Flugverbindungen in Europa droht der Totalkollaps

Immer mehr Länder schotten sich ab oder verhängen Flugverbote.

Nach dem rasanten Wachstum der letzten Jahre folgt heuer der Absturz (Foto: Martin Metzenbauer, Grafik: Pixabay).

Immer mehr Länder in Europa und im Mittelmeerraum machen entweder ihre Grenzen dicht oder verbieten Flugverbindungen generell bzw. aus bestimmten Regionen. So hat gerade erst Polen angekündigt, den internationalen Flugverkehr generell zu stoppen. Österreich lässt keine Passagierflüge mehr aus Italien und ab 16. März 2020 auch nicht aus Frankreich, Spanien und der Schweiz zu. Wer nach Israel oder künftig nach Zypern einreisen will, muss sich auf eine 14-tägige Quarantäne einstellen und Spanien steht ebenfalls kurz vor dem Lock-Down. Fast schon stündlich liest man von weiteren und neuen Restriktionen.

Kurzum: Flugreisen innerhalb Europas werden zunehmend verunmöglicht - on-top zu den ohnehin schon zu einem hohen Maße gestrichenen Langstreckenverbindungen. Den Überblick zu bewahren, wo man nun überhaupt noch fliegen kann, wird immer schwieriger. Neben den klaren Flugverboten geht aber ohnehin die Nachfrage auf vielen Strecken gegen Null - und Flugzeuge bleiben zunehmend am Boden.

Wohin die Reise in den nächsten Wochen gehen wird, ist relativ klar: Der Flugverkehr innerhalb der Region wird wohl aufgrund des Zusammenspiels aus Einreise- und Flugverboten gepaart mit der rapide abnehmenden Nachfrage und der Einsicht, dass "stay at home" (so dies möglich ist) aus epidemiologischer Sicht die derzeit wohl wichtigste Variable ist, das Virus im Zaume zu halten, weiter rapide sinken.

Europäischer oder globaler Lock-Down des Flugverkehrs?
Vorstellbar ist letztlich aber auch, dass es zu zusätzlichen und strikteren Reise- und Flugverboten kommt - ganz nach dem Motto "hit hard and early", um die Ausbreitung von COVID-19 in den Griff zu bekommen. Wobei - so ganz "early" ist man laut den letzten Zahlen aus Europa ohnehin nicht mehr dran. Letztlich ist sogar ein kurzfristiges weltweites Flugverbot (wir sprechen ja mittlerweile offiziell von einer Pandemie), um noch halbwegs Herr der Lage zu werden, nicht mehr ganz undenkbar. Aussprechen könnte eine solche "Empfehlung" beispielsweise die UNO oder eine ihrer angegliederten Organisationen.

Dass diese Reisebarrieren so gar nicht zum modernen globalisiert-kosmopolitischen Lifestyle passen, ist klar - die Alternative mit heillos überlasteten Gesundheitssystemen ist aber unter Garantie noch viel unangenehmer. Dass die aktuelle Krise mit massiven wirtschaftlichen Auswirkungen - nicht nur in der Luftfahrtbranche - einhergehen wird, ist dabei auch evident. So manche Fluglinie, die das große Airlinesterben 2019 noch gerade so überlebt hat, wird wohl Ende 2020 nicht mehr am Himmel zu finden sein - vor allem, wenn noch weniger geflogen wird als das jetzt schon der Fall ist. Traurig für die Unternehmen und deren Mitarbeiter - aber wohl Tatsache.

Wer glaubt, dass jetzt schon der Tiefpunkt erreicht ist, der sollte also noch abwarten - der Passagier-Flugverkehr in Europa (und wohl auch noch in anderen Pandemiezentren) könnte in den nächsten Wochen tatsächlich (mehr oder weniger erzwungen) gegen Null gehen. Wie lange es danach dauern wird, bis die Passagierzahlen wieder die All-Time-Highs des letzten Jahres erreichen, ist eine ganz andere Frage. Genauso, ob im Zuge dieser Mega-Krise die Aviation-Branche als Gesamtheit nicht nachhaltig stärker durchgerüttelt wird als wir uns heute vorstellen.

Autor: Martin Metzenbauer
Herausgeber und Chefredakteur
Martin gründete 2004 aufgrund seines starken Luftfahrtinteresses Aviation Net. Er liebt das Fliegen und Reisen– und schreibt darüber natürlich auch gerne.

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