Goldeck-Flug: Gute Geschäfte trotz Corona

Geschäftsführer Gerald Horn-Sachernegg im Interview.

Goldeck Flug setzt neben Jets hauptsächlich auf die Pilatus PC-12 (Foto: Goldeck Flug / Anton Wildberger).

Geben tut es die Goldeck-Flug schon seit Jahrzehnten. Jetzt aber will sich die kleine Privatfluggesellschaft neu aufstellen und mit einem neuen Eigentümermodell durchstarten. Michael Csoklich hat mit dem Chef von Goldeck-Flug, Gerald Horn-Sachernegg, das folgende Gespräch geführt.

AviationNetOnline: Herr Horn-Sachernegg, Pilot bei einer Airline, jetzt sind sie CEO von Goldeck-Flug und fliegen auch. Beides probiert, kein Vergleich? 

Gerald Horn-Sachernegg: Ich bin sehr glücklich über jahrzehntelange Airliner-Erfahrung. 2008 habe ich zusätzlich mein eigenes Unternehmen als Berater in der Luftfahrt gegründet. Ich habe mich dann auf die Beratungen für Electronic Flight Bag Lösungen, also für die gesamte Cockpit Dokumentation, spezialisiert. 2018 schließlich habe ich bei Goldeck-Flug die Geschäftsführung übernommen.

AviationNetOnline: Goldeck-Flug wurde 1991 gegründet, wem gehört Goldeck-Flug jetzt?

Gerald Horn-Sachernegg: Goldeck-Flug gehört zu 100% einer österreichischen Privatstiftung.

AviationNetOnline: Diese neue Art des Private Flying besteht ja darin, dass Goldeck-Flug die Flugzeuge zur Gänze oder zu Teilen an Investoren verkauft. Private Shared Ownership nennen Sie das. Wie funktioniert das Modell genau? 

Gerald Horn-Sachernegg: Ein Flugzeug alleine privat zu betreiben, ist sehr teuer. Man hat zu wenig Flugstunden, um das Flugzeug effizient betreiben zu können, bei gleichbleibenden Fixkosten. Unser Modell sieht vor, dass sich Private an einem Flugzeug beteiligen können. Als ideales Produkt für das Modell haben wir Flugzeuge von Pilatus definiert. Modern, effizient und günstig im Betrieb. Derzeit haben wir drei Flugzeuge mit Anteilseignern, sechs bis sieben Flugzeuge wären ideal. 

AviationNetOnline: Alle vom Typ Pilatus? 

Gerald Horn-Sachernegg: Ja, das planen wir.

AviationNetOnline: Wie viele Anteilseigner haben Sie derzeit?

Gerald Horn-Sachernegg: Noch reden wir von einer Handvoll, aber wir bekommen immer mehr Anfragen von Kunden, die Anteile an Flugzeugen halten wollen. Pro Flugzeug limitieren wir im Augenblick die Eigentümer auf drei bis vier, damit alle immer ein Flugzeug verfügbar haben. 

AviationNetOnline: Je mehr Anteilseigner Sie haben, desto geringer das Risiko für den Alleineigentümer? 

Gerald Horn-Sachernegg: Genau. Wobei wir die Verwaltung übernehmen und Kosten und Preise für die Flüge garantieren. Wird das Flugzeug gerade nicht benötigt, vermieten wir es. Die Einnahmen daraus werden zwischen uns und den Haltern geteilt. Das senkt auch die Kosten.

AviationNetOnline: Was kostet eine Pilatus PC-12? 

Gerald Horn-Sachernegg: In Vollausstattung mit Inbetriebnahme etwa 5,2 Millionen Euro. 

AviationNetOnline: Wenn ich also ein Fünftel des Flugzeugs besitzen möchte, muss ich rund eine Million Euro zahlen? 

