Flughafen Wien will neue Regierung ins Boot holen

Im Rahmen eines Hintergrundgespräches Montagabend in Wien spannten die beiden VIE-Vorstände Günther Ofner und Julian Jäger einen weiten Bogen: Von der möglichen Regierungsbeteiligung der Grünen in Österreich über Kritik aus dem Lufthansa-Konzern an der Billigfliegerschwemme in Wien bis hin zur europäischen Luftfahrtpolitik reichten die Themen. Man merkt: Die beiden Chefs des größten österreichische Flughafen bewegt derzeit vieles.

Foto: Martin Metzenbauer

So haben die politischen Veränderungen seit Ibiza auch indirekt Auswirkungen auf den Airport in Schwechat: Konnte man sich vor ein paar Monaten mit Türkis-Blau noch in einem extrem freundlichen Klima in Sachen Verkehrsentwicklung wiegen, sieht es beim nicht unwahrscheinlichen neuen Regierungspartner der ÖVP - den Grünen - vielleicht ganz anders aus.

Wie auch immer sich die künftige Bundesregierung zusammensetzen wird: Günther Ofner spricht von „positiven Erwartungen“ dem Kanzler sowie den neuen Ministerinnen und Ministern gegenüber. „Wir sehen es nicht so, dass der große Showdown kommt“, so Ofner in Richtung der möglichen grünen Regierungsbeteiligung. „Die Dialogbereitschaft ist ein Teil unserer DNA ist“, verweist Ofner auf die langjährigen Diskussionen mit den Umlandgemeinden und das unbestritten erfolgreiche Dialogforum des Wiener Flughafens.

Grüner Airport
Der Airport selbst gibt sich jedenfalls seit Jahren nachhaltig und „grün“: So hat die Flughafen Wien AG seit 2013 ihren CO2-Ausstoß um 70 Prozent und den Energieverbrauch um 40 Prozent reduziert - in den nächsten Jahren soll diese Entwicklung fortgeführt werden. Auch die Luftfahrtbranche insgesamt solle man laut Günther Ofner nicht populistisch verunglimpfen: Die Flugzeughersteller verbessern die Effizienz ihrer Flugzeuge ständig. So verbrauchen Flugzeuge der neuesten Generation bis zu einem Viertel weniger Kerosin als ihre Vorgänger - entsprechend sinkt auch der CO2-Ausstoß, der allerdings bei der Fliegerei anteilig an allen Luftverschmutzern ohnehin im niedrigen einstelligen Bereich liegt.

Günther Ofner (links) und Julian Jäger (Foto: Flughafen Wien AG).

„Wirtschaftliches Wachstum und Klimaschutz sind keine Gegensätze“, richtet Ofner daher der neuen Regierung aus. Wichtig ist dem Airport-Vorstand aber auch, dass die künftige Bundesregierung vernünftige Standortpolitik für diesen wichtigen Wirtschaftszweig betreibt: „In Österreich arbeiten rund 95.000 Menschen im Luftfahrtsektor und noch viel mehr sind indirekt, beispielsweise in der Hotellerie, davon abhängig“, so Ofner. Luftfahrtspezifische Steuern und Abgaben sollen nur im europäischen Gleichklang umgesetzt werden, um Standortnachteile zu vermeiden - als Negativbeispiel dazu nennt der VIE-Vorstand die neue deutsche Luftfahrtsteuer. Apropos Europa: Dem ewigen Projekt Single European Sky gibt Ofner nicht zuletzt aus Klimagründen Top-Priorität: „Durch bessere Streckenführungen könnten hier auf einen Schlag zehn Prozent Kerosin eingespart werden.“

Arme Schweine auf der Ostautobahn
Aber auch eher regionale Wünsche richtet Günther Ofner an die neue Regierung: So müssen die Bahnanbindungen in der Ostregion von Wien via Flughafen bis in die Slowakei dringend verbessert werden. Das fängt schon auf der Zufahrt zum Flughafen an: „Wer die A4 benutzen muss, ist ein armes Schwein“, so Ofner wörtlich angesichts zunehmender Verkehrsüberlastung. Die Bahn schafft hier nur beschränkt Abhilfe: Zwar konnten die Auto-Zufahrten zum Airport von früher mehr als 50 auf derzeit 30 Prozent gesenkt werden - allerdings ist auch der City Airport Train (CAT) nahe an seiner Kapazitätsgrenze. Eine Ausweitung dieser Bahnverbindung ist aufgrund der Vollauslastung der S-Bahn-Strecke derzeit nicht möglich. Als ein erster Schritt könnten die Signalanlagen modernisiert werden, um die Kapazität zu erhöhen. Allerdings würde auch das Jahre dauern. Noch mehr Geduld könnte man die Bahnanbindung in Richtung Bratislava brauchen. Nach bisherigen Plänen soll es bis ins Jahr 2036 dauern - das sei laut dem VIE-Vorstand „nicht denkbar“.

