Fast 90 Prozent der Zulieferer rechnet mit Corona-Schäden

Branchenspezifische Rettungsprogramme begrüßt.

(Foto: www.AirTeamImages.com)

Die Corona-Pandemie hat auch erhebliche Auswirkungen auf die europäischen Luftfahrtzulieferer. Laut einer Befragung der Unternehmensberatung H&Z zusammen mit dem Industrieverband BDLI rechnen 89 Prozent der mittelständischen Betriebe mit mit weitreichenden, teils sogar existenzbedrohenden Folgen aus der Virus-Krise. 63 Prozent der zivilen Zulieferer sehen sich bereits jetzt direkt und unmittelbar von der Pandemie betroffen.

Entsprechend häufig greifen die Unternehmen auf staatliche Unterstützungsleistungen zurück. So haben 73 Prozent Kurzarbeit angemeldet oder haben dies vor – auch Steuerstundungen und die Soforthilfen der Regierung sind mit 51 bzw. 34 Prozent hoch im Kurs. Jedoch wird die Inanspruchnahme der staatlichen Rettungsprogramme, die über die Hausbanken laufen, erschwert. Denn die Unternehmen spüren, dass sich die Haltung der Kreditinstitute ihnen gegenüber verschlechtert hat:

(Grafik: H&Z)

Dabei hat der deutsche Staat für seine strauchelnde Industrie noch mehr Rettungslösungen parat. Über den in der Bankenkrise geschaffenen Rettungsfonds SoFFin (Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung) will sich der Bund auch an strauchelnden Unternehmen beteiligen. Der in Wirtschaftstabilisierungsfonds (WSF) umbenannte Schutzschirm soll Unternehmen unterstützen, am Kapitalmarkt Geld zu bekommen. Dafür kann er mit Garantien für bis zu 400 Milliarden Euro einstehen, sodass ein Unternehmen liquide ist, auch wenn es nicht so wirkt, als könne es langfristig Schulden tilgen. Mit weiteren 100 Milliarden Euro soll der WSF „auch großvolumige Stützungsmaßnahmen mit der Möglichkeit der direkten Eigenkapitalstärkung für relevante große deutsche Unternehmen der Realwirtschaft“ ermöglichen, heißt es im Gesetz. Dies könnte dann laufen wie im Fall der Commerzbank, an der der Staat bis heute mit knapp 15 Prozent beteiligt ist.

In dem Punkt sind sich aber fast alle Zulieferer einig: Sie gar nicht oder nur im äußersten Notfall (teil-)verstaatlicht werden. So sehen es laut der Befragung 94 Perozent der Unternehmen. Dem gegenüber begrüßt über ein Drittel branchenspezifische Hilfen wie einen Luftfahrtfonds:

(Grafik: H&Z)

Beim Blick in die Zukunft wird klar, wie herausfordernd die aktuelle Lage für die Unternehmen ist: Die zivilen Zulieferer gehen davon aus, frühestens ab 2023 wieder das Niveau von 2019 zu erreichen. Bis ca. 2023/2024 rechnen zwei Drittel der Unternehmen zudem mit einem deutlich erhöhten Preisdruck und einer damit einhergehenden weiteren Schwächung ihrer finanziellen Basis aufgrund der in der zivilen Produktion zu erwartenden mittelfristigen Überkapazitäten.

Autor: Carlo Sporkmann
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Carlo Sporkmann ist seit April 2019 als Autor für AviationNetOnline tätig. Der studierte Journalist berichtet für AviationNetOnline über den deutschen Luftverkehrsmarkt.

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