Gerald Horn-Sachernegg: Ja, so ist es. Jedes Flugzeug ist in eine eigene Gesellschaft, eine KG, ausgelagert, der Kunde hat so wirkliches Eigentum am Flugzeug, indem er Gesellschafter dieser KG ist.

AviationNetOnline: Was kostet mich jetzt das Fliegen über die eine Million Euro hinaus?

Gerald Horn-Sachernegg: Man muss hier mit einem Minutenpreis rechnen, der ein All-In Preis ist. Vom Piloten bis zur Landegebühr ist da alles inkludiert. Derzeit liegt der Preis in einem niedrigen zweistelligen Euro Bereich je Flugminute, wobei wir uns bemühen, ihn noch weiter zu senken. 

AviationNetOnline: Goldeck-Flug besteht demnächst aus 5 Flugzeugen und beschäftigt ca. 30 Mitarbeiter - wie geht es dem Unternehmen in Corona-Zeiten?

Gerald Horn-Sachernegg: Wir haben kurz vor Ausbruch von Corona eine Cessna Citation Latitude gekauft, ein ganz neuer Mid Size Jet, und konnten sie dann vier Monate lang nicht aus den USA abholen. Das war eine Herausforderung. Gleichzeitig ist das Geschäft plötzlich komplett eingebrochen. Dann aber kamen Anfragen für Cargo Flüge, wofür unsere Pilatus Flugzeuge geeignet sind, und mit allen Genehmigungen haben wir dann Fracht geflogen, haben Rückkehrerflüge durchgeführt und auch Spezialflüge. So sind wir ab Mai wieder richtig in die Gänge gekommen. Seit Juni sind wir mit den Flugstunden in etwa wieder auf dem Niveau des Vorjahrs.

AviationNetOnline: In den USA liegt die private Luftfahrt derzeit bei 80 Prozent des Vorjahrsniveaus, Europa sogar leicht darüber - das gilt offenbar auch für Österreich? 

Gerald Horn-Sachernegg: Das können wir bestätigen, ja. Dass es in Europa besser läuft als in den USA liegt daran, dass es in Europa viel weniger Anbieter und private Flugzeuge gibt.

AviationNetOnline: Das heißt, Corona ist für Goldeck-Flug keine Gefahr?

Gerald Horn-Sachernegg: Es ist nicht die Katastrophe, es ist nicht Existenz bedrohend. Wir gewinnen Kunden, weil Fliegen mit uns weniger Kontaktpunkte bedeutet, und wir werden heuer sogar mehr fliegen. Was aber nicht bedeutet, dass das Jahr mit einem großen Gewinn enden wird. Denn wir hatten einigen Mehraufwand, von Coronatests bis hin zu Beratungskosten und Zertifizierungen.

AviationNetOnline: Gibt es bei Ihnen so etwas wie die Auslastung?

Gerald Horn-Sachernegg: Nein, Auslastung spielt bei uns keine Rolle, wir verkaufen ja immer das Flugzeug als Gesamtpaket.

Durch das große Ladetor eignet sich die Pilatus PC-12 auch gut als Frachtflieger (Foto: Goldeck Flug / Markus Tatschen).

AviationNetOnline: Wie gehen Sie mit Leerflügen um?

Gerald Horn-Sachernegg: Das ist ein großes Thema, Leerflüge sind nicht gut. Deswegen legen wir viel Wert auf eine gute Einsatzplanung. Und wir bieten Leerflüge zu fairen Preisen am Markt an, und können damit einen gewissen Anteil wieder verkaufen. 

AviationNetOnline: Standzeiten sind teuer, wie steuern sie den Betrieb der Flugzeuge, um möglichst viel zu fliegen?

Gerald Horn-Sachernegg: Das ist eine Herausforderung. Es gibt Tage, da könnten wir fünf Flugzeuge verkaufen, am nächsten Tag keines. Wie steuert man das, wie plant man die notwendigen Crews? Wir arbeiten mit einer Software, die uns dabei unterstützt.

