ISS Ground Services liebäugelt mit Rampe

Die Entscheidung ist aber noch nicht gefallen, vorerst muss die Liberalisierung in Brüssel abgewartet werden.

ISS-Ground-Handling-Chef David Hiersche am Flughafen Wien (Foto: Roman Payer)

Am Flughafen Wien gibt es vier Firmen, die „Passage Handling“, also das Einchecken von Passagieren, als Dienstleistung anbieten. Das ist einerseits die AUA als Airline sowie die drei Spezialisten, Austroport, Celebi und ISS. Der kleinste der vier, ISS, will nun "viel stärker Präsenz zeigen", wie Geschäftsführer David Hiersche in einem Gespräch mit Austrian Aviation Net sagte. Er skizzierte auch, wie der Einstieg ins Vorfeld-Handling aussehen könnte, wenn die EU die Bodenabfertigung weiter liberalisiert.

Die ISS Ground Services GmbH macht derzeit erst einen kleinen Teil des Umsatzes von knapp 15 Millionen Euro mit der Passagierabfertigung. Der Löwenanteil kommt aus klassischen Putzdienstleistungen. So reinigt ISS sämtliche Flugzeuge von AUA und Niki - sowohl innen als auch außen. Ein Flieger muss im Schnitt alle 90 bis 120 von der Heckflosse bis zur Nasenspitze geschrubbt werden, so die IATA-Vorschriften. Außerdem bedeutet weniger Dreck auf der Außenhaut weniger Reibungsverlust und damit weniger Treibstoffverbrauch.

ISS Ground Services gehört zu 51 Prozent dem internationalen Putz-Konzern ISS, dem fünftgrößten privaten Arbeitgeber weltweit mit mehr als einer halben Millionen Mitarbeitern. In Österreich arbeiten 7.500 Personen für ISS. Bei ISS Ground Handling sind es an die 500 Mitarbeiter. Die restlichen 49 Prozent der Anteile hält aus historischen Gründen der austro-türkische Cateringkonzern Do&Co. 65 Prozent des Umsatzes macht ISS Ground Services bei einem einziges Kunden, bei SkyGourmet. ISS übernimmt für SkyGourmet, eine 100-Prozent-Tochter von Do&Co, das Abwaschen des Airlinegeschirrs.

Am Flughafen Graz reinigt ISS Terminal und Hangar, am Linzer Airport verleast man Catering-Personal. Am stärksten umkämpft ist der Flughafen Wien, dort "drängeln dutzende Putzfirmen um Aufträge" der AUA, Flughafen Wien AG und Co, so Hiersche. ISS reinigt unter anderem für einzelne Shops im Skylink.

"Die Reinigungsdienstleistung steht bei uns im Vordergrund", sagt Hiersche. Das Ground Handling nennt er aber ein interessantes Thema. Derzeit checken Passagiere von EasyJet, Peoples Viennaline und Transaero bei ISS in Wien ein. Der Erstkunde, EasyJet, wird seit 2009 abgefertigt. Neuester Kunde ist Transaero seit Dezember 2012. "Transaero pusht uns. Die Airline hat ihre Flüge nach Wien kräftig aufgestockt", erklärt Hiersche.

Im Gegensatz zum Celebi-Geschäftsführer Ferda Yakar sieht Hiersche sehr wohl Potenzial für einen dritten Ground Handler am Vorfeld. Die EU will - wie berichtet - mehr Wettbewerb bei der Bodenabfertigung, in dem es künftig bei Flughäfen mit mehr als 15 Millionen jährlichen Passagieren mindestens drei Anbieter geben muss. Derzeit müssen es nur zwei Full-Service-Handler sein. In Wien sind das Celebi und der Flughafen Wien selber. Derzeit dürfte ISS gar nicht zur Rampe. "In Österreich ist man der Ansicht, dass die ‚mindestens‘ zwei Anbieter auch ausreichend sind", so Hiersche.

Werden in den nächsten Jahren auch in Wien Pushbacks mit ISS-Logo, so wie hier in Helsinki, zu sehen sein? Insgesamt bietet ISS in 19 Ländern Aviation-Dienstleistungen an. (Foto: ISS International)

Ob ISS der logische Kanditat für die dritte Lizenz ist? "Nein, nicht zwangsläufig", sagt Hiersche. Das sei eine strategische Entscheidung. Hiersche sei für für eine Expansion offen, aber das letzte Wort habe das Headquarter in Dänemark. Das Hauptproblem: Es handelt sich wegen des enormen Investments und den langen Verträgen der Konkurrenten um einen schwierigen Einstieg. Celebi und FWAG haben ihre Kunden mit Verträgen, die über fünf oder zehn Jahre laufen, an sich gebunden. "Wir würden an der Rampe ohne Airline starten, das geht nicht", stellt Hiersche klar. Er geht davon aus, dass man mindestens zwei größere Airlines brauche, um loslegen zu können.

Aktuell würde sich Hiersche mit den ISS Aviation-Firmen in Finnland, der Schweiz und USA vernetzen, um Airlines bei der Bodenabfertigung Dienstleistungen an verschiedenen Flughäfen anbieten zu können. So könnte ISS seinen Wettbewerbsvorteil als globales Unternehmen ausspielen. Noch sind die Dienstleistungen mit denen in Wien aber nicht ident. Denkbar wäre es auch, dass ISS mit Airlines in anderen Ländern Verträge abschließt, die die Fluggesellschaften verpflichten, zu ISS zu wechseln, sobald ISS in Wien an der Rampe verfügbar wird. Momentan seien das aber nur Gedankenspiele, versicherte Hiersche.

Den Wettbewerb würde ein dritter Anbieter auf jeden Fall ankurbeln, ist sich Hiersche sicher. Schon jetzt unterbiete man sich beim Passagier-Handling regelmäßig, wobei es in Wien "einen hoch-, einen mittel- und zwei niedrigpreisige Anbieter" gebe.

Das Geschäftsjahr 2012 lief für ISS Ground Handling nicht so gut wie erhofft. Das hänge auch mit dem Kostendruck des zweigrößten Kunden, der Austrian Airlines, zusammen, erklärte Hiersche. Aber auch das Sparpaket der Air-Berlin-Tochter Niki belastete. Im Vergleich zum Ergebnis 2011 hätten sich Gewinn und Umsatz zwar „leicht positiv entwickelt“, wenn auch nicht so wie erwartet. 2011 schrieb ISS Ground Handling einen Nettogewinn von 630.000 Euro und einen operativen Gewinn von 730.000 Euro. Der Umsatz lag 2011 bei 14,17 Millionen Euro.

Autor: Roman Payer
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