Hilfen für Airbus-Zulieferer gefordert

Europäischer Hersteller kämpft mit Corona-Pandemie.

(Foto: www.AirTeamImages.com)

Wegen der Corona-Krise fährt Hersteller Airbus temporär die Produktion in Frankreich und Spanien zurück – der Konzern sollte aber auch an die Zulieferer denken, fordert Luftfahrtindustrieexperte Michael Santo von der Unternehmensberatung H&Z. "Es braucht insbesondere für diese Unternehmen schnellstmöglich eine Stützung durch Airbus bzw. aufgrund der besonderen Situation durch den Staat", sagt der Branchenkenner im Gespräch mit AviationNetOnline.

Die deutsche Regierung gewährt Unternehmen Kredite in unbegrenzter Höhe und hat die Möglichkeiten zur Kurzarbeit verbessert. Doch das helfe nur eingeschränkt, so Santo. "Airbus legt diesen Unternehmen den Verschuldungsgrad negativ aus und berücksichtigt die dann bei zukünftigen Programmen nicht mehr. Es braucht also etwas eigenkapitalnahes oder einen echten, nicht rückzahlungspflichtigen Zuschuss." Medienberichten zufolge arbeitet die Bundesregierung gerade an Sofortgeldern für Unternehmer.

Denn sonst drohe eine Pleitewelle unter den Zulieferern: "Gerade unter den Tier-1-Unternehmen, also den Zulieferern, die direkt an Airbus liefern, gehen in Europa mehr als 20 -30 direkt insolvent, wenn Airbus die Produktionen mehr als einen Monat still legen müsste." Nach mehr als zwei Monaten Fertigungspause wären zudem etwa 15 bis 20 Prozent der Unternehmen auf der Tier-2-Ebene ("Zulieferer der Zulieferer") insolvenzgefährdet.

Single-Aisle-Produktion von Airbus
Dabei seien auch die Covid-19-Effekte auf Airbus nicht zu vernachlässigen. "Ich denke, Airbus wird selbst im Single-Aisle-Bereich die Produktionszahlen bald nach unten korrigieren müssen." Dafür führt Santo zwei Gründe an: Zum einen werde durch den massiven Einbruch der Ölpreise der Kostenvorteil der spritsparenden Neo-Modelle beinahe komplett revidiert. "Zum anderen werden die größten Kunden der Flugzeuge, die Low-Cost-Airlines, die laufend neue Jets ordern, diese eigentlich nur bis zum ersten großen Check fliegen und dann am Markt weiterverkaufen, ebenfalls eine deutliche Konsolidierungswelle erfahren Es werde vermutlich bis zu zwei Jahre dauern bis die Nachfrage bei Airbus wieder anziehe.

Allerdings mahnt Santo bei Prognosen zur Vorsicht. "Wir wissen nicht, welche Airline welchen Investor an Bord holen muss und wie dann die Flottenplanung aussieht." Denkbar sei beispielsweise, dass auch aggressive Investoren am Boden liegenden Fluggesellschaften einsteigen und diese auf Rendite trimmen – "da ist dann ein milliardenschweres Investment in eine zukunftsorientierte Flottenstruktur nicht oben auf der Tagesordnung". Entsprechend könnte die Nachfrage bei Airbus auch weiter einbrechen.

Doch eine Konsequenz hält der Experte mit Blick auf den US-Rivalen von Airbus für unausweichlich: "In der jetzigen Situation muss sich Boeing fragen, ob das wieder an den Start bringen der 737 Max überhaupt noch ein sinnvolles Unterfangen ist." Die Wahrscheinlichkeit das der nach zwei Abstürzen gegroundete Krisenflieger in diesem Jahr noch einmal abheben darf, sei signifikant gesunken.

Autor: Carlo Sporkmann
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Carlo Sporkmann ist seit April 2019 als Autor für AviationNetOnline tätig. Der studierte Journalist berichtet für AviationNetOnline über den deutschen Luftverkehrsmarkt.

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