Flotte von Germanwings wird halbiert

Airline fliegt ab Januar auch für Lufthansa.

Airbus A319 (Foto: Thomas Ramgraber).

Lufthansa scheint eine Lösung für die hohen Kosten bei seinem Billigflieger Eurowings gefunden zu haben: Nach AviationNetOnline-Informationen aus Konzernkreisen wird die Flotte der Germanwings zum Jahreswechsel mehr als halbiert. Zudem sollen bis zu acht Maschinen ab Januar erstmals für die Mutter Lufthansa fliegen. Der Konzern war bislang nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. 

Bislang fliegt Germanwings mit 33 Mittelstrecken-Flugzeugen für die eigene Markennachfolgerin Eurowings. Ab Januar sind es neben dem Lufthansa-Wet-Lease lediglich noch acht für den Low-Coster - die übrigen Jets gehen zu Eurowings Deutschland. Sollte dieses Szenario, über das am Montag die Belegschaft informiert wurde, umgesetzt, würde dies bedeuten, dass sich Germanwings im Gegenzug von den Airports Berlin-Tegel, Düsseldorf, Hamburg und Stuttgart zurückzöge und nur noch in Dortmund, Hanover und Köln/Bonn vertreten wäre. 

Das hätte mehrere Vorteile: Seit längerem favorisiert Eurowings auf der Kurz- und Mittelstrecke eine One-AOC-Policy. Denn bislang fliegen unter "EW"-Flugnummer neben Eurowings Deutschland und Germanwings auch LGW, die österreichische Eurowings Europe und vorübergehend auch die tschechische CSA. Das treibe die Kosten und verkompliziere den Umfang der Operation, heißt es immer wieder.

Pläne sollen Einsparungen bringen

Zudem dreht Lufthansa mit dem Konstrukt an der Kostenschraube und macht es der ertragsschwachen Eurowings leichter, in die schwarzen Zahlen zu fliegen. Denn einige Germanwings-Mitarbeiter werden immer noch nach dem Konzerntarifvertrag bezahlt, der unter anderem dienstälteren Piloten eine Wechselmöglichkeit zu Lufthansa "Classic" einräumt. Da sie deutlich teurer sind als Eurowings-Personal - aber gleichzeitig billiger als Lufthansa-Flugbegleiter und -Piloten -, kann der Konzern bei den Plänen auf deutliche Einsparungen hoffen.


Germanwings wird künftig nicht mehr exklusiv für Eurowings, sondern auch für Lufthansa fliegen (Foto: Jan Gruber).

Bislang werden Flüge unter "LH"-Flugnummer vorrangig von Lufthansa selbst durchgeführt. An den deutschen Drehkreuzen kommt zudem die Regionaltochter Cityline zum Einsatz. Vereinzelt fliegen auch die italienische Air Dolomiti und der deutsche Teil des Joint-Ventures Sunexpress für die Kranich-Airline.

Arbeitnehmervertreter kritisieren die Pläne. Verlierer der Aktion seien die Mitarbeiter, konstatiert die Flugbegleitergewerkschaft UFO. "Eurowings nutzt das Gesprächsembargo des Konzerns gegen uns schamlos aus, um Einsparungen durchzudrücken", heißt es von der Kabinengewerkschaft. "Als man im Sommer noch mit uns sprach, haben wir bereits signalisiert, dass wir einen solchen Weg nicht mitgehen." Es gebe fast 600 Germanwings-Flugbegleiter, deren Vergütungstarifvertrag besser ist als die Kontrakte bei Eurowings. "Dieses Lohnplus soll hier vernichtet werden."

Autor: Carlo Sporkmann
Redakteur
Carlo Sporkmann ist seit April 2019 als Autor für AviationNetOnline tätig. Der studierte Journalist berichtet für AviationNetOnline über den deutschen Luftverkehrsmarkt.

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