Eva Air im Test: Luxus über den Wolken

In Asien und hier in Festland China liegt das Haupteinsatzgebiet von Eva Air. Dazu kommen acht Destinationen in Nordamerika, Brisbane sowie derzeit vier Ziele in Europa. Amsterdam, Paris, London, Wien und ab 2020 Mailand. Eva Air und Wien – diese Verbindung kann man guten Gewissens einen Evergreen nennen.

Seit 30 Jahren fliegt die Fluggesellschaft aus Taiwan Wien an. Lange Zeit mit einer A330-200, ab Oktober 2016 war eine 777-300 ER im Einsatz, und seit 10. Mai dieses Jahres wird die Strecke mit einer 787-9 „Dreamliner“ bedient. Der Eva Air Dreamliner ist für 304 Passagiere in zwei Klassen konzipiert – mit 26 Plätzen in der Royal Laurel Class und 278 Plätzen in der Economy Class. AviationNetOnline hat den Einsatz des neuen Flugzeuges auf der Strecke von Wien nach Taipeh zum Anlass genommen, die Kabine und das Service von Eva Air seinen Leserinnen und Lesern vorzustellen.

Boeing 787-9 am Flughafen Wien (Foto: Thomas Ramgraber).

Ganz generell gilt es vorweg einmal festzuhalten, dass Reisen in der Business Class schon etwas Feines ist. Im Grunde wird man von vorne bis hinten bedient und umsorgt. Das ist auch bei Eva Air nicht anders – aber auf hohem Level. Kaum ist man an Bord, schwirren die hilfreichen Geister in Form der Flugbegleiter um einen herum, weisen den Weg, helfen beim Gepäck und beim Sakko. Das Erfrischungstuch und ein Begrüßungsdrink folgen umgehend. 


Foto: Michael Csoklich.

Als Business Class Passagier hat man vor dem Start auch einiges zu „tun“, um sich auf seinem eher dunkelgrau gehaltenen Sitz mit grünen Farbtupfen einzurichten. Wo sind die Ablagefächer? Wo der Kopfhörer? Wo das Amenity Kit? Wie lässt sich der Sitz verstellen? Welche Anschlüsse gibt es? Was bietet das Inflight Entertainment System?


Business-Class-Sitz (Foto: Thomas Ramgraber).

Es ist alles in allem ein wohlfeiles Angebot, das Eva Air da für die Passagiere ausgetüftelt hat. Das ist einmal ein barartiges, verschließbares Ablagefach, das den Kopfhörer verbirgt und das Amenity Kit beherbergt. Letzteres ist besonders originell in Form eines Miniatur-Rimowakoffers, prall gefüllt von den Socken bis zur Feuchtigkeitscreme. Anschlüsse sind von USB bis zum Strom alle ausreichend vorhanden. Das Unterhaltungsangebot ist reichhaltig, sei es Filme, TV-Shows oder Spiele sowie die Air Show. Erstere Auswahl ist gut, reicht aber an das zumindest quantitativ riesige Angebot von Emirates nicht heran. Letztere, die Air Show spielt viele Stückerl, um sich über den Flug zu informieren und diesen zu verfolgen. Für diverse Arbeitsgeräte oder Lesestoff gibt es noch eine große Ablagefläche – ein eigenes Plätzchen, um die Brille verstauen zu können, gibt es nicht, da muss das verschließbare Fach herhalten. 

Wem das Unterhaltungsangebot nicht reicht, der kann sich über das Bord-WiFi mit der großen weiten Welt verbinden lassen. Gratis ist das nicht, je nach Bedürfnis gibt es drei Pakete zur Auswahl, die zwischen 5 und 30 US$ kosten. Funktioniert hat das beim Test einwandfrei. 


Economy-Class (Foto: Thomas Ramgraber).

Der Sitz selber ist in vielfältiger Form verstellbar, so dass es jedem Passagier möglich sein sollte, die richtige Sitz- oder Liegeposition zu finden. Die völlig flache Position fürs Schlafen ist heute ja schon Standard. Dass einem beim Herrichten der „Schlafstatt“ geholfen wird, nicht. Ungefragt taucht die Flugbegleiterin auf, bezieht die Unterlage und richtet die Decke und den Polster. Die Decke übrigens ist richtig dick und warm. Jetzt ist auch Zeit, in das Pyjama zu schlupfen, das Eva Air jedem Passagier in verschiedenen Größen anbietet. In der Nacht erstrahlt der Flugzeughimmel Dank der LED-Animation in der 787 als Sternenhimmel. Nur eine von vielen Beleuchtungsvarianten, die je nach Tageszeit angewendet werden. Wenn es stimmt, erleichtert das den Passagieren die Anpassung an die neue Zeitzone. 


