Hebenstreit: "Bundesregierung muss Rechte der Beschäftigten schützen"

Vida-Chef fordert auch, dass die Einhaltung der österreichischen Gesetze sichergestellt werden muss.

Foto: Jan Gruber.

Die Fluggesellschaft Lauda informierte am Donnerstagabend das fliegende Personal der Basis Wien darüber, dass bis zum 21. Mai 2020 ein neuer Kollektivvertrag abgeschlossen werden muss oder anderenfalls die Basis geschlossen wird und die Strecken künftig von Wetlease-Flugzeugen der Konzernschwestern Ryanair, Ryanair UK, Buzz und Malta Air bedient werden. Betroffen ist ausschließlich die Basis Wien. In Stuttgart, Düsseldorf und Palma de Mallorca gibt es keine derartigen Pläne.

Roman Hebenstreit, Vorsitzender der Gewerkschaft Vida, sagte gegenüber AviationNetOnline: „Luftfahrtunternehmen wie etwa Ryanair haben vor der Corona-Krise genug verdient. Die Bundesregierung schützt sie in der Krise mit Kurzarbeit und unseren österreichischen Steuergeldern. Wir erwarten uns daher, dass die Bundesregierung jetzt im Gegenzug auch die Rechte der Beschäftigten in der Luftfahrt schützt und auch die Luftfahrtunternehmen das österreichische Recht einhalten. Die Corona-Krise darf nicht dazu missbraucht werden, um über die Hintertür Lohn- und Sozialdumping dauerhaft salonfähig zu machen.“ 

Die Fluggesellschaft Lauda kann selbst keinen Kollektivvertrag abschließen. In Österreich sind nur äußerst wenige Firmen, meist in staatlichem Eigentum, selbst berechtigt eine solche Vereinbarung mit dem Österreichischen Gewerkschaftsbund zu unterschreiben. Bei Lauda muss daher – wie bei allen anderen heimischen Luftfahrtunternehmen auch – zwischen Wirtschaftskammer und Gewerkschaft verhandelt und abgeschlossen werden. Die WKO vertritt dabei die Interessen der Arbeitgeberseite und der ÖGB bzw. seine Teilgewerkschaften jene der Arbeitnehmer. Die Airline kündigte an, dass man in den nächsten Tagen auf die Vida zugehen wolle und mit dieser sprechen wolle.

Auf die Frage, ob die Gewerkschaft mit der Lauda-Geschäftsleitung KV-Verhandlungen führen wird, antwortete Vida-Chef Roman Hebenstreit: „Bei Laudamotion gibt es einen gültige Kollektivvertrag, der einzuhalten ist. Kollektivverträge sind laut österreichischem Recht ausschließlich durch die Sozialpartner zu verhandeln bzw. zu kündigen.“ 

Derzeit ist die komplette Flotte der Fluggesellschaft Lauda aufgrund der Corona-Pandemie temporär am Boden. Es wurden lediglich Rückholflüge und einzelne Charter durchgeführt. Regelmäßig heben die Maschinen aus technischen Gründen für kurze Rundflüge über Wien ab. Kommerzielle Linienflüge werden derzeit nicht durchgeführt. Unklar ist auch wann Lauda und die in Wien tätigen Mitbewerber in Wien wieder starten werden. Wizzair strebt den 1. Mai 2020 an, jedoch könnte dieser Plan bei Verlängerung des behördlichen Banns für Flüge aus Ländern wie Spanien, Frankreich, Schweiz, Ukraine und Italien durchaus ins Wanken geraten. Bei Lauda beobachtet man die Entwicklungen der nächsten Tage und Wochen und wird daher später entscheiden. Das Personal ist jedenfalls bis inklusive 30. Juni 2020 in Kurzarbeit und hat daher Kündigungsschutz bis mindestens 31. Juli 2020.

 

 

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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