Gehälter deutscher Lauda-Piloten vorerst eingefroren

Flugzeugführer lehnten eine Kurzarbeitsvereinbarung mit Verdi ab. Das Unternehmen will dem Vernehmen nach nicht mit der Vereinigung Cockpit verhandeln. Für die deutschen Flugbegleiter ist die Kurzarbeit schon unter Dach und Fach, da eine Vereinbarung mit Verdi mit großer Mehrheit angenommen wurde.

Airbus A320 am Flughafen Stuttgart (Foto: Thomas Ramgraber).

Die Kurzarbeit für das fliegende Lauda-Personal der Bases Düsseldorf und Stuttgart ist noch nicht in trockenen Tüchern. Aus einem Rundschreiben der Gewerkschaft Verdi und einem Mitarbeiteranschreiben von Personalchef Robert Wall geht hervor, dass für das Kabinenpersonal eine Einigung erzielt wurde und diese laut Verdi mit großer Mehrheit angenommen wurde. Der Tarifvertrag Kurzarbeit für die Lauda-Flugbegleiter ist nahezu deckungsgleich mit jenem, der bereits für die Konzernschwestern Ryanair DAC und Malta Air abgeschlossen wurde. Vorerst wurde vereinbart, dass diese zwischen 1. April und 31. Mai 2020 in Kurzarbeit treten werden. Auch kommt es zu finanziellen Aufstockungen und Kündigungsschutz.

Ganz anders ist allerdings die Situation bei den Piloten. Diese stimmten mehrheitlich gegen den Tarifvertrag Kurzarbeit, der von Verdi ausgehandelt wurde. Ein wichtiger Hintergrund dürfte sein, dass nur wenige Flugzeugführer in dieser Gewerkschaft vertreten sind. Insbesondere im Vorjahr wechselten viele in die Vereinigung Cockpit, die eigenen Angaben nach die mitgliederstärkste Fachgewerkschaft für Piloten in Deutschland ist.

Doch genau mit dieser will die Lauda-Unternehmensleitung offenbar nicht verhandeln, sondern besteht laut vorliegenden Schreiben der Gewerkschaften, dass die mit Verdi erzielte Vereinbarung übernommen werden soll. Doch genau diese Arbeitnehmervertretung sieht sich mangels Rückhalt unter den Flugzeugführern nicht dazu in der Lage einen Tarifvertrag Kurzarbeit für die Piloten abzuschließen. Bei den Flugbegleitern ist – wie erwähnt – bereits alles unter Dach und Fach.

Die Einstellung der Lauda-Geschäftsleitung ist insofern überraschend, da die Konzernschwestern Ryanair DAC und Malta Air für ihre Flugzeugführer bereits Kurzarbeitsvereinbarungen mit der Vereinigung Cockpit abgeschlossen haben und sich jene für die Lauda-Piloten ohnehin an jenen ihrer Konzern-Kollegen orientiert. Aus Kreisen der deutschen Lauda-Flugzeugführer ist zu hören, dass man den Eindruck hat, dass Lauda keinesfalls mit der Vereinigung Cockpit zusammenarbeiten wolle und die Piloten „zur Verdi schieben wolle“.

Unabhängig davon würde alternativ die Möglichkeit bestehen, dass die Lauda-Geschäftsführung die Kurzarbeit in Form von Einzelvereinbarungen mit den Piloten abschließt. Deutschland pocht hier allerdings sehr auf die Form und verlangt Original-Unterschriften auf die Dokumente. In Zeiten von COVID-19 ein durchaus kompliziertes Unterfangen, das insbesondere zeitraubend ist. Eine Vereinbarung mit der Gewerkschaft ersetzt die Einzelverträge. In Österreich entschied sich Lauda für Einzelvereinbarungen, in Deutschland jedoch besteht man laut den vorliegenden Informationen auf einen Vertrag mit Verdi. Einen Betriebsrat hat das fliegende Lauda-Personal in Deutschland bislang noch nicht konstituiert. Der Carrier unterhält Bases und damit auch Mitarbeiter an den Flughäfen Düsseldorf und Stuttgart.

Der Druck auf die Piloten, dass diese die mit Verdi abgeschlossene Vereinbarung akzeptieren sollen, wird nun dadurch verstärkt, dass die Gehaltszahlungen für das Kalendermonat April 2020 vorerst eingefroren werden sollen. Diese sollen solange einbehalten werden bis eine Einigung in Sachen Kurzarbeit erzielt wurde, geht aus einem Anschreiben von Personalchef Robert Wall hervor. Darin wird auch appelliert die Verdi-Vereinbarung zu akzeptieren. Je früher eine Zustimmung vorliegt, desto früher werde die Auszahlung der Pilotengehälter für April 2020 in Deutschland erfolgen. Die Flugbegleiter hingegen werden ihr Kurzarbeitsgeld und die arbeitgeberseitige Aufstockung zu den üblichen Auszahlungsterminen erhalten. Einige Flugzeugführer kritisieren die Vorgehensweise gegenüber AviationNetOnline, da die Verweigerung von Verhandlungen mit der Vereinigung Cockpit dazu führen würde, dass man regelrecht dazu gezwungen wird eine Verdi-Vereinbarung zu unterstützen, obwohl man dort nicht organisiert ist.

Aus Schreiben der Vereinigung Cockpit geht hervor, dass man regelrecht ignoriert wird. Somit bliebt die weitere Vorgehensweise in Sachen der deutschen Lauda-Piloten abzuwarten. Eine der beiden Seiten wird einlenken müssen, so auch die Vereinigung Cockpit und Verdi untereinander in Kontakt stehen, um eine Lösung für diese verzwickte Situation zu finden.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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