Emirates Österreich Chef Martin Gross im Interview

Deutliches Passagierplus trotz Luftfahrtkrise.

Foto: Emirates

Seit mittlerweile mehr als fünf Jahren ist Emirates in Österreich präsent - und dies offenbar mit großem Erfolg: Erst vor ein paar Monaten wurde die Kapazität auf der Strecke von Wien nach Dubai durch den Einsatz der Boeing 777-300ER statt des zuvor verwendeten kleineren Airbus A330-200 um rund 20% erhöht. Und das soll es nicht gewesen sein: "Double daily kommt," so Österreich-Chef Martin Gross im Austrian Aviation Net Interview. Nach dem Ende der Luftfahrtkrise könnte es mit der bereits lange erwarteten Aufstockung auf zwei tägliche Flüge losgehen.

Was es sonst noch Neues bei der noch immer rapide expandierenden Airline aus den Vereinigten Arabischen Emiraten gibt und wie man mit der Krise umgeht, lesen Sie im folgenden ausführlichen Gespräch.

Austrian Aviation Net: Reagiert Emirates auf die veränderten Reisegewohnheiten damit, dass man beispielsweise die Kabinenlayouts adaptiert, also weniger First und Business Class Sitze anbietet?

Martin Gross: Nein, das machen wir nicht. Wir positionieren uns schon jetzt für die Zeit nach der Krise. Das Problem ist allerdings, dass man nicht weiß, wie lange sie anhalten wird. Derzeit versuchen wir, durch attraktive Preisgestaltung und Specials die Buchungszahlen in der Business und First Class zu verbessern. Die Auslastungsrückgänge sind demnach auch nicht dramatisch – allerdings haben wir natürlich einen niedrigeren Yield.

Austrian Aviation Net: Was ist Ihre persönliche Meinung, wann die Krise zu Ende sein wird?

Martin Gross: Ich weiß es nicht. Wir gehen aber bei Emirates davon aus, dass es nicht vor dem Ende des Jahres 2010 sein wird. Uns geht es aber trotzdem verhältnismäßig gut damit – im zweiten Quartal des heurigen Jahres hatten wir ein Passagierplus von rund 15%. Allerdings haben wir unsere Kapazität um den gleichen Wert ausgestockt. Der Revenue-Teil sieht natürlich weniger gut aus.

Austrian Aviation Net: Wie sieht es mit den Flugzeugbestellungen aus? Ist da irgendetwas zurückgestellt worden?

Martin Gross: Nein. Wir bekommen im laufenden Geschäftsjahr 22 neue Flieger – die werden definitiv geliefert. Insgesamt haben wir rund 150 Maschinen bestellt – wir gehen davon aus, dass wir keine Rückstellungen haben werden.

Austrian Aviation Net: Eine der wichtigsten Bestellungen bei Emirates ist der A380. In den Medien wurde vor ein paar Monaten kolportiert, dass Emirates mit der Type nicht besonders zufrieden sein und es viele Probleme geben soll. Wie geht es Ihnen jetzt mit dem A380?

Martin Gross: Wir waren mit dem Airbus A380 nie total unzufrieden – die Sache wurde relativ stark aufgebauscht. Der A380 ist ein neues Verkehrsflugzeug und hat damit gewisse Kinderkrankheiten. Das Hauptproblem war zunächst einmal diese unglaubliche Lieferverzögerung. Wir haben im August letzten Jahres den ersten bekommen – es hätte nach Originalplan der 17. sein sollen. Unsere erste Kritik ist also dahin gegangen, dass die zu spät waren.

Nach der ersten Lieferung gab es eine Zeit, als wir uns dieses Flugzeug wirklich ganz genau angeschaut haben. Nach ungefähr drei Monaten haben wir dann einen Report mit den Problemen und unseren Änderungswünschen an Airbus geschickt. Und das ist dann recht stark publiziert worden. Man hatte den Eindruck, dass Emirates total unzufrieden mit der Type war – so war das aber nicht.

Austrian Aviation Net: Gibt es Erhebungen, wie zufrieden die Passagiere sind?

Martin Gross: Ja, die Resonanz der Passagiere ist fast ausschließlich positiv. Was den Leuten beispielsweise gefällt ist, dass es im Economy-Bereich gerade Wände gibt und das Platzangebot sehr großzügig ist. Den Business und First Class Passagieren gefällt vor allem die Bar und die Tatsache, dass das gesamte Upper Deck nur den Premium Klassen vorbehalten ist. Und auch zu den Showers haben wir tolles Feedback erhalten.

Austrian Aviation Net: Emirates hat immer Wert darauf gelegt, unabhängig und keiner Allianz verpflichtet zu sein. Ändert sich das angesichts der Krise?

Martin Gross: Der Standpunkt gegenüber den Allianzen hat sich nicht geändert. Wir haben ja unsere Gründe, warum wir keine Allianz brauchen – zum Beispiel, dass wir noch selber wachsen. Auch in der Krise. Gerade in Zeiten wie diesen hätten wir wahrscheinlich mehr Probleme, da wir uns die Troubles der Allianzpartner an Bord holen würden.

Austrian Aviation Net: Wie sieht es mit dem Gerücht aus, dass Emirates mit Etihad fusionieren möchte?

