Gewinn von Boeing bricht um die Hälfte ein

Das 737-Max-Debakel lastet nach wie vor auf dem US-Flugzeugbauer. Boeing meldet desaströse Zahlen fürs dritte Quartal.

Boeing 787 (Foto: Günter Wicker).

Wenn Boeing selbst siebeneinhalb Monate nach dem Grounding seines eigentlich als Superstar gefeierten Jets 737 Max Einblick in die Finanzbücher gewährt, ist der Schock der Börsianer vorprogrammiert: Der Flugzeughersteller hat das größte Gewicht aller Unternehmen im Dow 30. Nach Vorlage der Zahlen fürs dritte Quartal am Mittwochmittag sackte dann vorbörslich auch die Aktie von Boeing um zwei Prozent ab - noch kein großer Sturm, aber das Gewitter dürfte bei Börseneröffnung am Nachmittag folgen.

Denn die Zahlen Boeings liegen noch einmal unter den ohnehin schwachen Prognosen und zeichnen erneut das Debakel um die von zwei tödlichen Abstürzen gebeutelte 737 Max in tiefem Rot nach. So sackte der Quartalsumsatz mit einem Minus von rund 21 Prozent auf 19,9 Milliarden Dollar ab. Erwartet worden waren mindestens 20 Milliarden. In der Flugzeugsparte spiegelt der Erlös vor allem wichtige Neubestellungen wieder - oder eben auch nicht. Hier lag das Minus sogar bei 40 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal.

Beim Gewinn verzeichnet Boeing einen Einbruch um über die Hälfte auf magere 895 Millionen Dollar. Pro Aktie bedeutet das knapp 1,45 Dollar - erwartet worden war 2,09 Dollar je Anteilsschein. Der Cashflow sank von 4,6 Millionen Dollar im dritten Quartal 2018 auf minus 2,4 Millionen Dollar - sprich Boeing verbrennt kontinuierlich Geld.

Chef der Flugzeugsparte muss gehen

Wie sehr die Max-Krise noch immer auf dem Flugzeughersteller lastet, zeigen aber nicht nur die tiefroten Quartalszahlen. Gab sich Boeing nach den beiden tödlichen Abstürzen um die Jahreswende noch sehr schmalllippig und brauchte CEO Dennis Muilenberg nach der Katastrophe im Februar gar mehrere Tage, um den Opferfamilien sein Beileid zu bekunden, hat der Konzern nun einen Gang nach oben geschaltet.

Bereits gestern unterstrich Boeing in einem mehrseitigen Strategiepapier, was alles für die Wiederzulassung des Flugzeugs getan werde und was bereits erreicht sei. Auch scheut der Konzern inzwischen Konsequenzen in hochrangigen Personaletagen nicht. So verlor Vorstandschef Dennis Muilenberg vor knapp zwei Wochen seinen Chefposten im Verwaltungsrat. Er solle sich im operativen Geschäft komplett auf das Wiederzulassungsverfahren konzentrieren, hieß es. Gestern Abend feuerte Boeing dann den Chef der Zivielflugzeugsparte, Kevin McAllister. Ihm folgt der bisher für Kundenservice zuständige Stan Deal. 

Die Nachrichten wirken wie ein Befreiungsschlag für Boeing. Unterm Strich bleibt allerdings: Die 737 Max fliegt auch siebeneineinhalb Monate nach dem weltweiten Grounding nicht wieder. Gestern machte bereits die Meldung die Runde, dass die europäische Zulassungsbehörde, die sich bei der Re-Zertifizierung nicht mehr auf die amerikanischen Kollegen der FAA verlassen will, im Januar mit einer Freigabe rechnet. Hinzu kommt: Airlines stornieren massenweise ihre Bestellungen bei Boeing oder rechnen nicht mehr mit einem Einsatz der vorhandenen Jets in diesem Jahr. Die 737-Max-Krise ist zu Boeings schlimmstem Albtraum geworden - und er geht weiter: Am Freitag soll der offizielle Untersuchungsbericht zum Indonesien-Absturz veröffentlicht werden.

Autor: Carlo Sporkmann
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Carlo Sporkmann ist seit April 2019 als Autor für AviationNetOnline tätig. Der studierte Journalist berichtet für AviationNetOnline über den deutschen Luftverkehrsmarkt.

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