EU: Reisefreiheit wird wiederaufgebaut

Staaten sollen je nach Fortschritt ihre Grenzen untereinander öffnen.

Derzeit sind zahlreiche Grenzübergänge innerhalb des Schengen-Raums geschlossen. Das soll ich bald ändern (Foto: Jan Gruber).

Die lange ersehnten Empfehlungen der EU-Kommission für das Comeback des freien Reisens innerhalb Europas sind nun da. Vorweg: Den Airlines will man keine Vorschriften machen, ob diese etwa den Mittelsitz freihalten oder nicht. Allerdings soll es zu einer europaweiten Maskenpflicht an Bord von Verkehrsflugzeugen kommen. Auch in den Flughafengebäuden ist das Tragen von Masken angedacht.

Doch wesentlich wichtiger sind die Orientierungshilfen der EU hinsichtlich der Öffnung der Grenzen innerhalb der Schengen-Region. Die Reisefreiheit soll schrittweise wiederhergestellt werden: Künftig soll es beim Grenzübertritt keine regulären Passkontrollen mehr geben. Passagiere, die von außerhalb der Europäischen Union in die Schengen-Region einreisen wollen, müssen sich allerdings auch weiterhin auf Quarantäne und Atteste einstellen. Unter Umständen kann sich ein Non-Schengen-Passstempel eines Drittlandes, der innerhalb von 14 Tagen liegt, als sehr hinderlich erweisen.

Nationale Vorgaben sind auch weiterhin möglich

Innerhalb des Schengen-Gebiets empfiehlt die EU-Kommission, dass die Wiederherstellung der Reisefreiheit rasch aber vorsichtig erfolgen soll. Das heißt konkret, dass Länder mit vergleichbarem Fortschritt in der Bekämpfung der Pandemie ihre Grenzen zueinander wieder freigeben können. Die Kommission betont dabei ausdrücklich, dass die Bewohner der beiden Staaten dann ohne irgendwelche Einschränkungen zwischen den beiden Ländern reisen können. Diese Freiheit darf nicht von der Staatsbürgerschaft abhängig gemacht werden, sondern gilt für sämtliche Bewohner der beiden Staaten. Dementsprechend könnte es durchaus sinnvoll sein, einen Meldezettel mitzuführen.

Die Empfehlungen der EU-Kommission sind keine verbindlichen Vorgaben und daher ist es nicht auszuschließen, dass einige Länder eigene Wege gehen. So gibt die EU-Kommission beispielsweise keine Verpflichtung für einen negativen Corona-Test beim Grenzübertritt heraus. Einzelne Länder können aber theoretisch dennoch negative PCR-Tests oder als Alternative eine Quarantäne verlangen. Jedenfalls soll ein Kernstück des EU-Vorstoßes eine Online-Karte sein, in der Reisende prüfen können, ob ihr Zielland auf demselben Niveau wie ihr Heimatland ist und ob die Grenzen bereits offen sind.

Betont wurde seitens der Kommission auch, dass der Sommertourismus grundsätzlich ermöglicht werden soll. Dabei soll aber unter anderem Bedingung sein, dass in den jeweiligen Ländern genügend Krankenhaus- und Testkapazitäten für den Notfall vorhanden sind.

Große Veränderungen für Hotels

Die jeweiligen Anordnungen der Nationalstaaten müssen beachtet werden. Dabei handelt es sich insbesondere um Hygiene- und Abstandsvorgaben. Möglicherweise können auch Apps, deren Verwendung freiwillig sein soll, helfen, um mögliche Infektionsketten nachverfolgbar zu machen.

Auf bedeutsame Veränderungen müssen sich Urlauber aber in Hotels und gegebenenfalls auch am Stand einstellen. Hier soll es zu strengen Hygiene- und Abstandsregeln kommen. So ist angedacht, dass Mahlzeiten und die Nutzung von Liegen, die in einem entsprechenden Abstand zueinanderstehen müssen, in Form gestaffelter Zeiten erfolgen müssen. Auch muss das Hotel regelmäßige Informationen über aktuelle Behördenvorgaben an die Gäste kommunizieren und für eine Nachverfolgung der Infektionsketten müssen die Daten der Urlauber auf Anforderung der Ämter zur Verfügung gestellt werden. Auch hinsichtlich der Reinigung der Zimmer und der Nutzung der Aufzüge soll es genaue Vorgaben geben. Auf die Hoteliers wird hier also viel zusätzliche Arbeit zukommen.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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