exbir: Nachgefragt beim Schnäppchenjäger

"Now everyone can fly" - das ist nicht nur der Slogan einer bekannten asiatischen Lowcost-Airline, sondern auch das Motto der Reisecommunity "exbir", die Urlaubsangebote für jeden Geldbeutel ausfindig macht und mit Reisewilligen teilt.

Chrissflyer nennt den internationalen Luftraum sein Zuhause.

Austrian Aviation Net hat sich mit Gründer "Chrissflyer" über das Portal, die berüchtigten Error-Fares sowie die Entwicklung der Flugpreise unterhalten.

AANet: Wie ist exbir entstanden und wer steht hinter dem Portal?
Chrissflyer: Exbir wurde 2010 – ich war damals noch Student – von der ITM („Ideas to Market“) aus Düsseldorf mit mir als Autor gegründet. Ich hatte einige Monate zuvor angefangen, für ein anderes Portal der Firma zu schreiben und aufgrund meiner Reisebegeisterung und Erfahrung wurde dann entschieden, eine eigene Seite zu gestalten, in der es um Extrem Billiges Reisen geht. Ein Treffpunkt für alle, die gerne günstig abheben und andere Billigreisende treffen wollen. Mittlerweile sind wir die Exbir Travel GmbH.

AANet: Was ist eure Vision/euer Ziel?
Chrissflyer: Als ich mein Abitur bestanden hatte, hätte ich es mir nicht im Entferntesten vorstellen können, mal über 1000 Flüge hinter mir und 77 Länder bereist zu haben: Fliegen erschien mir wie „Luxus“ – etwas, das man ein bis zwei Mal im Jahr maximal tun würde - der klassische Urlaub eben. Das stimmt jedoch, wie ich aus eigener Erfahrung weiß, nicht: Und genau diese Erfahrung möchte ich weitergeben: Auch wenn es heute praktisch keine 0,01 Euro-Tickets mehr gibt, wenn man es richtig macht, kann jeder reisen: Schüler vom Taschengeld, Studenten, Arbeitslose, Geringverdiener, jeder kann sich den Traum erfüllen und etwas von der Welt sehen. Städtetrips in Europa sind an vielen Orten schon für 30 Euro inklusive Flug und einer Übernachtung möglich und sogar der klassische Pauschalurlaub z.B. in die Türkei kann dank geschicktem Einsatz von „Geld-zurück-Gutscheinen“ für unter 50 Euro realisiert werden – man muss nur wissen, wie.

Und genau dafür ist Exbir da: Wir wollen zeigen, dass jeder reisen kann – unabhängig von der finanziellen Situation. Gehen Sie mal in ein Reisebüro und sagen „Ich habe 50 Euro und möchte für zwei Tage verreisen“ – Sie werden ausgelacht und hinausgeworfen. Viele nehmen diesen Betrag fast als Ticket-Service-Gebühr. Wir helfen Usern, so günstig zu reisen. Unsere Webseite richtet sich damit an jeden, der sparen will – entgegen des Namens kann auch derjenige, der hochwertig reist und im Hilton oder Iberostar Ressort wohnen möchte, zum Beispiel dank Gutscheinaktionen, die bei uns gelistet sind, sparen.

