Gedanken zu den Budweiser Flughafenplänen

Ein Kommentar von Michael David.

Airbus A320 (Foto: www.AirTeamImages.com).

In den letzten Stunden geistern etliche neue Meldungen zu einem (Doch-Wieder)-Ausbau des Flugplatzes von Budweis durch die heimischen Medien. Selbst dem Radiosender Ö3 war es einen ausführlichen Beitrag wert, dass nun ein Regionalflughafen für Mühl- und Waldviertel in den Startlöchern steht. Sogar von ersten Flugverbindungen, etwa nach München, ist bereits die Rede. Ein ideales Timing, so kurz nach der ausgiebig geführten Diskussion rund um die Einstellung der Wien-Flüge ab Linz und unmittelbar vor dem mit Spannung erwarteten "Tag der Luftfahrt", an dem die Interessensbekundungen für den blue danube airport linz eine gemeinsame Plattform bekommen werden.

Doch, blickt man ein wenig intensiver hinter die Schlagzeilen in den heimischen Medien, kommt durchaus zum Vorschein, dass bereits in den südböhmischen Medien vor knapp einem Monat über die Ausbaupläne in Budweis berichtet wurde. Ausbaupläne, die mittlerweile schon zum dritten oder vierten Mal in den letzten 10 Jahren eine nochmalige Redimensionierung erfahren haben. Gab es zunächst Pläne, den Flugplatz um bis zu 75 Mio. Euro "international" zu bauen, wurden erst vor 3 Jahren konkrete Planungen mit einem Investitionsvolumen von "nur" mehr 40 Millionen Euro über die Medien gewälzt. Nach dem die Europäische Union die zunächst in Aussicht gestellten 15 Millionen Euro an Infrastrukturförderung wieder zurück zog, wurde es still um die Ausbauplanungen. Auch daher, dass geht in den derzeitigen Meldungen ziemlich unter, dass dieses Projekt in Südböhmen selbst sehr umstritten ist und die Mehrheit der Bevölkerung durch aus mit den Flughäfen Brünn, Linz, Wien oder Prag ihr Auslangen finden. Kurz nach dem Jahreswechsel wurden nun die Absichten einer bestimmten Interessensgruppe mit guten Kontakten zu bestimmten Teilen der südböhmischen Wirtschaft und Lokalpolitik wieder aus der Schublade geholt. Statt 40 Millionen Euro will man nun mit 18 Millionen Euro den vorhandenen Flugplatz ein paar Kilometer südwestlich von Budweis zur Internationalität verhelfen.

Um mich nicht falsch zu verstehen, ich lehne dieses Ausbauprojekt nicht zur Gänze ab, schließlich ist schon seit Jahren ein mitunter reger und lokalbedeutender Businessverkehr in Budweis vorhanden. Auch dieses Klientel, wie auch der übrige Privatflugverkehr, hat ein Anrecht auch in Budweis eine moderne Infrastruktur vorzufinden. Große Teile des Flugplatzes stammen nach wie vor aus frühen Zeiten des Kalten Krieges, eine Modernisierung des Flugplatzes und seiner Einrichtungen wird so oder so nicht ausbleiben können. Was aber die Absichten für den kommerziellen Flugverkehr angeht, so dürfte dies auch ein brauchbares Argument für die Projektbetreiber sein, die 18 Investititionsmillionen bis zu den kommenden Regionalwahlen in Südböhmen unter Dach und Fach zu bringen. Mit den immer strenger werdenden Regularien, die auch auf regionalen Kleinflughäfen sehr hohe Kosten verursachen, und den strengen EU-Regeln zur Subventionierung von Regionalairports bleibt abzuwarten, ob ein tatsächlicher internationaler Flugbetrieb ab Budweis wirtschaftlich auf Dauer möglich sein wird. Daher darf man nicht müde werden zu betonen, dass es sinnvoller wäre, auch die böhmischen Freunde würden sich zur bereits vorhandenen und bestens ausgebauten Flughafeninfrastruktur in Linz nutzen. Mit der demnächst fertiggestellten S10 zwischen Linz und der Staatsgrenze rückt der blue danube airport linz noch näher an Böhmen. Zudem schließt auch die geschaffene Tourismus-Arbeitsgemeinschaft Donau-Moldau-Region von Eurotours, dem Tourismusverband und dem blue danube airport linz als Regionalairport für genau diese Region explizit das großartige kulturelle und touristische Angebot in Südböhmen mit ein. Dafür sorgt eine umtriebige Tourismusfachkraft, selbst aus Südböhmen stammend, um beste Beziehungen und Kontakte. Es wäre schade, würden die böhmischen Freunde diese Synergieeffekte nicht erkennen, ohne den eigenen Flugplatz als Tor zur Welt für den lokalen Geschäftsreiseverkehrsbedarf einschränken zu müssen.