Martin Gross: Dieses Etihad-Gerücht kommt und geht – wir kommentieren das nicht weiter, außer dass wir sagen, dass da nichts dran ist. Das Gerücht ist ja dadurch entstanden, dass sich Abu Dhabi mit hohen Summen in Dubai engagiert hat. Dadurch sind dann Spekulationen entstanden, dass es nun auch Beteiligungen an gewissen großen Unternehmen geben würde. Da ist nichts dran und wir sind überzeugt davon, dass beide Fluggesellschaften eigenständig gut aufgestellt sind.

Austrian Aviation Net: Kommen wir nach Österreich: Wie sind Sie mit der Situation hier zufrieden?

Martin Gross: Die Situation hier ist in gewissen Bereichen gleich, in anderen unterschiedlich. Wo wir uns in Österreich vom Rest der Welt unterscheiden ist, dass wir momentan einen ziemlich hohen First Class Anteil haben. Der Hauptanteil ist in Österreich nie von den Geschäfts- sondern von den Privatreisenden gekommen. Offensichtlich scheint dabei der Rückgang längst nicht so groß zu sein wie bei den Geschäftsreisenden.

Gerade jetzt im Sommer sehen wir auch ein extrem starkes Incoming-Geschäft. In diesen Monaten haben wir sehr viele Araber hier – da sind First und Business Class fast jeden Tag voll. In diesem Zusammenhang war es sehr gut, dass wir vor ein paar Monaten vom A330 in Business- und Economy-Bestuhlung auf die Boeing 777 mit einer First und einer größeren Business Class umgestiegen sind. Dadurch konnten wir die Anzahl der Premium-Sitzplätze fast verdoppeln.

Die Buchungen ab Österreich zeigen ebenfalls einen relativ starken Passagierzuwachs. Wir rechnen mit einem Plus von 20 bis 30% (bei einem Kapazitätszuwachs von rund 20% durch den Einsatz der 777) bis zum Ende des ersten Geschäftshalbjahres mit Ende September. Leider kann der Yield mit dieser Zunahme nicht mithalten.

Dieses Jahr haben wir auch einen absoluten Schwerpunkt auf Dubai gelegt. Wir haben das in den letzten zwei Jahren zwar nicht vernachlässigt – aber mit den kleineren Maschinen und der hohen Nachfrage nach Beyond-Destinationen mussten wir Dubai nicht besonders pushen. Wir haben also jetzt folgende Situation: Erstens haben wir die Wirtschaftskrise mit ihren Folgen, zweitens mehr Kapazität auf der Route und drittens sind die Hotelpreise in den letzten Monaten hinuntergegangen. Für uns hat es sich also gelohnt, Dubai mit Werbung, einer entsprechenden Preispolitik und Promotions ordentlich zu pushen. Das hat dazu geführt, dass der Anteil der Dubai-Passagiere raketenartig nach oben gegangen ist.

Austrian Aviation Net: Wie hat sich die Anzahl der Dubai-Passagiere verändert?

Martin Gross: Die hat sich in manchen Monaten um 60 bis 70% erhöht.

Austrian Aviation Net: Welche der Beyond-Dubai-Destinationen gehen ab Wien besonders gut?

Martin Gross: Das sind zum Beispiel die Malediven, Mauritius, die Seychellen, Südafrika oder auch Bangkok.

Austrian Aviation Net: Ein altes Thema ist die Aufstockung der Wien-Flüge. Wie sieht es damit aus?

Martin Gross: Double daily kommt. Das ist überhaupt keine Frage. Die Frage ist nur, wann – in Zeiten wie diesen ist eine solche Kapazitätsaufstockung natürlich recht schwierig. Die AUA hat ja versucht, double daily zu fliegen und das auch groß beworben – herausgekommen ist jetzt ein täglicher Flug.

Man muss aber bedenken, dass wir mit einem kleineren Flugzeug – sprich dem A330-200 – fliegen müssten, wodurch wir zwar 20% mehr Platz für Eco-Passagiere und insgesamt über 100 Premium-Sitze hätte. Für erstere würde ich mir keine Sorgen machen, da wir durch den zweiten Flug ausgezeichnete Umsteigeverbindungen hätten. Letztere würde man aber gerade in der heutigen Zeit nur schwer verkaufen können.

Ich denke, dass wir double daily fliegen werden, wenn die Zeiten besser sind – wir möchten das aber derzeit nicht pushen.

Austrian Aviation Net: Wie sieht es mit Kooperationen in Wien aus? Bei unserem letzten Gespräch ist eine Zusammenarbeit mit SkyEurope im Raum gestanden. Die AUA scheint eine solche ja immer abgelehnt zu haben.

Martin Gross: SkyEurope hat sich als nicht praktikabel erwiesen, weil die Anschlüsse nicht gepasst haben. Der AUA steht momentan sicher nicht der Sinn nach irgendwelchen Kooperationen. Aber auch in den Jahren zuvor hat sich da nichts getan – ganz im Gegenteil. Wir hatten eine Cargo-Kooperation mit der AUA, die jetzt aber nicht mehr besteht. Die wurde von der AUA gekündigt.

Austrian Aviation Net: Aus welchen Gründen?

Martin Gross: Ich vermute, weil sie jetzt mit der 767 fliegen und damit selbst Fracht befördern können. Außerdem haben sie jetzt die Kooperation mit Jade Cargo.

Foto: Emirates

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