Hans Rudolf Wöhrl will Condor übernehmen

Unternehmer vermutet, dass Lufthansa bereits mehr als nur Fühler ausgestreckt haben könnte.

Hans Rudolf Wöhrl (Foto: privat).

Nachdem der deutsche Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl bei der Air-Berlin-Pleite mit seinem Übernahmeangebot abgeblitzt ist, meldete er nun Interesse für Condor an. Gegenüber AviationNetOnline äußert er allerdings auch die Befürchtung, dass ein Kauf durch Lufthansa bereits eine abgemachte Sache sein könnte, denn es wäre „im Grunde genommen die gleiche Matrix wie bei Air Berlin“.

Zu seinen Beweggründen warum Wöhrl gemeinsam mit Partnern Condor übernehmen möchte, sagte er: „Dass wir uns interessieren ist liegt an unserem Geschäftsmodell. Kaufen, sanieren und weiterführen – in welcher Form auch immer. Wir haben aber auch dazu gelernt, dass der Weiterverkauf der so sanierten Unternehmen nur selten die gewünschten Synergien bringt. DBA war eine hochprofitable Airline mit einem einzigartigen Konzept. Leider konnte sie diese Assets nach der Integration bei Air Berlin nicht ausspielen. Der Rest ist bekannt. Da jede Übernahme durch eine große Airline auch bei Condor zu einer Auflösung führen und damit der Wettbewerb wieder um ein Stück beschnitten werden würde, sollte alles getan werden, dass diese Airline in Hände von Investoren kommt, die sie dauerhaft und selbstständig fortführen wollen.“

Allerdings verweist Wöhrl auch darauf, dass Lufthansa durchaus großes Interesse an einem Rückkauf ihrer ehemaligen Tochtergesellschaft hat. „Es gibt ein Kaufangebot von Lufthansa für die Condor schon seit Mai und das zeigt die Begehrlichkeit. Doch jetzt wäre es für Carsten Spohr viel leichter an die begehrten Segmente zu kommen, wenn es keinen Investor gibt, der die Airline als Ganzes kauft. Im Grunde genommen ist es also die gleiche Matrix wie bei Air Berlin“, so Hans Rudolf Wöhrl.

Condor besticht auch durch eine in die Jahre gekommene Flotte, die nach Ansicht von Experten in den nächsten Jahren erneuert werden muss. Hauptgrund dafür ist, dass aktuelle Muster deutlich weniger Treibstoff verbrauchen und damit für Airlines im Betrieb günstiger sind. Auf die Frage welche Schritte gesetzt werden müssen, um Condor dauerhaft erhalten zu können, antwortete Hans Rudolf Wöhrl: „Condor war ja bis zuletzt operativ profitabel und das unterscheidet sie von allen anderen Fällen. Daher kann ich Herrn Teckentrup nur beipflichten der in den letzten Jahren keine Experimente gemacht, sondern ein solides Geschäftsmodell konsequent fortgeführt hat. Die Flugzeuge, insbesondere die B767 sind zwar optimal für das Streckennetz, aber extrem veraltet hinsichtlich des Verbrauchs. Die sollten ja schon vor Jahren ausgetauscht werden, aber das Geld dafür hat man lieber bei Thomas Cook verwendet. Hier liegt in der Tat das größte Risiko und die Umflottung wird die größte und wichtigste Herausforderung für die „neue“ Condor werden. Ganz wichtig aber ist es, dass jetzt wieder Ruhe einkehrt und die Buchungszahlen wieder stabil werden. Wenn die Condor mit halbleeren Maschinen durch die Gegend fliegt, dann reichen dafür auch ganz tiefe Taschen nicht.“

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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