AANet: In den letzten Jahren haben ja einige Mitbewerber euren „Markt“ mit ähnlichen Services ins Visier genommen. Wie unterscheidet ihr euch von ihnen?
Chrissflyer:
Exbir ist eine Seite von Reisenden für Reisende. Unser Redaktionsteam – FlyWolf, FlyMartin, FlyJürgen und Ich– haben über 600 Städte in über 100 Ländern bereist, darunter auch seltene Reiseziele wie Kasachstan, Pakistan, Syrien oder Nordkorea, aber natürlich auch die klassischen Urlaubsdestinationen Grand Canyon, Ayers Rock, Waikiki oder die Chinesische Mauer. Wir waren da und können dem Nutzer Tipps geben, wie man vor Ort günstig reist. Wir können Hostels empfehlen, weil wir dort übernachtet haben. Sind die Betten bequem, ist das WiFi zuverlässig? Wir haben Erfahrung aus erster Hand. Wir haben über 200 Fluggesellschaften ausprobiert. Wir wissen, wie man für 20 Euro in Japan oder Australien fliegen kann, wir kennen uns mit Inlandsflügen auf den Cook-Inseln oder auf Samoa aus. Und, das ist der größte Vorteil von Exbir, man kann uns fragen! Entweder auf Facebook oder über die Funktion „Ich habe da mal eine Frage“. Antworten kann dann übrigens jeder registrierte Exbir-User. So können die Nutzer auch untereinander Tipps austauschen – zum Beispiel über das beste Hotel vor Ort oder gute Restaurants. Außerdem gibt es da natürlich noch unsere Partner, die mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Wir sehen uns auch nicht als Schnäppchenseite, sondern als Reisecommunity: Man kann bei „MyExbir“ seine gebuchten Flugstrecken eintragen, bekommt dann angezeigt, ob andere Nutzer zeitgleich vor Ort sind, kann sich über die Pinnwandfunktion verabreden und einen Mietwagen teilen, um einen Ausflug zu Wasserfällen oder in die Berge zu unternehmen und dann die Kosten aufteilen. Im Aufbau befindet sich eine große Flughafendatenbank mit Tipps, wie man besonders günstig von und zum Flughafen kommt. Am Ende ist es das Ziel von Exbir, dass Reisende nicht nur einen billigen Flug finden, sondern mit ihrem meist begrenzten Budget das Maximale erleben können.

AANet: Eurer Homepage kann man entnehmen, dass ihr auch mit diversen Unternehmen kooperiert. Welche sind das und welche Intention steckt hinter der Partnerschaft?
Chrissflyer:
Wir haben ein eigenes Partnerprogramm auf Exbir.de. Hier können Unternehmen wie Hostels, Ferienwohnungsvermieter oder Reisebüros ihre Angebote einstellen oder von uns einstellen lassen. Diese werden auf unserer Startseite in einer speziellen Spalte präsentiert, sodass der Nutzer auf einen Blick die neuesten Partnerangebote sieht. Einige Partner vergeben exklusive Rabatte oder Gutscheine an unsere reiseinteressierte Community.

Idealerweise ergänzen die Partner das bestehende Angebot: So haben wir ein Partnerreisebüro „Tropical Travel“ in Australien. Diese von einer ausgewanderten Deutschen geführte Travel Agency empfiehlt ausgewählte und selbst getestete Touren. Dadurch hat der Kunde die Sicherheit, in einer gut organisierten Tour zu landen. Natürlich verkauft diese zum selben Preis, wie zum Beispiel ein Reisebüro in Brisbane, Sydney oder Adelaide. Der Kunde kann also bei Exbir einen extrem billigen Flug oftmals zum Beispiel ab 850 Euro buchen und dann seine Reiseroute inklusive deutscher Beratung und aller Touren von unserem Partner erwerben. Wir haben auch ein Partnerreisebüro mit ausgebildeten Reiseverkehrskaufleuten, das mit einer normalen Festnetznummer bei der Beratung und Buchung von klassischen Pauschalreisen weiterhilft und besonders auf Familien mit Kindern spezialisiert ist. Denn ganz ehrlich: Welches Hotel auf Mallorca das beste Unterhaltungsprogramm für Zehnjährige oder die längste Rutsche hat, wissen wir Billigreisenden nicht, dafür haben wir aber Partner mit entsprechender Expertise.

AANet: Nun zu Ihrer Person: Wie viele Flüge/Flughäfen liegen bereits hinter Ihnen?
Chrissflyer:
Da ich aktuell auf einer Weltreise bin, kommen fast täglich neue Flüge hinzu. Insgesamt habe ich über 1100 Flüge hinter mir und bin nach heutigem Stand mit 149 verschiedenen Fluglinien geflogen. Ich denke, das ist für jemanden, der direkt von der harten Uni-Bank zu Exbir gekommen ist, ganz ordentlich.

AANet: Wie viele Tage im Jahr sind Sie dann unterwegs?
Chrissflyer:
Meine Heimat ist der internationale Luftraum. Die Anzahl der Tage, die ich zu Hause verbringe, variiert. 2010 bin ich zum Beispiel weniger gereist, aber generell bin ich mehr unterwegs, als zu Hause.

