Fliegendes Lauda-Personal wählte neuen Betriebsrat

14 Flugbegleiter und zwei Piloten stellten sich zur Wahl.

Airbus A320 (Foto: Jan Gruber).

Ungeachtet der Ankündigung des stellvertretenden Ryanair-Personaldirektors, Robert Wall, dass die Lauda-Betriebsratswahl als „null und nichtig“ betrachtet wird, ging die Wahl der Arbeitnehmervertreter des fliegenden Personals am Mittwoch über die Bühne. Die Vorsitzende des Wahlkomitees erklärte gegenüber AviationNetOnline, dass die Beteiligung außerordentlich hoch war und keine einzige ungültige Stimme abgegeben wurde. In den nächsten Tagen wird sich der neue Lauda-Betriebsrat konstituieren.

Unter der Bezeichnung „Laudamotion Crew Workcouncil“ stellten sich insgesamt 16 Lauda-Mitarbeiter zur Wahl. Dabei kandidierten die ersten acht Mitarbeiter für aktive Positionen und die auf neun bis 16 gelisteten als Ersatzmitglieder. Unter den aktiven befinden sich sieben Flugbegleiter und ein Pilot. Ebenso verhält es sich bei den Ersatzmitgliedern. Für den Betriebsrat des Bodenpersonals kandierte keine einzige Liste, so dass es in Zukunft nur noch eine Arbeitnehmervertretung für das fliegende Personal geben wird.


Foto: Betriebsrat Lauda.

In den nächsten Tagen werden die frisch gewählten Arbeitnehmervertreter ihre konstituierende Sitzung abhalten. Die Flugbegleiterin Kerstin Hager ist dabei für den Vorsitz nominiert. Sie ist gleichzeitig jene Mitarbeiterin, die auch dem zuvor zurückgetretenen Betriebsrat angehörte und von Lauda ungeachtet dem Kündigungsschutz die Kündigung ausgesprochen bekam. Diese wurde seitens des Personalchefs mit „besonders auffällig häufigen Krankenständen“ begründet. Der Fall ist bereits gerichtsanhängig.

 „Angesichts des Drucks, den das Unternehmen im Vorfeld der Betriebsratswahl u. a. durch die unwirksame Kündigung einer Betriebsrätin auf KandidatInnen und MitarbeiterInnen ausgeübt hat, liegt die Wahlbeteiligung mit rund einem Drittel der gut 400 Wahlberechtigten über unseren Erwartungen. Das Recht hat sich durchgesetzt, die Strategie der Angstmache ist gescheitert“, so Vida-Gewerkschafter Daniel Liebhart. „Mein Dank gilt allen Mutigen, die trotz dieses vom Unternehmen verbreiteten Klimas der Angst heute die Betriebsratswahl ermöglicht und abgehalten haben, sowie allen Kolleginnen und Kollegen, die durch ihre Stimmenabgabe Courage gezeigt und ihre demokratischen Rechte wahrgenommen haben. Die Lauda-MitarbeiterInnen haben weiterhin einen starken Betriebsrat hinter sich, der gemeinsam mit der Gewerkschaft vida im Rücken für ihre Rechte gegenüber dem Arbeitgeber eintreten wird. Unternehmen, die geltendes Recht mit Füßen treten, muss ein Riegel vorgeschoben werden“.

Das Wahlkomitee bekam von der Lauda-Geschäftsleitung keine Personalliste zur Verfügung gestellt, obwohl diese schriftlich eingefordert wurde. Dennoch konnte mein sich eine anderweitig organisieren und verwendete zur Identifikation und zur Feststellung des Eintrittstermins die Dienstausweise (ID-Cards) des fliegenden Personals. Da Lauda-Personalchef Robert Wall bereits im Vorfeld schriftlich ankündigte, dass das Unternehmen die Betriebsratswahl als "null und nichtig" betrachtet, ist derzeit noch unklar, ob Geschäftsführer Andreas Gruber gegen die Wahl und bevorstehende Konstituierung des Betriebsrats klagen wird. Neueinstellungen sollen in Zukunft nur noch befristet über eine Leiharbeitsfirma erfolgen, bestätigte das Unternehmen am Donnerstag.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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