Europa: 25 Milliarden Euro für Airlines

Hilfen könnten nicht ausreichen.

(Foto: www.AirTeamImages.com)

Europäische Airlines haben zur Bewältigung der Corona-Krise in diesem Jahr bislang 25 Milliarden Euro an Staatshilfen bekommen – allerdings werde das nicht ausreichen. Dies ist das Ergebnis einer Studie des deutschen Analysespezialisten Scope Ratings. "Die Liquiditätspuffer, über die die meisten Fluggesellschaften verfügten, reichten nicht aus, um eine Krise der Größenordnung zu bewältigen, die durch die Pandemie ausgelöst wurde und im April und Mai zum Grounding fast aller Flugzeuge führte", urteilt Scope-Analyst Werner Stäblein.

Die Finanzsituation habe sich erst einmal stabilisiert, heißt es, "aber der künftige Schuldenabbau und notwendige operative Umstrukturierungen werden sich für einige Akteure der Branche als herausfordernd erweisen", so Stäblein weiter. In der vergangenen Woche waren bereits bei Lufthansa Stimmen laut geworden, dass die neun Milliarden Euro Staatshilfe womöglich nicht ausreichen.

Denn vor allem Premium-Airlines sind auch in guten Zeiten keine wahren Cashcows: So hatten die großen drei Airline-Konzerne Europas (Lufthansa, Air France/KLM und IAG) zuletzt einen Jahresumsatz von rund 90 Milliarden Euro – aber nur 2,5 Milliarden Euro Kapitalzufluss aus dem laufenden Geschäft. Laut Stäblein liege dies an niedrigen Margen und hohen Investitionen in der Branche. Und in Krisenzeiten sind die Cashflows bei den meisten Airlines negativ.

Refundierungen belasten Airlines
„Natürlich hängt ein Großteil des Bargeldbedarfs im Jahr 2020 von der Höhe der Ticketrückerstattung, der Fortsetzung von Kurzzeitarbeitsverträgen und einer Belebung der Nachfrage nach Flugreisen ab.“ Die drei großen europäischen Netzbetreiber haben für die nächsten Jahre Kürzungen der Investitionen um mehr als vier Milliarden Euro angekündigt.

Hinzu kommt: Von der erhofften Erholung im Luftverkehr ist aktuell noch nicht so viel zu spüren. „Kunden für Lang- und Kurzstreckenverkehr buchen weiterhin sehr kurzfristig. Geschäftsreisen erholen sich nur langsam “, sagt Stäblein. Zwar nehme mit dem allmählich steigenden Passagierverkehr auch die Frachtkapazität in Passagierflugzeugen zu. Aber die Cargo-Sparte ist zu klein, um Einnahmeausfälle durch Passagierreisen auszugleichen. "Eine Wiederherstellung des Flugverkehrs auf das Niveau vor Covid-19 ist vor 2024 unwahrscheinlich", sagt Stäblein. "Die Branche muss ihre Kapazität entsprechend reduzieren."

Autor: Carlo Sporkmann
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Carlo Sporkmann ist seit April 2019 als Autor für AviationNetOnline tätig. Der studierte Journalist berichtet für AviationNetOnline über den deutschen Luftverkehrsmarkt.

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