Eurowings kassiert für Schalter-Check-in extra

Auch das zweite Handgepäckstück ist im Basic-Tarif künftig nicht mehr kostenfrei.

Foto: Jan Gruber.

Die Lufthansa-Tochter Eurowings beabsichtigt die Einnahmen durch Zusatzverkäufe zu erhöhen und kassiert bei Passagieren, die den Basic-Tarif buchen, ab März 2020 für die Mitnahme eines zweiten Handgepäckstücks extra. Bestehende Buchungen sind von dieser Preiserhöhung nicht betroffen.

Ebenfalls ist es künftig möglich, dass Basic-Fluggäste gegen Aufpreis Priority Boarding erhalten können. Diese Änderungen gelten zunächst für die Kurz- und Mittelstrecke und betreffen damit den Großteil des Flugangebots des Carriers.

In einer Medienmitteilung schreibt Eurowings, dass man den Einstiegstarif „preislich noch wettbewerbsfähiger“ machen will und gleichzeitig Passagieren noch mehr Auswahlmöglichkeiten bieten möchte. Dass Airlines für ein zweites Handgepäckstück zur Kasse bitten, ist keinesfalls eine Erfindung von Eurowings, denn viele Fluggesellschaften gestatten maximal ein Stück und kassieren für ein zweites extra. Die Billigfluggesellschaften Lauda, Ryanair, Wizzair sowie Condor und Utair erlauben in ihren günstigsten Tarifen nur die Mitnahme eines deutlich vom IATA-Standardmaß abweichenden Handgepäckstücks. Wer mehr mitnehmen möchte, muss extra bezahlen. Bei Lauda, Ryanair und Wizzair muss beispielsweise Priority Boarding gekauft werden, um ein Stück, das dem IATA-Standardmaß entspricht, an Bord nehmen zu dürfen. Weiters ist dann auch eine kleine Tasche inkludiert.

Eurowings betont in der Medienaussendung, dass das inkludierte Handgepäckstück weiterhin 55x40x23 Zentimeter groß sein darf. Damit weicht man im Gegensatz zu den Mitbewerbern Lauda, Ryanair, Wizzair, Utair und Condor nicht zu Ungunsten des Kundens von der Größe ab. Dennoch scheint auch Eurowings künftig mit Priority Boarding und dem zweiten Handgepäckstück Geld verdienen zu wollen, was angesichts der hohen Verluste, die die Lufthansa-Tochter jährlich einfliegt, auch nicht verwunderlich ist. Man schreibt, dass „regelmäßige Befragungen zeigen, dass dieser Service (Priority Boarding) vom Kunden sehr geschätzt wird“.

Für Buchungen auf der Eurowings-Kurz- und Mittelstrecke, die ab März 2020 getätigt werden, muss die Mitnahme eines zweiten Handgepäckstücks vorab online dazugekauft werden. Zu den Kosten hierfür machte das Unternehmen jedoch keinerlei Angaben. Direkt am Gate dürfte es vermutlich erheblich teurer werden. Priority Boarding ist bei Eurowings – im Gegensatz zu Wizzair, Ryanair und Lauda – nicht automatisch mit der Mitnahme eines zweiten Handgepäckstücks verbunden. Der Carrier handhabt dies künftig als zwei getrennte, kostenpflichtige Zusatzleistungen.

Schalter-Check-in wird kostenpflichtig

Eine weitere Verschlechterung, die Eurowings für ihre Kunden ab März 2020 vorbereitet hat, ist der Umstand, dass die Passagiere im Basic-Tarif nur noch online oder über die App einchecken können. Wer klassisch am Schalter einchecken möchte, muss hierfür künftig extra bezahlen. Der Carrier schreibt in der Medienmitteilung, dass dies „vorab flexibel als Zusatzleistung dazu gebucht“ werden kann. Über die Kosten hierfür schweigt sich der Carrier aus. Auch wird nicht erklärt welche Zusatzkosten auf Basic-Passagiere zukommen, die den Schalter-Check-in nicht vorab dazu gebucht haben und dennoch am Counter einchecken wollen. Zahlreiche Fluggesellschaften, darunter Easyjet, Air Baltic, Lauda, Ryanair und Wizzar, verlangen horrende Gebühren von bis zu 60 Euro pro Person für die Check-In-Dienstleistung am Schalter.

Eurowings betont in der Medienmitteilung, dass die neuen Extra-Kosten nur für Reisende im Basic-Tarif gelten. Wer den Smart-Tarif, der seit Herbst 2019 keine Snacks und Getränke mehr enthält oder den Bizz-Tarif bucht, soll weiterhin zwei Handgepäckstücke inkludiert haben, Priority Boarding nutzen können und auch ohne Extrakosten den Check-in klassisch am Schalter erledigen können.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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