Grüner Widerstand gegen AUA-Rettung formiert sich

Vorarlberger Landesrat Johannes Rauch spricht sich für die Insolvenz der Austrian Airlines aus.

Airbus A321 (Foto: Thomas Ramgraber).

Darüber ob die Lufthansa-Tochter Austrian Airlines seitens des österreichischen Staats in Folge der Corona-Pandemie finanzielle Unterstützungen und/oder Kreditgarantien erhalten soll oder eben nicht, herrscht offensichtlich unter den Regierungsparteien Uneinigkeit. Erst vor wenigen Tagen bezeichnete selbst Bundeskanzler Sebastian Kurz die AUA als „deutsche Fluggesellschaft“ und stellte klar, dass es keine Rettung um jeden Preis geben darf. Auch alternative Szenarien prüfe man intensiv.

Die Führungspersönlichkeiten der Lufthansa Group drohen seit einigen Tagen durchaus offensiv damit, dass man Austrian Airlines einfach in die Insolvenz schicken könnte. Dieses Szenario ist gar nicht einmal so abwegig, denn sollte der Carrier nicht an frisches Geld kommen, so könnte die Fortführungsprognose des Wirtschaftsprüfers negativ ausfallen und dann bleibt dem Management schlichtweg nichts Anderes übrig als Insolvenz anzumelden.

Der Vorarlberger Landesrat Johannes Rauch forderte nun im ORF-Morgenjournal, dass Austrian Airlines in eine geordnete Insolvenz gehen sollte. Dazu sagte der Politiker, der den Grünen angehört: "In der jetzigen Situation mit heutigem Wissensstand und aufgrund der Bedingungen, die von der Lufthansa gestellt werden, bin ich dagegen. Da bin ich dann dafür, eine geordnete Insolvenz anzustreben und dann andere Alternativen ins Spiel zu bringen. Warum jetzt ausgerechnet die Luftfahrtbranche mit derartigen Riesenbeträgen so derart behandelt werden muss, das entzieht sich meinem Verständnis."

Die Gewerkschaft GPA-DJP reagierte prompt empört auf die Forderung des Johannes Rauch. Bundesgeschäftsführer Karl Dürtscher hält es für unverantwortlich und ortet, dass dadurch dem Wirtschaftsstandort Österreich schwerer Schaden zugefügt werden könnte: „Die Rettung der AUA ist für den Wirtschaftsstandort Österreich und die Sicherung tausender Arbeitsplätze unerlässlich. Am Drehkreuz Wien hängen ja nicht nur die Arbeitsplätze unmittelbar im Flugbetrieb, sondern auch an Zulieferern, diversen Dienstleistungen, in der Hotellerie und bei der Kongressorganisation. Es ist auch naiv und verantwortungslos, zu glauben, dass sich ökologische Kriterien bei einer Neuaufstellung durchsetzen, wenn man den Standort irgendwelchen Billigairlines überlässt und die öffentliche Hand sich aus jeglicher Mitbestimmung in strategischen Entscheidungen zurückzieht. Vielmehr ist es angebracht, durch eine strategische Beteiligung, Arbeitsplätze, den Wirtschaftsstandort, die Langestreckenflüge und ökologische Kriterien sicher zu stellen. Es ist mehr als angebracht, dass die grüne Verkehrsministerin Gewessler hier ein Machtwort spricht und Rauch zur Räson bringt.“

Derzeit ist öffentlich bekannt, dass die Bundesregierung harte Bedingungen an die Gewährung von Zuschüssen und/oder Kreditgarantien stellt und auch eine Beteiligung an der Deutschen Lufthansa AG anstrebt. Nach Ansicht von Wirtschaftsexperten hätte man dadurch mehr Einfluss auf die Geschicke der Tochter Austrian Airlines als bei einer direkten Beteiligung an der AUA.

Dieses Vorhaben stößt bei FPÖ-Obmann Norbert Hofer, der vor wenigen Tagen noch forderte, dass der Staat die „deutsche“ Austrian Airlines gar nicht unterstützen sollte, auf Kritik: „Wie man hört, denkt nun auch Kanzler Sebastian Kurz an eine Beteiligung Österreichs an der Lufthansa. Dieser Weg ist falsch. Für das rot-weiß-rote Hilfsgeld würde es bei der Lufthansa nur Aktien im Ausmaß einer homöopathischen Dosis geben. Österreich hätte dann zwar Lufthansa-Anteile, aber keine Mitbestimmung für den künftigen Weg der Lufthansa-Tochter AUA. „Wie man hört, denkt nun auch Kanzler Sebastian Kurz an eine Beteiligung Österreichs an der Lufthansa. Dieser Weg ist falsch. Für das rot-weiß-rote Hilfsgeld würde es bei der Lufthansa nur Aktien im Ausmaß einer homöopathischen Dosis geben. Österreich hätte dann zwar Lufthansa-Anteile, aber keine Mitbestimmung für den künftigen Weg der Lufthansa-Tochter AUA.“ Über die von ihm selbst zusammengeschusterte „österreichische Lösung für Niki“ verlor der ehemalige Verkehrsminister selbstredend natürlich kein Wort.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

    Special Visitors

    Volga-Dnepr Airlines / RA-82042
    ROSSIYA / EI-UNP
    Antonov Airlines / UR-82007
    National Airlines / N952CA
    Atlantic Airways / OY-RCK
    Danish Air Transport / OY-RUE
    LGW - Luftfahrtgesellschaft Walter / D-ABQA

    Unsere Autoren

    Martin Metzenbauer

    Jan Gruber

    Michael Csoklich

    Carlo Sporkmann

    Granit Pireci

    Michael David