Hessen weist Lauda absichtliches Fehlverhalten nach

Strafe für Spätlandungen in Frankfurt

(Foto: www.AirTeamImages.com)

Es ist ein Paukenschlag in der deutschen Luftfahrt: Erstmals muss eine Airline eine Strafe zahlen, weil sie über Monate hinweg absichtlich die Sperrstunde am Flughafen Frankfurt gerissen hat. Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir machte nun öffentlich, dass das Bußgeldverfahren gegen Lauda abgeschlossen ist und er 272.500 Euro von dem Carrier fordert.

Die Höhe des Bußgeldes berücksichtige auch den wirtschaftlichen Vorteil, den Lauda durch Landugen nach 23 Uhr erzielt hat. "Dieser konnte allein dadurch entstehen, dass durch eine verspätete Landung in Frankfurt weitere Zeitverzögerungen oder zusätzliche Transportwege am Boden bei Ausweichlandungen zum Beispiel auf dem Flughafen Frankfurt-Hahn vermieden wurden", so Al-Wazir. Das Bußgeldverfahren zeige, so der Minister, dass die Airlines bei Verstößen gegen die Nachtflugbeschränkungen "mit empfindlichen Strafen rechnen müssen“.

Lauda landete über 70 Mal nach 23 Uhr

Konkret geht es um Flug OE319, mit dem die damals kurz zuvor im Markt eingestiegene Laudamotion im Sommer vor zwei Jahren mehrmals wöchentlich von Palma de Mallorca nach Frankfurt flog. Die Verbindung trug dazu bei, dass Laudamotion zwischen März und Oktober 2018 über 70 Mal in der Stunde vor Mitternacht landete - zu jener Zeit also, in der Airlines Frankfurt nur mit ausdrücklicher Genehmigung ansteuern dürfen.

Anzahl der Landungen zwischen 23 und 24 Uhr von Laudamotion (Quelle und Darstellung: AviationNetOnline)

Doch Laudamotion ist nicht die einzige Airline, die in dem Sommer massenhaft die Sperrstunde am Main riss. So ist die Airline in der Flugplanperiode nach AviationNetOnline-Berechnungen auf der Grundlage des vom Wirtschaftsministerium ausgewiesenen Monitoring-Tools INAA lediglich für weniger als sieben Prozent der Landungen nach 23 Uhr verantwortlich.

Auch Verfahren gegen Condor und Ryanair
Weitaus häufiger kamen Ryanair (30,4%) und Condor (19,8%) zu später Stunde in Frankfurt an. Doch: Ihre Verfehlungen hätten ohne die in dem Sommer häufig aufgetretenen Unwetter sowie die Streiks der Fluglotsen in Frankreich nicht solche Ausmaße gehabt.

Unerwähnt lies Al-Wazir hingegen ob auch gegen Lufthansa-Konzern ein Bußgeldverfahren angestrengt wurde. Immerhin machten die Landungen nach 23 Uhr von Mutter-Airline und Lufthansa Cargo 15,2 Prozent der insgesamt gezählten Verfehlungen im Sommer 2018 aus.

Anzahl der Landungen zwischen 23 und 24 Uhr ausgewählter Airlines (Quelle und Darstellung: AviationNetOnline)

Autor: Carlo Sporkmann
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Carlo Sporkmann ist seit April 2019 als Autor für AviationNetOnline tätig. Der studierte Journalist berichtet für AviationNetOnline über den deutschen Luftverkehrsmarkt.

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