Foto: Michael Csoklich.

Fehlt zum Glück über den Wolken noch das Essen. Eine eigene Weinkarte listet hier eine reiche Auswahl auf, vom Bier bis zum eigens gemixten Cocktail, von den antialkoholischen Getränken bis zu verschiedenen Kaffee-Varianten. Der Champagner kommt aus Frankreich, die Weine aus Frankreich, Deutschland und Spanien. Die Speisekarte lockt mit drei verschiedenen Menüs, Huhn, Fleisch und Fisch, jeweils mit Vorspeise und Früchten als Nachtisch. Ein vegetarisches Menü fehlt in der Karte. Der Tisch wird mit einer eigens gestalteten, in orangen Tönen gehaltenen Tischdecke gedeckt, die Serviette passt genau dazu. Die Gerichte sind wohltemperiert, nicht überladen, fein zusammengestellt und schmackhaft.


Foto: Michael Csoklich.

Bleiben, last not least, die Lounges. Sei es in Taipeh, oder in Bangkok, sollte man in Thailand zwischenlanden. Für beide Lounges sind die Attribute großzügig und vielfältig angebracht, wodurch den Passagieren der Aufenthalt virtuell klar verkürzt wird. 

Bewertungen: 

Die Crew:

✈️✈️✈️✈️✈️ 

Kabinenausstattung:

✈️✈️✈️✈️✈️

Sitz:

✈️✈️✈️✈️

Mahlzeiten:

✈️✈️✈️✈️

Sauberkeit:

✈️✈️✈️✈️✈️

Unterhaltungssystem:

✈️✈️✈️✈️ 

Gesamtnote: 4,5 – Gut
(Skala: Sehr gut = über 4,5, Gut = 3,7 bis 4,4, Befriedigend = 2,7 bis 3,6, Schlecht = 2,0 bis 2,6, Sehr schlecht = unter 2,0) 

Fazit:

Eva Air ist eine von elf 5-Sterne-Airlines weltweit, zum vierten Mal in Folge. Das spürt der Passagier an allen Ecken und Enden, weil die Fluglinie und ihre MitarbeiterInnen versuchen, diesen Anspruch auch zu leben. Um die Passagiere Luxus über den Wolken erleben zu lassen. Auch wenn es Kritik auf hohem Niveau ist: ein noch vielfältigeres Unterhaltungsprogramm sowie ein kleiner, zusätzlicher Schuss Kreativität beim Essen würde das Glück vollkommen machen.


Boeing 787-9 (Foto: Thomas Ramgraber).

Eva Air fliegt täglich von Wien nach Taipeh, jeden Montag, Donnerstag und Samstag nonstop und Dienstag, Mittwoch, Freitag und Sonntag via Bangkok. Die private taiwanesische Fluggesellschaft Eva Air ist Star Alliance-Mitglied seit 2013 und eine der nur elf Airlines weltweit, die mit den fünf Sternen von Skytrax für herausragende Services und Leistungen ausgezeichnet wurde. Sie ist Teil der angesehenen Evergreen Group und Schwestergesellschaft der Evergreen Line, eine der weltweit größten Containerschiff-Reedereien mit Sitz in Taipeh. Derzeit bedient Eva Air mehr als 60 Destinationen auf vier Kontinenten (Asien, Australien, Europa und Amerika) mit rund 80 Flugzeugen der Typen Boeing und Airbus.

Diese Reise wurde von Chilling and Spice Travel von EETS unterstützt. Der Tester von AviationNetOnline war bei seinem Urteil unabhängig und unbeeinflusst. 

Autor: Michael Csoklich
Autor
Michael Csoklich ist einer der bekanntesten Wirtschaftsjournalisten Österreichs und leitete über viele Jahre das Ressort Wirtschaft im ORF Radio. Er ist Moderator, Querdenker und arbeitet als freier Journalist für die Kleine Zeitung. Und seit 2016 schreibt er als Luftfahrtspezialist auf Aviation Net insbesondere über Spezialthemen.

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