El Al stellt den Flugbetrieb ein

Alle Flugzeuge wurden zur Umkehr nach Israel angewiesen.

Boeing 737-800 (Foto: Thomas Ramgraber).

Die Fluggesellschaft El Al stellte am Mittwoch den Flugbetrieb vollständig ein. Betroffen sind nicht nur Passagierflüge, sondern auch Frachtverbindungen. Firmenchef Gonen Usishkin ordnete dies an. Maschinen, die sich bereits in der Luft befanden, mussten umkehren und auf einem Flughafen in Israel landen.

Die Regierung hat im März als eines der ersten Länder überhaupt harte Einreisebestimmungen, die auch eine 14-tägige Quarantäne umfasst, erlassen. Nicht-Staatsbürgern ist derzeit die Einreise nach Israel nur mit Sondergenehmigung möglich. In weiterer Folge führte das zum Zusammenbruch der kommerziellen Flugverbindungen und somit wurde auch El Al getroffen. Die Wiederaufnahme der regulären Flüge wurde wiederholt verschoben. Dies hängt auch damit zusammen, dass die Regierung Israels wiederholt die Aufhebung des Einreiseverbots für Ausländer verlängert hat.

Der Großteil der El-Al-Flotte befindet sich seit März 2020 auf dem Boden. Im Passagierbereich sind nur wenige Maschinen punktuell im Einsatz. Das Frachtgeschäft galt bislang als einigermaßen stabil, jedoch wurden auch die dafür eingesetzten Flugzeuge von Gonen Usishkin zur Umkehr angewiesen. Die Finanzlage gilt als äußerst angespannt. Lokalen Angaben nach sollen 5.800 der 6.300 Mitarbeiter in unbezahlten Urlaub geschickt worden sein und erhalten daher seit mehreren Monaten keine Bezüge mehr.

In den letzten Tagen dürfte sich die Situation bei El Al allerdings nochmals zugespitzt haben, denn durch die Veröffentlichung der jüngsten Quartalszahlen wurde bekannt, dass der Carrier in Q1/2020 einen Verlust in der Höhe von 140 Millionen Dollar schrieb. Doch wesentlich schwerer dürfte wiegen, dass der Carrier einen Schuldenberg in der Höhe von rund zwei Milliarden U.S.-Dollar hat und gleichzeitig das Management das jüngste Rettungsangebot, das auch einen Einstieg des Staats vorsieht, abgelehnt hat. Dies führte zu erheblichem Unmut der Gewerkschaften. Laut lokalen Berichten soll es sogar vereinzelt zu Handgreiflichkeiten und Sachbeschädigungen gekommen sein.

Für El Al ist die Gesamtsituation aber auch in anderer Hinsicht äußerst kritisch, denn man steht bei zahlreichen Zulieferern und beim der staatlichen Flughafenbehörde in der Kreide. Die IAA stellte kurzzeitig sogar die Abfertigung von El-Al-Flügen ein. Die Gewerkschaften kritisieren, dass ein großer Teil der Belegschaft seit mehreren Monaten keine Gehälter mehr überwiesen bekommt. Das von der Regierung angebotene Rettungspaket sieht vor, dass etwa 33 Prozent der 6.300 Mitarbeiter abgebaut werden müssen und es zu erheblichen Lohnkürzungen kommen soll. Auch dies stößt bei den Arbeitnehmern auf Kritik, jedoch die Ablehnung des Regierungsvorschlags durch das Management dürfte das Faß endgültig zum Überlaufen gebracht haben.

Die Folge ist, dass sich die Geschäftsleitung und die Transportgewerkschaft mit gegenseitigen Vorwürfen eindecken. Einerseits heißt es, dass das Management das Regierungsangebot abgelehnt habe und eine Einigung mit den Beschäftigten regelrecht vereitelt habe. Dem entgegnet die Firmenleitung, dass eben die Gewerkschaft keiner Vereinbarung zugestimmt habe und diese wäre Grundbedingung für das Angebot der Regierung gewesen.

Seitens der Arbeitnehmervertreter ist man zwar der Ansicht, dass sich El Al in einer absolut kritischen Lage befindet, geht jedoch davon aus, dass das Management durch die Einstellung des Flugbetriebs den Druck auf die Regierung und die Gewerkschaften erhöhen will. Die Hoffnung besteht, dass es zu einer Einigung und damit einer Lösung kommt. Allerdings hat das im Jahr 1948 gegründete Unternehmen auch mit einer Insolvenz schon unrühmliche Vorerfahrung. Im Jahr 1982 musste das damals noch staatliche Unternehmen nach einer Streikwelle Konkurs anmelden und wurde unter Zwangsverwaltung gestellt. Der Flugbetrieb musste temporär eingestellt werden und nach einer harten Sanierung, die vom Staat finanziert wurde, konnte der Carrier das Insolvenzverfahren wieder verlassen.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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