AANet: Welche Erfahrungen konnten Sie auf Ihren Reisen machen?
Chrissflyer:
Meine Erfahrungen sind unglaublich vielschichtig: Ich habe über 550 Städte in 77 Ländern besucht – von Grimsey nördlich von Island im Nordatlantik bis zu den Cook-Inseln im Südpazifik. Mein absolutes Lieblingsziel, das Einzige, wo mir wirklich vor Staunen der Mund offen stand, ist die unglaublich kleine Insel Mana Island im Pazifik. Wenn Europäer von den Südseeinseln reden, dann bezeichnen sie diese gerne als „Paradies“: Und, ehrlich gesagt, für ein paar Tage Urlaub an Traumstränden unter Kokospalmen und im kristallklaren Wasser ist diese Insel ideal. Ich glaube aber, wenn ich dort wohnen müsste, würde mir die Decke auf den Kopf fallen. Daher möchte ich auch Wellington, Auckland und Melbourne nennen – drei Städte, die mir mitsamt dem Umland überragend gut gefallen haben. Doch die wichtigste Lehre, die ich allen Lesern, die weniger Zeit haben, so weit zu reisen, geben möchte: Einige der tollsten Plätze der Welt liegen direkt vor unserer Haustür: Die griechischen Inseln sind anders, aber für mich ein genauso tolles Reiseziel, wie die Südsee, Island, Nordfinnland und, wenn es mal nur ein Wochenende sein soll, Budapest.

Einige der Reisen, an die ich am häufigsten zurückdenke, sind mein Besuche in Cluj-Napoca und Targu Mures. Ich habe mich vorher gar nicht groß informiert, sondern bin dahin geflogen, weil es günstig war. Herausgekommen ist eine unglaublich tolle Zeit, da ich in beiden Städten wirklich super nette Hosts von Couchsurfing hatte, sodass ich weit mehr gesehen und erlebt habe, als jeder Tourist im Hotel mit Reiseführer. Der „Gypsy-Markt“ zum Beispiel ist eher das Gegenteil einer Touristenattraktion, aber genau deswegen ein einmaliges Erlebnis. Man sieht die Kontraste, die im Land herrschen – wie die Menschen leben.

Generell fliege ich öfters einfach mal irgendwohin, weil es billig ist – immerhin sind wir bei Exbir. Dabei bin ich extrem oft sehr positiv überrascht worden: Kagoshima in Japan, damals neue Billigflugdestination bei Peach, die Westman Inseln vor Island oder mein Ausflug nach Oulu - alle samt gebucht, weil es Tickets unter 30 Euro gab - gehören zu den tollsten Reisezielen.

Mein Ratschlag daher: Wenn es günstig ist, fliegt einfach mal dort hin –insbesondere wenn man mit geringen Erwartungen anreist, wird man oft positiv überrascht, wogegen die absoluten Top-Destinationen oft die hohen Erwartungen nur gerade eben oder nicht einmal erfüllen können, da man sich zu viel verspricht.

AANet: Wie finanziert ihr eure Reisen?
Chrissflyer:
Wir finanzieren unsere Reisen mittlerweile durch die Einnahmen von Buchungen über Exbir.

