IATA-AGM: Diskussionsbedarf

Am Samstag beginnt das jährliche Stelldichein der Luftfahrtindustrie, das Annual General Meeting der IATA in Seoul in Südkorea. Mehr als 1000 Vertreter der Fluglinien, der Flugzeugbauer und von Zulieferunternehmen treffen einander zu den aktuellen Themen wie Sicherheit, Klimaschutz und Geschäftsentwicklung. Michael Csoklich ist für AviationNetOnline dabei.

Boeing 737-Max-9 (Foto: www.AirTeamImages.com).

Schon das zehnte Jahr in Folge schreiben die Fluglinien gute Gewinne. Nicht jede einzelne, aber im Schnitt. Diese Serie scheint jetzt bedroht, denn am Konjunkturhimmel sind Wolken aufgezogen. Das Wachstum der Passagierzahlen geht zurück, die Auswirkungen der Handelskriege sind unabsehbar, dazu steigen die Kosten, besonders beim Treibstoff. 

Heftige Debatten, auch abseits der offiziellen Tagesordnung, könnte es zum Thema Sicherheit und Boeings 737 Max geben. Nach dem Absturz zweier 737 Max innerhalb weniger Monate mit 346 Toten besteht für die Flugzeuge dieses Typs seit März ein Flugverbot. Nach wie vor gibt es keinen Zeitplan der Luftaufsichtsbehörden, wann die vom Grounding betroffenen Fluglinin mit der Wiederzulassung der Maschinen rechnen können. IATA-Chef Alexandre de Juniac erwartet, dass wohl noch fünf bis sieben Wochen dauern wird, bis ein Treffen der Behörden mit Boeing und den Airlines stattfinden werde. Dabei dürfte dann über einen Plan zur Wiederzulassung der 737 Max gesprochen werden. Jetzt gehe es darum, „das Vertrauen in unsere Branche wiederherstellen", so de Juniac. 

Debattiert wird auch die Frage, wie die Herausforderung, immer mehr Passagiere durch Nadelöhre wie die Flughafen-Infrastruktur zu schleusen, gemeistert werden kann. Hier hofft man auf verstärkte Digitalisierung der Prozesse, um etwa Pass- und Sicherheitskontrollen beschleunigen zu können. 

Und schließlich wird auch das Thema Klimaschutz allgegenwärtig sein. Die Stimmung scheint da derzeit in die Richtung zu kippen, Fliegen höher zu besteuern bis hin zu Kurzstreckenflüge zu erschweren oder gar zu verbieten. Da wird die Luftfahrtindustrie wohl zu einer einheitlichen Strategie kommen müssen, wie sie hier vorgehen will.  

Es gebe jedenfalls einiges zu diskutieren, sagte Alexandre de Juniac unlängst bei der Präsentation des Programms für die Tagung in Seoul.

Autor: Michael Csoklich
Autor
Michael Csoklich ist einer der bekanntesten Wirtschaftsjournalisten Österreichs und leitete über viele Jahre das Ressort Wirtschaft im ORF Radio. Er ist Moderator, Querdenker und arbeitet als freier Journalist für die Kleine Zeitung. Und seit 2016 schreibt er als Luftfahrtspezialist auf Aviation Net insbesondere über Spezialthemen.

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