Gericht schmettert Klage gegen AUA ab

Handelsgericht Wien bestätigt Austrian Airlines Ticketbestimmungen, VKI wird Einspruch erheben.

Letztes Update: 05.09.2011 um 15:11 Uhr.

Flüge müssen auch künftig in der richtigen Reihenfolge durchgeführt werden (Foto: Austrian Airlines).

Das Handelsgericht Wien hat eine Klage des Vereins für Konsumenteninformation (VKI) gegen Austrian Airlines abgewiesen. Mit diesem Urteil bestätigt das Gericht die Regelung, dass Flugkupons in der richtigen Reihenfolge abgeflogen werden müssen und dass diese Ticketbedingungen gegenüber den Kunden klar und deutlich formuliert seien.

Das bedeutet beispielsweise für ein Ticket, das aus zwei Kupons - der erste für den Hin- und der zweite für den Rückflug - besteht: Die Flüge müssen genau in dieser Reihenfolge absolviert werden. "Diese Regelung ist enorm wichtig für Fluggesellschaften, die ein umfassendes Flugnetz betreiben. Ohne sie wäre es nicht möglich, dieses Flugnetz effizient zu planen und wirtschaftlich zu betreiben", so eine Aussendung der AUA.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig - der VKI wird dagegen Berufung einlegen. Der Leiter des Bereiches Recht beim VKI, Peter Kolba sagte gegenüber Austrian Aviation Net: "Es ist für den Kunden intransparent, was er aufzahlen muss. Bedenken Sie, wenn sie vor einem halben Jahr Wien - Hamburg - Wien gebucht haben und heute - aus persönlichen Gründen - nur Wien - Hamburg fliegen und Hamburg - Wien verfallen lassen, dann kann die AUA gemäß der Klausel von Ihnen jenen Betrag nachfordern, den seinerzeit bei Buchung der Flug Wien - Hamburg gekostet hätte. Wie wollen sie heute diesen Betrag überprüfen? Im Internet ist diese Information keinesfalls mehr verfügbar. Das ist intransparent. Im Urteil hat man sich mit dieser Situation nicht befasst."

Kolba kritisiert außerdem, dass Passagiere keinen ausreichenden Einblick in die Ticketgebarung hätten: "Welcher normale Flugkunde weiß, dass er, bei Verfallenlassen eines Teils der Leistung mit einer Aufzahlung rechnen muss? Niemand. Das wäre so, wie wenn ein Gastwirt beim Menüpreis einen Aufpreis verlangen würden, wenn Sie die Nachspeise nicht essen."

Kolba sieht durch diese Gerichtsentscheidung als Anzeichen für einen bedenklichen Trend: "Wir sehen eine gefährliche Tendenz: Der BGH hat in einem Urteil einen Verbraucher, der die Flugpreise genau studiert und gezielt den 'billigeren' Flug (Hin-Retour) bucht, geradezu als arglistig angesehen und jedenfalls nicht schützenswert. Das ist ein völliger Gegensatz zum Leitbild der EU ('mündiger Verbraucher', der genauso handelt und am Markt argiert)."

Für den Gang zum Obersten Gericht ist Kolba jedenfalls optimistisch: "Wir rechen uns im Rechtsmittel gute Chancen aus, dass die Gerichte das durchaus noch differenzierter untersuchen werden."

Autor: Martin Metzenbauer
Herausgeber und Chefredakteur
Martin gründete 2004 aufgrund seines starken Luftfahrtinteresses Aviation Net. Er liebt das Fliegen und Reisen– und schreibt darüber natürlich auch gerne.

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