Frau steckt 15 Menschen im Flugzeug an

Eine Studie zeigt, dass es auch im Flieger zu Superspreader-Events kommen kann.

Auch trotz großzügigen Sitzabständen - hier im Bild die Business Class der Boeing 787-9 von Vietnam Airlines - kann es zu Übertragungen kommen (Foto: www.AirTeamImages.com).

Flugreisen in Zeiten von Corona werden von den Airlines gerne als sicher dargestellt: Vermehrte Reinigung, HEPA-Filter und Mund-Nasen-Masken sollen verhindern, dass sich Infektionen an Bord ausbreiten. Doch ist die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung in der Flugzeugkabine tatsächlich so niedrig? In einer aktuellen Publikation der US-amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention (CDC) wurde nun ein Flug im März dieses Jahres genau analysiert. Das Ergebnis: Von einem Indexfall infizierten sich gleich 15 andere Personen an Bord.

Der Vietnam Airlines Flug VN54 startete am 1. März 2020 von London aus in Richtung Hanoi. An Bord der Boeing 787-9 befanden sich 16 Crewmitglieder und 201 Passagiere - darunter eine 27-jährige vietnamesische Geschäftsfrau. Bereits in den Tagen vor Abflug hat sie laut dem Paper über Halsschmerzen und Husten geklagt - den Flug hat sie trotzdem angetreten. Kurz nach der Rückkehr nach Vietnam wurde die Frau positiv auf SARS-CoV-2 getestet.

In Vietnam konnten die gesamte Besatzung sowie 84 Prozent der Passagiere nachverfolgt und getestet werden. Dabei zeigte sich, dass ein Crewmitglied und 14 weitere Fluggäste eine positive Corona-PCR hatten und mit aller Wahrscheinlichkeit auf dem Flug angesteckt worden sind. Besonders auffallend war dabei, dass die meisten der anschließend Corona-positiven Passagiere in unmittelbarer Nähe der Indexpatientin gesessen sind (hier auf der Seite der CDC eine Grafik dazu).

Diese Studie zeigt also, dass an Bord von Flugzeugen sehr wohl die Gefahr besteht, sich mit dem Coronavirus anzustecken. Man muss allerdings bedenken, dass es erstens Anfang März noch keine Maskenpflicht gegeben hat und dass zweitens die Frau trotz Symptomen geflogen ist. Beides dürfte heutzutage mit der Sensibilisierung im Zuge der Pandemie weniger ein Thema sein als noch vor mehr als einem halben Jahr.

Heute Standard - zum Zeitpunkt der in der Studie beschriebenen Übertragung noch die Ausnahme: Masken an Bord von Flugzeugen (Foto: Austrian Airlines / Peter Thier).

Die Autoren der Arbeit sprechen sich jedenfalls dafür aus, dass gerade in Ländern mit einer hohen Coronavirus-Aktivität unter anderem von den Gesundheitsbehörden und den Airlines verstärkt gescreent und Infektionsprophylaxe betrieben wird. Auf das obligatorische Tragen von Masken an Bord sowie Handhygiene und Hustenetikette sollten als einfache Maßnahmen ebenfalls geachtet werden. Das Blockieren von Mittelsitzen könnte zwar in der Theorie die Übertragung verhindern - dürfte aber "unzureichend sein, um Superspreader-Events zu vermeiden". In der Business-Class-Kabine wurden nämlich nicht nur Passagiere (mutmaßlich) angesteckt, die in der Nähe der infektiösen Frau gesessen sind.

Was kann man also aus der Studie lernen? Gerade die Airlines sollten dazu angehalten werden, die Hygienemaßnahmen an Bord akribischst zu überwachen. Konkret sollte also beispielsweise auf das korrekte Tragen des Mund-Nasen-Schutzes hingewiesen werden - immer wieder gibt es ja Berichte, dass dies nicht immer der Fall ist. Außerdem sollte streng darauf geachtet werden, symptomatische Passagiere oder Fluggäste mit Risiken erst gar nicht ins Flugzeug einsteigen zu lassen.

"Wir kommen zu dem Schluss, dass das Risiko für die Übertragung von SARS-CoV-2 an Bord während langer Flüge gegeben ist und das Potential hat, COVID-19-Cluster von beträchtlicher Größe zu verursachen, selbst in Business-Class-ähnlichen Umgebungen mit geräumigen Sitz-Arrangements, die weit über die bekannte Definition eines engen Kontakts in Flugzeugen hinausgehen. Solange COVID-19 ohne einen guten Point-of-Care-Test eine globale Pandemie-Bedrohung darstellt, sind bessere Maßnahmen zur Infektionsprävention an Bord und Screening-Verfahren nach der Ankunft erforderlich, um die Flugsicherheit zu gewährleisten," folgern die Autoren der Studie.

Autor: Martin Metzenbauer
Herausgeber und Chefredakteur
Martin gründete 2004 aufgrund seines starken Luftfahrtinteresses Aviation Net. Er liebt das Fliegen und Reisen– und schreibt darüber natürlich auch gerne.

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