Flughafen Wien: Weiter Drehkreuz oder nicht?

Die Lufthansa dementiert einen Bericht der Neuen Zürcher Zeitung, wonach der Vienna International Airport seine Hub-Funktion im Konzern verlieren soll.

Der Flughafen Wien zu besseren Zeiten (Foto: Martin Metzenbauer).

Ein Bericht der "Neuen Zürcher Zeitung" (NZZ) über die Lufthansa Group hat am Sonntag für einige Wogen in sozialen Netzwerken gesorgt: "Wie die 'NZZ am Sonntag' aus gut informierten Kreisen erfahren hat, diskutiert die Konzernleitung auch darüber, ob und welche der zahlreichen Flugdrehkreuze sie weiter betreiben soll. Neben Frankfurt sind München, Zürich, Brüssel und Wien Umsteigeflughäfen, an welchen jeweils landeseigene Fluggesellschaften ein Netz aus Lang- und Kurzstrecken anbieten. Wien ist als Drehscheibe offenbar gefährdet", heißt es in dem Bericht.

Das Dementi aus dem Lufthansa-Konzern zur möglichen Bedrohung für den Austrian-Airlines-Hub hat darauf allerdings nicht lange warten lassen: "Es gibt überhaupt keine Planung für eine Änderung in der Drehkreuz-Logik für die Zeit nach der Corona-Krise", wird Lufthansa-Konzernkommunikationschef Andreas Bartels von der APA zitiert. Dabei handle es sich um "reine Spekulation", so Bartels.

Auch wenn das Drehkreuz aktuell nicht gefährdet ist: Dass die AUA (wie auch viele andere Airlines) ohne grobe Veränderungen durch diese Krise gehen wird, scheint so gut wie ausgeschlossen. So erklärte Austrian-Airlines-Chef Alexis von Hoensbroech vor ein paar Tagen im Interview mit AviationNetOnline: "Klar ist, je länger die Krise dauert, desto schwieriger wird auch die Zeit der Erholung, da sind sich alle Wirtschaftsforscher einig. Wir rechnen derzeit mehrere Szenarien durch. Es ist meines Erachtens aber zu früh, sich festzulegen."

Reisefreiheit erst mit Impfung oder Behandlung?
Dazu, wie lange die Krise zumindest in Bezug auf das Reiseverhalten dauert, haben Bundeskanzler Sebastian Kurz sowie Außenminister Alexander Schallenberg am Wochende erklärt, dass man eine restriktive Linie verfolge. Kurz sagte im Interview mit der "Kleinen Zeitung": "Solange es keine Impfung oder keine wirksamen Medikamente gibt, wird uns diese Krankheit begleiten. So lange wird es auch die Reisefreiheit, wie wir sie gekannt haben, nicht geben." Außenminister Schallenberg wird von orf.at so zitiert: "Selbst wenn wir dem Coronavirus in Österreich Herr geworden sind, werden wir nicht unmittelbar zu uneingeschränkter Reisefreiheit zurückkehren können. Wir müssen davon ausgehen, dass einige Länder noch länger brauchen werden, um das Virus unter Kontrolle zu bekommen und daher weiterhin als Risikogebiete gelten werden."

Mit einer Impfung rechnen Experten nicht zuletzt aufgrund der langwierigen und strengen Zulassungsbestimmungen erst in einigen Monaten - womöglich erst nächstes Jahr. Und auch nachgewiesen wirksame Medikamente stehen derzeit noch aus - der deutsche Virologe Christian Drosten beispielsweise informiert im NDR Podcast regelmäßig über den diesbezüglichen Stand der Dinge.

Die Reisefreiheit in Österreich droht also nicht zuletzt aufgrund dieser Polit-Statements zusammen mit mangelnden Aussichten auf Prophylaxe und kausale Therapie der Infektion und der Erkrankung noch einige Zeit stark eingeschränkt zu bleiben. Die Folge wäre wohl, dass zwangsläufig die Airlines in Österreich noch länger am Boden bleiben. Zur Zukunft des Luftfahrtmarktes Österreich und damit letztlich auch von Austrian Airlines gibt es daher aktuell wahrscheinlich ohnehin nicht viel mehr als "reine Spekulation". Wie es im Speziellen mit Austrian Airlines und ihrem Drehkreuz Wien weitergeht, wird man wohl erst in einigen Monaten erahnen können.

Autor: Martin Metzenbauer
Herausgeber und Chefredakteur
Martin gründete 2004 aufgrund seines starken Luftfahrtinteresses Aviation Net. Er liebt das Fliegen und Reisen– und schreibt darüber natürlich auch gerne.

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