AANet: Nun zurück zum Portal: Was bedeutet „extrem billig“ für euch?
Chrissflyer:
Ich fliege nach meiner derzeitigen Weltreise für 63 Euro return nach Tokio – das ist billig. Im Sommer habe ich dann eine Türkeirundreise geplant – dabei habe ich zwölf Flüge für insgesamt zehn Euro mit Pegasus und Atlasjet gebucht. Ich war über Silvester mit Iberia und American für 196 Euro in New York und Miami, bin für 147 Euro return von Paris nach Kuala Lumpur, für 142 Euro return von Düsseldorf nach Boston oder für zwei Cent nach Tel Aviv und Kairo geflogen – das prägt. Dazu mehrere Dutzend Flüge für einen Cent pro Strecke mit Ryanair oder 0,99 Euro mit Wizzair. Ich habe mal meinen Geburtstag in Dublin gefeiert – zwölf Gäste gebucht und weniger als einen Euro für alle zusammen bezahlt – auch mehr als fair. Das sind Preise, die ich als „extrem billig“ empfinde. Zehn Euro-Tickets gibt es ja, wenn man flexibel ist, immer – das ist dann noch günstig. Natürlich habe ich persönlich daher schon ein extremes Preisempfinden: Ich würde zum Beispiel für über 250 Euro nicht nach New York fliegen, denn ich weiß, wenn ich mich gedulde, kriege ich es irgendwann billiger. Da liegt normalerweise – außer bei Ozeanien – auch meine Schmerzgrenze für Langstrecken. Ich halte zum Beispiel 15 Euro für einen Oneway-Flug von Düsseldorf (NRN) nach London für teuer, auch wenn es das rational betrachtet nicht ist. Wenn man aber weiß, dass es Ziele wie London, Mailand, Bologna und co regelmäßig für zehn Euro gibt, warum sollte man mehr bezahlen. Es hängt aber auch von Airline und Service ab: So halte ich 20 Euro für einen Turkish Airlines-Flug von Istanbul nach Gaziantep für günstig, weil es wirklich richtig guten Bordservice gibt, obwohl Pegasus für fünf Euro weniger fliegt.

AANet: Wie findet ihr überhaupt eure Deals?
Chrissflyer:
Um Error-Fares und extrem billige Flugpreise zu finden, fragen wir die beliebtesten Flugkombinationen in regelmäßigen Abständen ab. Von zahlreichen Firmen bekommen wir auch Vorabinformationen lange vor dem offiziellen Newsletter, welche wir aber natürlich auch bestellt haben. Einige Anbieter stellen auch Gutscheincodes zur Verfügung, mit denen unsere Kunden sparen können. Vieles, was für unsere Kunden ein Top-Deal ist, haben wir aber als Kombination im Kopf: Billigbus, Billigflug und Hotel in einer Rabattaktion. Wenn wir eine Anbieteraktion sehen, haben wir gleich viele Ideen, was man damit anfangen kann. Und natürlich prüfen wir immer auch, inwieweit sich zwei oder drei Promoaktionen – zum Beispiel ein 24-Stunden-Rabattsale mit einem älteren, aber noch gültigen Gutscheincode kombinieren lassen. Das geht nämlich oft problemlos. Wir bekommen aber auch öfters Deals von Usern gemeldet, denn wir sind eine Mitmachseite.

AANet: Was sind die sagenumwobenen „Error-Fares“ genau und wie ist mit ihnen umzugehen? Wie gut stehen die Chancen, diesen Deal wirklich nutzen zu können?
Chrissflyer:
Als Error-Fares werden Flugtarife bezeichnet, die durch einen Fehler – sprich Error – zustande kommen. Dies kann vielfältige Ursachen haben: Der klassische Error-Fare ist ein einfacher Preisfehler. Ein Beispiel bietet Alitalia: Hier wurde ein Inlandstarif geladen, bei dem die Restriktion des Umstiegs nicht auf Italien oder Europa beschränkt war. Das sind natürlich Elfmeter für Schnäppchenjäger und Meilensammler. So konnte man zum Beispiel von Mailand über Tokio und Rom nach Bari oder Brindisi für 63 Euro Endpreis inklusive aller Steuern und Gebühren fliegen. Auch Variationen mit Kairo und Dubai oder Osaka sowie einigen weiteren waren möglich. Zudem gibt es bei einigen Airlines – auch hier ist Alitalia ganz vorne mit dabei – immer wieder Preisberechnungsfehler bei Gabelflügen, sodass bei gewissen Gabeln keine oder nur geringere YQ [Treibstoffzuschläge; Anm.d.Red.] entrichtet werden müssen. Die meisten Möglichkeiten sind oftmals über Monate offen, bei normalen Preisen aber nicht interessant, da die Grundpreise immer noch zu teuer sind. Wenn dann Promotarife geladen werden, wird es interessant, denn dann kann man richtig sparen – und eben extrem billig reisen.

