Flughafen Wien auf der Bremsspur

Nach dem überbordenden Wachstum des Vorjahres wird das Plus am Vienna International Airport heuer etwas niedriger ausfallen. Den Fokus setzt man in nächster Zeit aber ohnehin auf eine Steigerung der Qualität.

Durch die Süderweiterung sollen die Geschäfts- und Gastor-Flächen massiv erweitert werden (Foto: Flughafen Wien AG / zoomvp.at)

Das Wachstum am wichtigsten österreichischen Flughafen entwickelte sich im vergangenen Jahr jenseits jeglicher Airport-Manager-Phantasien: Ein Plus von mehr als 17 Prozent und ein Durchbrechen der 30-Millionen-Passagiere-Schallmauer bedeuteten das mit Abstand stärkste Jahr in der Geschichte des Wiener Flughafens.

Was das neue Jahr 2020 dem Airport bringen wird, steht im ersten von zwölf Monaten natürlich noch in den Sternen. Nur eines ist gewiss: Solch eine Steigerung wie im letzten Jahr wird es heuer mit Sicherheit nicht geben. Nach aktuellen Schätzungen geht der Flughafen aber immerhin von einem Plus von drei bis fünf Prozent aus. Wie weit man allerdings mit solchen Prognosen daneben liegen kann, zeigt jene der Flughafen Wien AG von Anfang 2019: Damals erwartete man 10 Prozent Wachstum im Vorjahr aus - damit lag man um mehr als 70 Prozent daneben, wie die Jahresstatistik zeigt.

Die Vorstände Günther Ofner und Julian Jäger sowie Pressesprecher Peter Kleemann beim Rück- und Ausblick (Foto: Martin Metzenbauer).

Heuer dürften die beiden Vorstände Günther Ofner und Julian Jäger allerdings eher recht bekommen - ein überraschendes Wachstum wie zuletzt wird sich vor allem aus zwei Gründen nicht mehr ausgehen. Zum einen ist der Airport zu den Spitzenzeiten mittlerweile einfach voll: Zusätzliche Slots wird es kaum mehr geben. Zum anderen rechnet man in der VIE-Chefetage von einer Marktbereinigung nach dem überbordenden Wachstum des Vorjahres. Julian Jäger erklärte im Rahmen der Neujahrespressekonferenz im Wiener Ringturm, dass man nur nicht wisse, wann sie komme - und wie heftig sie ausfalle. Vor allem auf zwei Airlines schaut man genau: „Wir sind gespannt, wie sich die Konkurrenzsituation wischen Lauda und WIzzair heuer weiterentwickelt“, so Jäger in Anspielung auf die Nummer 2 und 4 am Flughafen (Nummer 3 nach Passagieren war im Vorjahr Eurowings, die ja bekanntlich ab Wien künftig nur noch im AUA-Auftrag abheben wird).

Potential für weitere (geringere) Steigerungen der Passagierzahlen sieht Julian Jäger aktuell demnach nur über drei Wege - nämlich durch Auffüllen der Off-Peak-Zeiten, den Einsatz größerer Flugzeuge und einer höheren Auslastung selbiger. Bei der Auslastung befindet sich der Airport aber bereits jetzt auf dem richtigen Weg: Der durchschnittliche Ladefaktor ist 2019 im Vorjahresvergleich um 1,3 Prozentpunkte auf 77,3 Prozent gestiegen. Als Wachstumstreiber 2020 sieht er vor allem Austrian Airlines, Lauda, Wizzair und die Langstrecke.

Der umgebaute Terminal 2 soll bereits Ende 2020 eröffnet werden (Foto: Flughafen Wien AG).

Statt quantitativ so stark zu wachsen wie zuletzt möchte sich der Airport in der nächsten Zeit auf ein Plus an Qualität konzentrieren. Die wichtigsten Projekte dabei: Der Umbau des Terminal 2, die Renovierung des Pier Ost sowie der Neubau der Süderweiterung. Ersterer soll bereits Ende 2020 abgeschlossen sein - bei den anderen Baumaßnahmen düfte es 2023 soweit sein. Damit will man den Flughafen dann auch in Richtung „Fünf-Sterne-Airport“ schicken: Unter anderem sollen neue Lounges und 11.000 Quadratmeter zusätzlicher Shopping- und Gastronomieflächen dabei helfen. Ein weiterer Ausbau der gebäudenahen Gates ist übrigens derzeit nicht geplant. Die terminalseitige Kapazität des Flughafens wird bei rund 40 Millionen Passagieren pro Jahr liegen.

Apropos Baumaßnahmen: Bereits heuer wird der Office Park 4 aufsperren - Günther Ofner freut sich dabei bereits jetzt über eine Vermietungsquote von 40 Prozent. Auch der Betreiber des neuen Airport-Hotels ist gefunden: Die Accor-Gruppe wird das 350-Zimmer-Hotel mit einer neuen Marke betreiben.

Der Pier Ost wird rund zwei Jahre gesperrt werden - 2023 soll er wiedereröffnet werden (Foto: Flughafen Wien AG).

Und auch bilanziell soll sich im neuen Jahr bei der Flughafen Wien AG Positives tun: Finanzvorstand Ofner rechnet heuer mit mehr Umsatz (über 870 Millionen Euro) und einem höheren Konzernergebnis (mehr als 180 Millionen Euro). Die Nettoverschuldung soll 2020 einen Tiefststand von unter 100 Millionen Euro erreichen - durch die anstehenden Baumaßnahmen wird sie allerdings in den Folgejahren wieder steigen.

Und auch die Aktionäre dürften sich freuen: Die Dividendenausschüttung wird künftig auf 60 Prozent angehoben - für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Airports, die ja insgesamt 10 Prozent der Anteile halten - bedeutet dies mehr als ein Brutto-Monatsgehalt zusätzlich.

Autor: Martin Metzenbauer
Herausgeber und Chefredakteur
Martin gründete 2004 aufgrund seines starken Luftfahrtinteresses Aviation Net. Er liebt das Fliegen und Reisen– und schreibt darüber natürlich auch gerne.

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