Immer mehr Fluggäste kommen mit dem Zug

Pünktlichkeitsquoten gehen allerdings zurück.

Flughafen Frankfurt: Fast acht Millionen Reisende kamen im vergangenen Jahr mit der Bahn. (Foto: www.AirTeamImages.com)

Der Boom der Fahrgastzahlen der Deutschen Bahn kommt offenbar auch an den Flughäfen an: Die Zahl der Reisenden, die an den Bahnhöfen der drei großen Umsteigerflughäfen Frankfurt, München und Düsseldorf ausgestiegen sind, ist zwischen 2010 und 2019 um 32,2 Prozent gestiegen. Dies geht aus der Antwort der deutschen Regierung auf eine kleine Anfrage der FDP hervor. Insgesamt sind nur zwölf der 24 deutschen Flughäfen an den Regionalverkehr angebunden – vier davon darüber hinaus noch an den Fernverkehr.

Am stärksten war das Wachstum im Süden. Waren es laut Bundesregierung 2010 hier noch rund 4,4 Millionen Aussteiger, wurden zu Ende des Jahrzehnts schon 6,4 Millionen Reisende mit dem Fahrtziel Flughafen gezählt – ein sattes Plus von 45,3 Prozent. Und das obwohl der Flughafen in München noch immer nicht an den Fernverkehr angeschlossen ist.

Aber auch Frankfurt und Düsseldorf müssen sich mit ihren Wachstumsraten nicht verstecken. Am Main ging es von etwa 6,4 Millionen auf knapp acht Millionen Fahrgäste hoch (+25,2%); in Düsseldorf war das Plus mit 27,4 Prozent (2010: 2,8 Millionen, 2019: 3,6 Millionen) prozentual etwas größer als am größten deutschen Airport.

Auffällig ist, dass die Zahl der Halte an den drei Airports im Untersuchungszeitraum zwar auch zugenommen hat, allerdings wesentlich verhaltener. Zählten die drei Flughäfen 2010 zusammen noch gut 285.000 haltende Züge, waren es 2019 mit unter 295.000 nur gut drei Prozent mehr. In Düsseldorf und Frankfurt gingen die Werte sogar leicht zurück (beide -2,4%); in München hingegen stieg die Zahl der Züge stark (+15,7%).

Pünktlichkeitsquoten sinken
Gleichzeitig zeigen die Daten der Regierung auch, dass die Pünktlichkeit der Züge an deutschen Flughafenbahnhöfen zum größten Teil abgenommen hat. Über die vergangenen fünf Jahre hinweg verzeichneten acht der untersuchten 14 Bahnhaltestellen an Flughäfen sinkende Püntlichkeitsquoten.

Durchschnittlich kamen die Züge an den acht Flughäfen im vergangenen Jahr nur noch zu 93,4 Prozent pünktlich – 2015 lag dieser Wert noch bei 95,8 Prozent. Zudem fielen 2019 allein an den Flughafenbahnhöfen Frankfurt, Köln/Bonn, Düsseldorf und Leipzig/Halle über 2400 Züge aus.

Bahn ist „kein Ersatz für innerdeutsche Zubringerflüge“
„Die Forderung auf Zubringerflüge zu verzichten und stattdessen die Deutsche Bahn zu nutzen, läuft angesichts der schlechten generellen Flughafenanbindung und der Unzuverlässigkeit der Züge ins Leere“, kommentiert der FDP-Abgeordnete Torsten Herbst, der zusammen mit anderen Abgeordneten seiner Fraktion die Zahlen erfragt hat. „Nur 25 Prozent der deutschen Flughäfen mit internationalen Verbindungen haben zudem überhaupt einen Fernzuganschluss.“

Dass Fernzüge der Deutschen Bahn im vergangenen Jahr über 2400 Mal nicht an einem deutschen Flughafenbahnhof gehalten haben, vergrößere das Problem. „Während die Bundesregierung innerdeutsche Kurzstreckenflüge künstlich verteuert und damit regionale Flughäfen in ihrer Existenz bedroht, schafft die Deutsche Bahn mit wenigen Ausnahmen kein wirklich attraktives Zubringerangebot zu Flughäfen. Die Zahlen zeigen, dass die DB in weiten Teilen Deutschlands leider noch lange kein Ersatz für innerdeutsche Zubringerflüge ist.“

Autor: Carlo Sporkmann
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Carlo Sporkmann ist seit April 2019 als Autor für AviationNetOnline tätig. Der studierte Journalist berichtet für AviationNetOnline über den deutschen Luftverkehrsmarkt.

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