AANet: Wie reagieren die Fluggesellschaften auf eure Arbeit?
Chrissflyer:
Sie freuen sich über viele neue Kunden, die sonst vermutlich nicht geflogen wären. In jedem Fall helfen wir den Airlines so, die Flieger mit Kunden, wie zum Beispiel Studenten, zu füllen, die zum Normalpreis nie aus Spaß für ein paar Tage nach Rio gereist wären, sondern eventuell an die Nordsee gefahren wären oder zu Hause Party gemacht hätten. Bei einigen Fluggesellschaften tauchen die „Error-Fares“ so häufig auf, dass man fast von Absicht ausgehen muss, dass so Restplätze verkauft werden, ohne den Preis für den „Otto-Normal-Verbraucher“, der bereits eine Buchungsabsicht hat und auf der Airline-Webseite sucht oder gar in ein stationäres Reisebüro geht, senken zu müssen, um so im Yield-Management den maximalen Erlös erzielen zu können. Denn der Schnäppchenbucher hatte vorher vielleicht gar kein aktives Interesse, nach Tokio Narita oder Rio de Janeiro zu fliegen, sondern hat sich für die Ziele aufgrund des billigen Preises entschieden. Ähnlich funktionieren ja Blind-Booking-Angebote, wo der Kunde nur billig weg will und man so die Flieger auffüllen kann, ohne den Preis für diejenigen, die eine feste Buchungsabsicht haben, zu senken.

AANet: Viele Reisende trauen „extrem billigen“ Angeboten nicht. Was ratet ihr ihnen? Habt ihr auch schon negative Erfahrungen mit solchen zu günstigen Flügen gemacht?
Chrissflyer:
Nein, überhaupt nicht. Wir haben etliche Flüge für 0,01 Euro absolviert und niemals Probleme gehabt. Auch bei Error-Fares hatten wir nie Schwierigkeiten: Ist das Ticket ausgestellt und wurde nicht umgehend angefochten (storniert), ist jeder Error-Fare wie ein normaler Tarif gültig. Angst davor, am Airport stehen zu bleiben oder etwas nachzahlen zu müssen, braucht man nicht zu haben. Zudem werden die günstigen Tarife von den Airlines ja absichtlich angeboten. Ryanair ist zum Beispiel dafür bekannt, eine der pünktlichsten Fluglinien der Welt mit der geringsten Zahl an Annullierungen zu sein. Auch die anderen Billigfluglinien – Air Asia, Southwest, Peach Aviation, Jetstar, Norwegian, etc. – sind pünktlich und zuverlässig. Verspätungen oder Flugstreichungen aufgrund des Wetters oder eines Technicals kann es aber natürlich bei jeder Airline geben. Generell wird bei Billigfluglinien weniger gestrichen, als bei Netzwerkairlines, da die Lowcost Carrier keine schlecht gebuchten Flüge zusammenlegen oder Passagiere, die einen Nonstopflug gebucht hatten, dann über Hubs rerouten.

Meine persönlichen negativen Erfahrungen waren zuletzt ausschließlich mit teuren Fluglinien: Ich habe im letzten Jahr zwei Flüge bei Lufthansa gebucht gehabt und drei bei Air Berlin. Davon wurde nur einer durchgeführt wie gebucht – der war aber auch kurzfristig gebucht; die anderen waren einige Monate vorher zu Aktionspreisen reserviert. Leider werden beide Fluglinien gerade kaputtgespart: Bei jeder neuen Sparrunde wird ohne Rücksicht auf die Passagiere gestrichen: Air Berlin hat letztes Jahr zahlreiche Flüge auf die griechischen Inseln kurz vor den Sommerferien ersatzlos annulliert – ohne jede Rücksicht auf die Kunden, die zum Teil schon Hotels fest gebucht hatten. Umbuchungen auf andere Airlines – obwohl rechtlich zwingend, wenn man eine Strecke ganz aufgibt – sind bei Air Berlin unserer Erfahrung nach ohne Anwalt kaum durchzusetzen. Da hebt sich Lufthansa noch ab: Hier konnte mit ein wenig Nachdruck eine Umbuchung auf den Star Alliance-Partner Turkish Airlines erreicht werden. Auch Kompensationszahlungen nach der EU-Verordnung EG 261/2004 wegen Annullierungen haben wir von beiden Airlines erst nach Einreichung der Klage erhalten – vorher wird dem Kunden leider ins Gesicht gelogen. Harte Worte – aber das sind Fakten.