Es wäre auch wohl sinnvoller und zielführender, wenn Oberösterreich und Südböhmen, gemeinsam mit der Region Passau, stärker und selbsticher am Markt gegenüber neuen Airlines auftreten. Eine Wizzair beispielsweise kann von Linz aus den südböhmischen Markt mit vorhandener Infrastruktur sowohl land- als auch luftseitig bearbeiten, ohne im auch nach 2017 beschaulichen Budweis erst langwierig einen funktionierenden Flugverkehr hochzuziehen zu müssen. Wizzair hätte einerseits den Vorteil, bereits im tschechischen Markt bekannt zu sein, andererseits auch ab Linz neue Märkte zu erschließen. Deren Netzwerk reicht mittlerweile von Alesund in Norwegen über Lissabon im Portugal bis Larnaca auf Zypern. Destinationen, die auf anderen Flughäfen in der Umgebung nicht unbedingt im Flugplan stehen, daher sowohl in der Vermarktung des Outgoing-, als auch des Incomingverkehrs nicht uninteressant wären. 

Generell ist festzuhalten, dass der blue danube airport linz, der im Rahmen seines diesjährigen runden Jubiläums ohnehin den Blick in der Zukunft werfen wird, trotz der Rückschläge in letzter Zeit seine Daseinsberechtigung noch längst nicht verloren hat. Dass die Lage zwischen zweier Großflughäfen von internationaler Bedeutung keine einfache ist, hat nie jemand behauptet. Aber gerade daraus sind neue Chancen zu gewinnen, die nur dann möglich sind, wenn alle Partner an einem gemeinsamen starken Strang ziehen. Immerhin steht der Linzer Flughafen als infrastrukturelle Drehscheibe für den momentan exportstärksten Wirtschaftsraum Österreichs, der sich auch in zahlreichen europaweiten Rankings gut schlägt. Zusammen mit dem südböhmischen Raum um Budweis und Krumau, aber auch Passau und die Thermenregion Füssing-Griesbach-Birnbach, sowie dem angrenzenden westlichen Niederösterreich befindet sich der blue danube airport linz in Mitten einer vielseitigen, touristisch wie wirtschaftlich nicht unbedeutenden Region, nicht nur an der Donau. Mit einem gemeinsamen starken und konsequenten Auftreten dieser Regionen sollte es gelingen, Airlines wie auch überregionale Veranstalter davon zu überzeugen, in einen Markt und eine erst kürzlich geschaffene Tourismusplattform Donau-Moldau-Region hineinzugehen, den man selbst mitgestalten kann, ohne sich mit direkter Konkurrenz matchen zu müssen. Es heißt somit, jene Chance zu nutzen, die andere der Region und seinem eigenen wirtschaftlich gesunden Flughafen vielleicht gar nicht mehr geben - für Linz, für Oberösterreich und auch für die kulturellen Hotspots in Südböhmen. 

Zur Person:
Michael David, 32 Jahre aus Linz, beschäftigt sich seit der Kindheit mit der Luftfahrt, davon etwa 15 Jahre intensiv mit dem Thema Regionalflughäfen in Österreich. Durch diese Leidenschaft ist er Webmaster der Vereinshomepage des Verein der Freunde des Flughafens Linz (www.vffl.at), Initiator des Projektes „Direkt ab Linz“ zur Bewusstseinsbildung und Förderung von Direktflugangeboten ab Linz (www.unserlinz.at) und unterhält seit Jahren gute Kontakte innerhalb der Branche.

Autor: Michael David
Michael beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit den Themen Luftverkehr in Österreich, insbesondere der Regionalflughäfen, ist leidenschaftlicher Spotter und in der Szene der Flughafenfreunde aktiv. Seit März 2020 ist Michael David Teil des AviationNetOnline-Teams.

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