Gewerkschaften reagieren zurückhaltend auf Ryanair-Ankündigung

Reaktionen der deutschen Arbeitnehmervertreter auf das Malta-Air-Projekt des irischen Billigfliegers.

Maltesische Nationalflagge (Foto: Jan Gruber).

Die deutschen Luftfahrtgewerkschaften sind nach der Ryanair-Ankündigung, einen Ableger für Malta-Flüge zu gründen, abwartend. So teilt etwa die Pilotenvereinigung Cockpit (VC) auf Anfrage mit, dass man die "aktuelle Entwicklung bei Ryanair und der neuen Marke Malta Air "genau beobachte". Noch sei allerdings  "unklar, welche Auswirkungen die Neugründung für die Ryanair Mitarbeiter, nicht nur in Deutschland, hat". "Wir erwarten hierzu vom Unternehmen zeitnah entsprechende Antworten."

In Frankreich gibt es nach Informationen der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi bereits Arbeitsverträge, die unter dem Namen Malta Air geschlossen wurden. Dennoch stellt eine Sprecherin klar: "Wir haben die Zusage, dass es in Deutschland nicht zur befürchteten Tarifflucht kommen wird. Die weiteren Entwicklungen müssen genau beobachtet werden."

Angriffslustiger zeigt sich da die Kabinengewerkschaft Ufo, die zuletzt im Ringen um einen Tarifvertrag für deutsche Flugbegleiter Verdi den Vortritt lassen musste. "Wer sich der Illusion hingegeben hat, bei Ryanair habe es eine Veränderung in der Unternehmenskultur gegeben, dem dämmert es nun hoffentlich", so Ufo-Gewerkschafter Nicoley Baublies zu AviationNetOnline. "Die Verlagerung von Jets in ein anerkanntes Steuerparadies, das Arbeitgeber nach Gutdünken durchregieren lässt, zeigt, wohin die Reise gehen soll: Zurück zur Maxime, billig, koste es, was es wolle.“

Eine mit der Sache vertraute Person widerspricht Baublies: "Um das deutsche Steuergesetz zu ermöglichen, bringt es wenig, Arbeitnehmer in Irland oder Österreich zu beschäftigen" - Malta wäre da besser. "Auf Malta ließe sich sicherstellen, dass Angestellte ihre Steuern und Sozialabgaben in Deutschland zahlen."

Ryanair hatte am Montag angekündigt, dass es das maltesische Start-Up Malta Air mit sechs Flugzeugen übernimmt, AviationNetOnline berichtete. Innerhalb der kommenden Jahre soll die Flotte mit bislang unter anderem in Deutschland stationierten Maschinen ausgebaut werden. Auch sollen hunderte Crewmitglieder vor Ort angestellt sein.

Flüge von und nach Malta machen im Ryanair-Angebot bislang weniger als ein Prozent aus. Branchenkenner vermuten, dass Malta Air ein ähnliches Schicksal widerfahren könnte wie zuletzt der polnischen Ryanair Sun. Einst als Charterableger gestartet, ist inzwischen das komplette Ryanair-Programm in Polen bei der in Buzz umbenannten Airline konzentriert - inklusive vieler untarifierter Arbeitsplätze.  

Autor: Carlo Sporkmann
Redakteur
Carlo Sporkmann ist seit April 2019 als Autor für AviationNetOnline tätig. Der studierte Journalist berichtet für AviationNetOnline über den deutschen Luftverkehrsmarkt.

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