AANet: Wie viel dürfen Flüge eurer Meinung nach kosten?
Chrissflyer:
Das kann man nicht verallgemeinern und kommt unter anderem auf die Entfernung, das Produkt der Airline, die Reiseart und den Wohnort an. So ist ein 49 Euro „Fliegenpreisticket“ der Condor auf die griechischen Inseln für eine Familie mit Kindern und viel Aufgabegepäck aus Frankfurt ein sehr guter Preis. Für einen Studenten aus Duisburg mit Rucksack und Handgepäck ist natürlich ein günstiger Ryanair-Tarif ab Düsseldorf Weeze, vielleicht noch mit einem netten Stopover in Mailand Bergamo kombiniert, für zweimal zehn Euro die bessere Option. Zudem hängt das Ganze auch vom Reisezeitraum und der Destination ab. Wenn man unbedingt zu einem Flugziel will, welches nicht von Lowcost Airlines angeflogen wird, kann ein Preis günstig sein, der auf einer anderen Strecke von jedem Reisenden als Wucher empfunden würde. So empfinden wir zwanzig Euro für einen Flug von Deutschland nach London Stansted zwar als fair, aber eben nicht mehr als billig. Denn der Preis ist ja höher als normal, da man häufig auch für die Hälfte oder weniger dorthin kommt. Für einen gleichlangen Flug mit Turkish Airlines zum Beispiel auf der Strecke Istanbul-Izmir würde man wegen des guten Bordproduktes zwanzig Euro aber als extrem billig ansehen, auch wenn Pegasus Airlines recht regelmäßig auf selbiger Verbindung für rund 15 Euro unterwegs ist. Man muss auch immer das Gesamtkonzept und den Gesamtpreis betrachten: So kommt man zum Beispiel von Bergamo, das Ryanair und Wizzair anfliegen, genauso schnell aber billiger nach Mailand, wie von Malpensa, wo Niki oder Air Berlin hinfliegen. An einigen Flughäfen ist es dann genau andersherum.

Innerdeutsch geht nichts unter 33 Euro – also ist das zumindest noch akzeptabel, da die Bahn ja auch meist erst bei 29 Euro beginnt. Hier sehen wir jedoch aktuell einen Preiskampf der Fernbuslinien und zeigen diese als Alternative auf. Auf der Langstrecke unterscheiden wir zwischen billigen Error-Fares, wie 200 Euro nach New York, und günstigen Normaltarifen, zum Beispiel 420 Euro nach New York. Beide Tarife werden bei uns vorgestellt und entsprechend gekennzeichnet. Wer zu einem gewissen Zeitpunkt reisen muss, freut sich auch darüber, 420 statt 500 Euro zu bezahlen, der flexible Schnäppchenjäger kann dank Exbir hier und dort auch schon einmal für rund 200 Euro über den Teich jetten.

Natürlich muss man betonen, dass wir über den jeweils niedrigsten Einstiegspreis reden. Keine Airline kann nur günstige Tickets abgeben; es wird immer nur ein Bruchteil der Flüge zu den hier genannten Preisen verkauft – das nennt man Yield-Management, also eine Mischkalkulation. Aktuelle Zahlen zeigen aber, dass Airlines, die diese Tickets billig abgeben, anstatt die Sitze leer zu lassen, wesentlich bessere Ergebnisse erzielen, als jene, die mit Hochpreisen einsteigen. Ryanair hat über Jahre hinweg sogar 0,01 Euro-Flüge in regelmäßigen Aktionen angeboten und war dabei stets profitabel.