Richtet Günther Ofner eher den Blick in die Zukunft, so reüssiert sein Vorstandskollege Julian Jäger über die jüngste Entwicklung des Flughafens - die ja auch zu einiger Kritik geführt hat - Stichwort „Billigfliegerschwemme“. In der Tat hat der Airport in den letzten Jahren einen enormen Wachstumsschub verzeichnet. So wurden im Jahr 2017 rund 24 Millionen Passagiere abgefertigt - heuer rechnet man mit 31 Millionen Fluggästen. Positiver Effekt: „Dadurch konnten am Standort Wien rund 1.500 Arbeitsplätze geschaffen werden“, so Jäger.

Neben Passagierwachstum und Arbeitsplätzen gibt es aber auch viele zusätzliche Anbindungen von und nach Wien - rund 50 neue Destinationen konnten in den letzten Jahren von Wien aus erreicht werden. Entsprechend sei laut Jäger die österreichische Hotellerie in Freude verfallen: „Der Begriff Jubelstimmung dafür ist geradewegs untertrieben“, so der Flughafen-Wien-Vorstand. So konnten zuletzt die Durchschnittserträge in den Hotels um 16 Prozent und die Zahl der Übernachtungen um acht Prozent gesteigert werden.

Schlechtere Ergebnisse als erwartet
Viele der neuen Destinationen sind allerdings durch die starke Konkurrenz am Airport nach dem Ende von Air Berlin und Niki entstanden - Billigflieger wie der Ryanair-Ableger Lauda, Wizzair, Level, EasyJet und noch ein paar andere haben den Markt ordentlich aufgewühlt. Die Folge: „Alle haben schlechtere Ergebnisse als erwartet“, so Jäger. Diese „unglaubliche Dynamik in den letzten zwei Jahren“ sieht er allerdings als Nachzieheffekt. In Europa würde der Billigflieger-Anteil rund 35 Prozent betragen, im Vereinigten Königreich sogar 43 Prozent - im Gegensatz zu Wien mit derzeit etwa 30 Prozent. Allerdings sei diese Entwicklung in Wien eben in viel kürzerer Zeit geschehen.

In den letzten Jahren schoss der Anteil der Billigflieger am Flughafen Wien in die Höhe (Foto: Thomas Ramgraber).

Die jüngste Kritik von Seiten der Lufthansa-Gruppe - Carsten Spohr erklärte beispielsweise vor ein paar Tagen im Interview mit dem „Handelsblatt“, dass der Flughafen Wien „Billigflugangebote subventioniert und damit der AUA und damit mittelfristig auch der Anbindung des Standorts Österreich das Leben zusätzlich erschwert“ - relativiert Jäger jedenfalls. So habe man erst 2017 neue Verträge mit Austrian Airlines abgeschlossen, die der Fluglinie letztlich Einsparungen beispielsweise beim Ground Handling beschert habe. „Die AUA nutzt sämtliche Incentives, die auch den Low Cost Carriern zugute kommen“, erklärt Jäger. Diese seien transparent und online abrufbar - so werden es beispielsweise im ersten Jahr einer Streckenaufnahme keine Landegebühren verrechnet.

Allerdings sei man offen, die Kooperation mit Austrian Airlines weiter zu verbessern und beispielsweise Synergien besser zu nützen. Als Ideen nennt Julian Jäger beispielsweise den Check-In-Bereich oder auch die IT, wo man besser zusammenarbeiten könnte. Laut Günther Ofner gebe es auch Ideen für Marketingkooperationen zwischen dem Flughafen und der AUA. Optimistisch zeigt sich Jäger jedenfalls angesichts der zuletzt gedämpften Ausblicke des Homecarriers: „Die AUA wird aus dieser Krise stärker hervorgehen.“

Autor: Martin Metzenbauer
Herausgeber und Chefredakteur
Martin gründete 2004 aufgrund seines starken Luftfahrtinteresses Aviation Net. Er liebt das Fliegen und Reisen– und schreibt darüber natürlich auch gerne.

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