IATA fordert systematische Corona-Tests vor Abflug

Neue Methoden könnten schnellere Ergebnisse bringen - und billiger sein.

Foto: Martin Metzenbauer

Die International Air Transport Association (IATA) hat angesichts der anhaltenden Schwierigkeiten, in der sich die Luftfahrtbranche aufgrund der Corona-Pandemie befindet, systematische COVID-Tests für Passagiere vor Abflug gefordert. Die IATA will über die Internationale Zivilluftfahrt-Organisation (ICAO) und mit den Gesundheitsbehörden zusammenarbeiten, um hier eine entsprechende Lösung schnell umzusetzen.

Die Zahlen für die Branche sind jedenfalls dramatisch: Der internationale Luftverkehr ist im Vergleich zu 2019 um 92 Prozent gesunken - und auch jetzt ist noch kein klarer Aufwärtstrend zu erkennen. Laut IATA anderem deswegen, weil entweder Quarantänemaßnahmen das Reisen unpraktisch oder die häufigen Änderungen der COVID-19-Maßnahmen die Planung unmöglich machen.

"Der Schlüssel zur Wiederherstellung der grenzüberschreitenden Mobilität ist die systematische COVID-19-Testung aller Reisenden vor der Abreise. Dies gibt den Regierungen das Vertrauen, ihre Grenzen ohne komplizierte Risikomodelle zu öffnen, bei denen sich die Regeln für das Reisen ständig ändern. Das Testen aller Passagiere gibt den Menschen ihre Freiheit zurück, mit Zuversicht zu reisen. Und das wird Millionen von Menschen wieder an die Arbeit bringen ", erklärte Alexandre de Juniac, Generaldirektor und CEO der IATA.

Dass diese Tests vor Abflug künftig einfacher ablaufen könnte als mit den klassischen PCR-Untersuchungen liegt an neuen Methoden, die derzeit allerdings teilweise noch in der Entwicklung bzw. Prüfung stehen. Dabei handelt es sich beispielsweise um Antigen-Tests, die auf dem Immunoassay-Verfahren basieren. Man kann sich diese wie einen Schwangerschaftstest vorstellen: Probenmaterial (in diesem Fall aus dem Hals-Rachenbereich) wird auf eine Testkassette aufgebracht und mit einer Pufferlösung versehen. Rund 15 Minuten später wird dann angezeigt, ob Virus-Antigen erkannt wird oder nicht. Sollte ersteres der Fall sein, ist der Passagier mit hoher Wahrscheinlichkeit akut mit dem Coronavirus infiziert.

Diese Tests haben drei Hauptvorteile: Erstens sind sie billiger als die PCR, zweitens ist das Ergebnis schneller vorhanden als bei der "klassischen" Methode. Und drittens benötigt man so gut wie kein medizinisches Equipment - der Test kann daher praktisch überall durchgeführt werden. Die Nachteile sind, dass die Performance der Methoden teilweise noch strittig ist. Und ähnlich wie bei der PCR gibt es auch hier ein diagnostisches Fenster, bei dem eine infizierte Person im Test noch nicht erkannt wird.

Dass das Thema COVID-19 die Welt noch über den gesamten Winter beschäftigen wird, dürfte klar sein. Die Kosten für die Luftfahrtbranche sind jedenfalls bereits jetzt enorm: Die IATA hat heuer mit Verlusten von 80 Milliarden US-Dollar gerechnet - allerdings könnte diese Zahl aufgrund der schleppenden Entwicklung noch höher ausfallen. Maßnahmen, um trotz Corona-Pandemie sicheres Fliegen (und damit Einnahmen) zu ermöglichen, sind daher aus Sicht der Aviation-Industrie wohl sinnvoll. Und auch die Passagiere wären laut einer IATA-Umfrage dafür: 88 Prozent der Befragtem erklärten, dass sie bereit seien, sich im Rahmen des Reiseprozesses Tests zu unterziehen. 

Autor: Martin Metzenbauer
Herausgeber und Chefredakteur
Martin gründete 2004 aufgrund seines starken Luftfahrtinteresses Aviation Net. Er liebt das Fliegen und Reisen– und schreibt darüber natürlich auch gerne.

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