Für Löhne: Ryanair macht Geld für Lauda-Mitarbeiter locker

Tarifvertrag soll nun auch in Deutschland abgeschlossen werden. Bis zu 20 Prozent weniger Lohn könnte es für die Besserverdiener geben. Der Abbau von Stellen ist aus Sicht der Geschäftsleitung unausweichlich.

Boeing 737-800 (Foto: Flughafen Stuttgart).

Für die Lauda-Crews in Düsseldorf und Stuttgart brachte der Freitag-Abend zunächst gute Nachrichten, denn die Geschäftsleitung teilte in einem Rundschreiben mit, dass der Mutterkonzern Ryanair die finanziellen Mittel für die Auszahlung der Mai-Löhne bereitgestellt hat. Gegen die Ablehnung der Kurzarbeit wird man jedoch weiterhin klagen und der Zeitpunkt einer möglichen Bewilligung ist ungewiss.

Doch der folgende Absatz dürfte insbesondere den Kollegen in Wien bekannt vorkommen. Die Lauda-Geschäftsleitung schreibt, dass die Bases Düsseldorf und Stuttgart innerhalb des Ryanair-Netzwerks eine inakzeptable Performance aufweisen. Ähnlich wurde in Österreich auch argumentiert und nebst der Corona-Krise als Grund für einen neuen Kollektivvertrag genannt.

In Deutschland hat man derzeit keinen Tarifvertrag und kündigt an, dass man nun mit der Gewerkschaft einen abschließen will. Die Löhne sollen laut dem vorliegenden Rundschreiben um bis zu 20 Prozent („bei Höherverdienern“) sinken. Die beiden Bases müssen eine höhere Effizienz liefern, um den Wert von Lauda innerhalb der Ryanair Group unter Beweis zu stellen. Auch ist zu lesen, dass der Abbau von Stellen in Stuttgart und Düsseldorf „unausweichlich“ ist.

Bis zum 21. Juni 2020 soll ein so genanntes Eckpunkte-Papier für den Abschluss eines Tarifvertrags ausgearbeitet werden. Dieses soll auch die Grundlage dafür bilden, dass in Stuttgart und Düsseldorf „hoffentlich im Juli 2020“ der Flugbetrieb wiederaufgenommen werden kann. Dieser ist derzeit reduziert geplant und vorerst soll nur an den Verkehrstagen Freitag, Samstag und Sonntag geflogen werden. Dadurch ergebe sich ein „Überhang an Crews“. Was nicht erwähnt ist: Auch ein Überhang an Flugzeugen, denn einige Maschinen wurden aus Wien nach Stuttgart und Düsseldorf überstellt.

Im direkten Vergleich mit dem Ablauf der Ereignisse der Basis Wien ist zu bemerken, dass die Tonlage in Deutschland wesentlich freundlicher ausfällt und auf unterschwellige Drohungen verzichtet wurde. Dies könnte möglicherweise auch daran liegen, dass die deutsche Gewerkschaft Verdi äußerst erfahren im Umgang mit Ryanair und deren Tochter Malta Air ist. Eine Funktionärin sagte vor einigen Wochen gegenüber AviationNetOnline, dass es fast nichts gibt, das Verdi noch nicht im Zusammenhang mit Ryanair erlebt habe, jedoch immer wieder neue Überraschungen aus Dublin kommen. Malta Air und Ryanair haben einen Tarifvertrag, der von Verdi abgeschlossen wurde. Lauda hat derzeit in Deutschland keine solche Vereinbarung. Ein deutscher Tarifvertrag ist vom Sinn und Zweck her mit dem österreichischen Kollektivvertrag vergleichbar. Die Abläufe, die zum Abschluss führen unterscheiden sich jedoch zum Teil enorm.

Nachstehendes Rundschreiben haben die deutschen Lauda-Mitarbeiter am Freitag erhalten:

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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