AviationNetOnline: Da geht es um eine Software für Flugplanung und Einsatzsteuerung. Was soll die können? 

Gerald Horn-Sachernegg: Derzeit arbeiten wir daran, diese Software so zu optimieren, damit auch andere Private Aviation Companies sie benutzen können. Sie hilft die Planung der Flugzeuge und der Crews zu verbessern, soll auch zusätzlich helfen, Flüge so zu vernetzen, dass Leerflüge möglichst vermieden werden können. Wir stellen auch gerade unsere App für Piloten fertig und bauen ein System auf, das verfügbare Flüge meldet.

AviationNetOnline: Wie groß sind Sie in Österreich?

Gerald Horn-Sachernegg: Wir sind ein eher kleiner Player mit unseren bald fünf Flugzeugen. 

AviationNetOnline: Das Image der Privatfliegerei ist ja nicht immer gut. Zu Recht?

Gerald Horn-Sachernegg: Aus meiner Sicht nicht. Es ist ja nicht so, dass privates Fliegen generell elitär, teurer oder umweltschädlicher ist. Da wollen wir jedenfalls ansetzen und darstellen, wie es sich wirklich verhält. Mit der neuesten Pilatus PC-12 NG von Goldeck-Flug fliegen Sie in circa 1 Stunde von Wien nach Innsbruck, das sind 400 km Luftlinie, bei einem Gesamtverbrauch von 280 Liter Treibstoff. Bei 6 Passagieren sind das weniger als 12 Liter pro Passagier und 100 km – Sie sind dabei aber 5-mal schneller als ein Auto. Der gesamte CO2 Ausstoß beträgt unter 600 kg, also 100 kg pro Passagier. Ein Auto mit Verbrennungsmotor stößt auf dieser Strecke rund 150 kg CO2 aus.

Deshalb setzen wir auf neue, moderne Flugzeuge und haben alle alten Typen verkauft. Unsere Flotte hat ein Durchschnittsalter von unter einem Jahr. Das schafft keine andere europäische Bedarfsfluggesellschaft. 

AviationNetOnline: Sie planen ja eine Zusammenarbeit mit der Universität für Bodenkultur. Was ist das Ziel?

Gerald Horn-Sachernegg: Wir wollen den CO2-Ausstoß soweit wie möglich senken. CO2-neutral zu fliegen ist nicht möglich, wir möchten aber nachhaltiger produzieren und unseren Ausstoß deutlich kompensieren. Da sind wir mit der BOKU im Gespräch. 

AviationNetOnline: Die Kompensation soll der Passagier zahlen oder das Unternehmen?

Gerald Horn-Sachernegg: Das ist in Definition und wird wahrscheinlich eine Kombination sein. Wir als Unternehmen wollen auf jeden Fall einen wesentlichen Beitrag für die Umwelt und die Gesellschaft leisten. 

AviationNetOnline: Haben Sie Expansionspläne?

Gerald Horn-Sachernegg: Wir haben in weniger als 24 Monaten vier Flugzeuge eingeflottet. In so kurzer Zeit ist das für ein kleines Unternehmen ein großer Aufwand. Dies beinhaltete das Thema der Finanzierung, wir mussten neues Personal einstellen und schulen sowie bestehendes Personal umschulen. Wir haben uns in Zukunft vorgenommen, höchstens ein Flugzeug pro Jahr einzuflotten. Weitere Flugzeuge sind derzeit bei Pilatus reserviert. 

AviationNetOnline: Ist Langstrecke für Sie ein Thema?

Gerald Horn-Sachernegg: Nein. 

AviationNetOnline: Was sind die Herausforderungen der nächsten Zeit?