AANet: Vor einigen Jahren wäre ein Portal wie eures vermutlich undenkbar gewesen. Wem verdanken wir die gesunkenen Flugpreise?
Chrissflyer:
Hier muss man neben der Liberalisierung des Marktes zwei Namen nennen: Ryanair und easyJet. Beide sind zunächst in Irland und UK und später ab der Jahrtausendwende auch in Kontinentaleuropa aufgetaucht und haben die Branche mit realistischen Ticketpreisen und einem kundenfreundlichen Oneway-Preissystem verändert. Beide sind noch heute die erfolgreichsten Airlines in Europa, wenn man Wachstumsraten und Erlöse anschaut. Denn genau das möchten die Reisenden: Günstig, zuverlässig und flexibel reisen und vor allem nur das bezahlen, was man braucht: Warum bei Lufthansa und co Gepäck oder Schalter-Check-In zwangsweise mitbezahlen, wenn man bei Kurztrips keines aufgibt? Warum umständlich über Drehkreuze fliegen, wenn es direkt schneller geht? Dabei tut easyJet den alten Airlines viel mehr weh als Ryanair: Denn während die Iren vor allem neue Kunden generieren, die sonst nicht geflogen wären und neue Regionen erschließen, wo mit anderen Airlines niemand hinfliegen würde, bietet easyJet von den großen Flughäfen der Metropolen preisgünstige Nonstopverbindungen und wirbt damit auch in einem nicht zu unterschätzenden Maße die klassischen Kunden der altmodischen Fluglinien ab. Die klassischen Airlines haben bisher vor allem auf Geschäftsreisende gesetzt. Nur kann man mit Businessreisenden heute kein Geld mehr im Kontverkehr verdienen – und das hat nach jahrelangen Verlusten sogar die schwerfällige Lufthansa erkannt. Die „neue Germanwings“ ist der richtige Weg, auch wenn der Einstiegspreis mit 33 Euro zu hoch gegriffen ist. Lieber einige wenige Tickets für sonst leer bleibende Sitze ab 19 Euro vermarkten und dafür bei den Businessreisenden zwölf Euro draufschlagen. Dann könnte man auch Auslastungen wie bei easyJet oder Ryanair hinbekommen. Drehkreuze sind aber nicht generell falsch: Ein Osteuropadrehkreuz zu Städten mit recht geringem Verkehrsaufkommen, wo man eine Boeing 737 oder einen Airbus A320 auch zu Lowcost-Preisen mangels Einwohnern nicht füllen kann, hat sicher Zukunft. Passagiere von Leipzig über Frankfurt nach Heathrow zu fliegen dagegen wohl kaum. Hier wird der LCC immer gewinnen.

AANet: Wie werden sich die Preise künftig entwickeln? Wird es schwieriger werden, „extrem billig“ zu reisen?
Chrissflyer:
Leider ja. Schon heute sind die Flugpreise um ein Vielfaches höher, als noch vor drei Jahren – insbesondere beim Einstiegspreis. Konnte man vor vier Jahren in den Sommerferien Ziele wie London, Dublin, Mailand, Doncaster oder Stockholm für 0,02 Euro erreichen, erwarten wir dieses Jahr für Juli und August ein extrem hohes Preislevel zwischen 16 und 22 Euro bei den Ryanair-Preisaktionen nach zwölf bis 18 Euro im letzten Jahr. Und hierbei reden wir von den klassischen Billigzielen, die im Volksmund als „ein-Cent-Strecken“ bezeichnet wurden. Wir erwarten, dass sich die Billigstpreise bei Ryanair in den nächsten Jahren bei rund 20 Euro einpendeln werden; in der Nebensaison dann bei gut 15 Euro. Rekordkerosinpreise, Abzocke bei Flughafengebühren zum Beispiel neuerdings in Spanien, die Luftverkehrsabgabe und der Emissionshandel werden wirklich billige Ticketpreise selbst bei gut geführten Airlines nur schwerlich zulassen. Bei Air Berlin beispielsweise gab es früher Tickets für 29 Euro zu Cityzielen inklusive Gepäck und Service und das sogar in den Sommerferien. Aktuell verlangt sie dafür zumeist 150 Euro und mehr.

