkeitsjahr im Eurowings-Europe-KV höher ist als in jenem der AUA. Somit ist anzunehmen, dass sich Gewerkschaft und Wirtschaftskammer weiterhin um Zahlen, Klauseln und sonstige Dinge streiten werden müssen. Das Sozialministerium wollte sich auf Anfrage zum Satzungsantrag der Vida nicht äußern. Unabhängig von der Entscheidung der Behörde stehen sowohl der Wirtschaftskammer als auch der Gewerkschaft die gerichtliche Anfechtung offen. Daher ist zu erwarten, dass die endgültige Entscheidung das fachlich zuständige Höchstgericht finden muss.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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