Gerald Horn-Sachernegg: Ein ganz wichtiger Punkt ist die Digitalisierung. Wir benötigen moderne Softwarelösungen, um effizienter zu werden. Diese sind jedoch in der Luftfahrt sehr teuer und kaum für die Bedarfsluftfahrt geeignet. Der Trend geht da jetzt in die Richtung von sehr intelligenten, automatisierten Applikationen. In den letzten Jahren sind z.B. sehr gute Lösungen für die Flugplanung auf den Markt gekommen. Um unsere einmotorigen Flugzeuge kommerziell betreiben zu können, muss immer ein Notlandeplatz eingeplant werden. Diese doch hochkomplexe Planung wird dem Piloten im Cockpit in Echtzeit auf dem iPad dargestellt. Das macht unsere Flugplanung viel effizienter und reduziert die Kosten. Die größte Erleichterung gibt es aber bei den Behörden Audits. Dafür haben wir über Jahre eine eigene Softwarelösungen und eine App entwickelt, die viel Arbeit spart, und bereits auch von anderen Bedarfsfluggesellschaften benutzt wird. Der nächste Schritt ist die Zulassung des elektronischen, technischen Logbuchs. Dies ist der letzte Schritt zum "paperless cockpit".

AviationNetOnline: Allgemein wird erwartet, dass der Markt der privaten Luftfahrt in den kommenden Jahren weiter wachsen wird. Sehen Sie das auch für Goldeck-Flug?

Gerald Horn-Sachernegg: Eindeutig! Das Interesse an individuellem Flugverkehr, an Taxitransporten mit Drohnen, generell an Mobilität sehr groß ist. Das Problem ist nur: Behörden und Investoren müssen die Infrastruktur dafür und für die private Luftfahrt zur Verfügung stellen. Da ist man in Österreich nicht am letzten Stand der Technik und in Europa ist die Luftfahrt sehr auf die Linienluftfahrt zugeschnitten. Das muss sich verbessern. Europa braucht mehr Miteinander von privater Luftfahrt, Bedarfsluftfahrt und allgemeine Luftfahrt. Und nicht zu vergessen die Drohnen und das autonome Fliegen. 

AviationNetOnline: Wollen Sie Drohnen kaufen und betreiben?

Gerald Horn-Sachernegg: Nichts sollte man für die Zukunft ausschließen.

Gerald Horn-Sachernegg (links) mit Michael Csoklich.

Gerald Horn-Sachernegg - beruflicher Werdegang

Gerald Horn-Sachernegg begann 1988 seine Pilotenausbildung bei der Flight Safety Academy in Vero Beach Florida, USA. Nach Abschluss der Austrian Airlines Aviation Academy zum Linienpiloten startete er 1990 seine Pilotenlaufbahn bei Lauda-Air.

Im Zuge seiner 14-jährigen Tätigkeit für Lauda-Air flog er als Kapitän und Ausbilder und leitete die Abteilung Flight-Documentation. Weiterhin ist er als Kapitän auf der Langstrecke für Austrian Airlines tätig.

Im Oktober 2005 gründete Gerald Horn-Sachernegg sein eigenes Unternehmen - BlueSkies Aviation Consulting, welches sich auf die Beratung für private und kleinere Fluggesellschaften spezialisierte. Im Frühjahr 2018 übernahm er die Geschäftsführung der Goldeck-Flug und begann gemeinsam mit seinem Team, die Neupositionierung der Goldeck-Flug als moderne, dynamische Private Aviation Company voranzutreiben.

Autor: Michael Csoklich
Autor
Michael Csoklich ist einer der bekanntesten Wirtschaftsjournalisten Österreichs und leitete über viele Jahre das Ressort Wirtschaft im ORF Radio. Er ist Moderator, Querdenker und arbeitet als freier Journalist für die Kleine Zeitung. Seit 2016 schreibt er als Luftfahrtspezialist auf AviationNetOnline insbesondere über Spezialthemen, seit 2019 gibt er den Podcast "Flightcast" - eine Initiative von Austrian Airlines, FACC, Flughafen Wien und Frequentis - heraus.

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