Die besten Tage des Billigfliegens sind in Europa leider definitiv vorbei. Natürlich sind die Kosten gestiegen, doch der Hauptgrund ist ein anderer: Entgegen der Behauptung der Manager von Wettbewerbsdruck, gibt es am europäischen Himmel viel zu wenig Konkurrenz. Es gibt weit und breit niemanden, der Ryanair attackieren könnte und das ist ein großes Problem – auch für die kleineren Airports. Denn diese sind Ryanair ausgeliefert: Eine klassische Airline kriegt ab Rostock, Kassel oder auch Linz einen Jet nach Rom, Warschau oder Edinburgh nicht voll – so etwas geht nur mit LCCs. Prinzipiell bräuchte man zwei bis drei richtige Lowcost Airlines, die groß genug und gut genug aufgestellt wären, um mit Ryanair preislich zu konkurrieren. Wenn Ryanair heute 25 Euro verlangt, dann muss man das akzeptieren oder zu Hause bleiben. Vor einigen Jahren, als man für 29 Euro Full-Service-Tickets inklusive Gepäck oder 19-Euro-Tickets bei Tuifly und Germanwings und dafür zum Teil noch Meilen bekam, musste Ryanair oftmals sehr tiefpreisig anbieten. Während easyJet und Vueling sich immer mehr zu normalen Airlines entwickeln, wird Wizzair bereits massiv von Ryanair in Modlin, Budapest, Wroclaw und Danzig unter Druck gesetzt, sodass diese lieber in neuen Märkten wie der Ukraine expandiert. Die Netzwerkairlines werden weiterhin in ihrer eigenen Welt Verluste im Kontverkehr anhäufen, anstatt sich zu modernisieren und breiteren Kundengruppen zu öffnen.

Auch Flugpreise in Richtung Nordamerika werden durch die Fusion von American und US Airways weiter ansteigen. Es ist für uns unbegreiflich, dass ein Kartellamt so etwas genehmigen kann. Hinzu kommen die drei großen Joint-Ventures auf dem Nordatlantikmarkt, wo Preise offiziell abgestimmt werden dürfen. Ein von der Regierung genehmigtes Oligopol. Zwar startet Norwegian Lowcost-Flüge ab Skandinavien, das alleine reicht aber bei Weitem nicht aus, um ein vernünftiges Preisverhältnis auf dem Nordatlantikmarkt zu generieren.

Richtung Asien erwarten wir hingegen in den kommenden Jahren weiterhin günstige Preise – ebenso nach Australien und Neuseeland, da hier noch echte Konkurrenz herrscht: Neben den Golfairlines wird vor allem Turkish Airlines eine große Rolle spielen, aber auch Aeroflot plant ein starkes Wachstum und Moskau Sheremetyevo liegt für China und Japan-Strecken gut. Auch Air Asia sehen wir mittelfristig in rund fünf Jahren wieder in Europa, einige Bangkok-Strecken auch schon früher. Bangkok, Singapur und co sollten also weiterhin zumindest im Rahmen von Preisaktionen für unter 500 Euro zu bekommen sein. Australien und Neuseeland für etwa 850 Euro. Denn hier müssen die Asiaten an der Preisschraube drehen, da viel Lokalverkehr an Jetsar, Air Asia und FlyScoot wandert. Innerhalb Japans und auch in Asien erwarten wir aufgrund der Konkurrenz von Jetstar, Tiger, Air Asia und lokalen Airlines weiterhin günstige Preise – und auch in Australien sollte das Niveau dank der Wachstumspläne von Tiger stabil bleiben. Zudem verstärken auch China Airlines, Air China, China Eastern, China Southern und co ihre Pläne, Passagiere zwischen Europa und Australien zu transportieren. Auch Pegasus wächst am Bosporus langsam vor sich hin und wird über kurz oder lang ein ernster Konkurrent: Nach Teheran, Dubai, Tiflis und Beirut ist die Airline heute gut aufgestellt. Irgendwann in mittlerer Zukunft erwarten wir auch eine Langstreckenorder – vermutlich für die 787 – von Pegasus.

Autor: Patrick Kritzinger
Das ist der Kurztext zu Patrick Kritzinger.

    Special Visitors

    CARGOLUX / LX-NCL
    Maleth Aero / 9H-VOX
    ANTONOV AIRLINES / UR-09307
    Russian Air Force / RA-85155
    Volga-Dnepr Airlines / RA-82042
    ROSSIYA / EI-UNP
    Antonov Airlines / UR-82007

    Unsere Autoren