Echte Reisefreiheit rückt in weitere Ferne

Die aktuellen Zahlen zu COVID-19 in Österreich und jüngste Entwicklungen in Asien lassen kaum Hoffnung auf baldiges Reisen zu.

Die wahren Reiseabenteuer werden sich wohl noch länger nur im Kopf abspielen (Foto: Pixabay).

#stayathome lautet der seit einigen Wochen (im wahrsten Sinne des Wortes) virale Hashtag, der eine der wichtigsten Maßnahmen umreißt, um die unkontrollierte Ausbreitung des SARS-CoV-2 zu verhindern. Das bedeutet aber nicht nur, das traute Heim zu hüten - sondern auch einen vorübergehenden Verzicht auf Reisen und damit oft auch aufs Fliegen. Mit allen sozialen und wirtschaftlichen Nebenwirkungen, die das so mit sich bringt.

Allzu schnell dürfte sich das auch nicht ändern - nicht nur deswegen, weil Bundeskanzler Sebastian Kurz vor ein paar Tagen klargemacht hat, dass man auf die Reisefreiheit verzichten müsse, so lange es keine Impfung oder wirksamen Medikamente gibt. Eine am Freitag von Wissenschaftsminister Heinz Faßmann vorgestellte Studie, die vom SORA-Institut unter anderem gemeinsam mit der Meduniwien geleitet wurde, zeigt darüber hinaus, dass Österreich hinsichtlich COVID-19 noch extrem verwundbar ist.

Laut dieser Erhebung mit rund 1.500 zufällig ausgesuchten, in Österreich lebenden Menschen hatten zum Zeitpunkt der Erfassung 0,33 Prozent eine akute COVID-19-Infektion. Angesichts der statistischen Schwankungsbreite dürfte der reelle Wert mit 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit zwischen 0,12 und 0,76 Prozent liegen. Das bedeutet gleichzeitig, dass mehr als 99 Prozent der hier lebenden Personen nicht akut infiziert sind. Die Studie ist natürlich aufgrund der geringen Fallzahl nur eingeschränkt aussagekräftig, sie zeigt aber auf jeden Fall einen Trend.

Diese Zahlen sagen aber auch noch etwas anderes aus: Viele Menschen besitzen noch keine Immunität gegen das Virus. Zu den akut infizierten Personen aus der Studie müsste man natürlich noch diejenigen zählen, die bereits eine Infektion durchgemacht haben, bei denen das Virus aber im PCR-Test nicht mehr nachweisbar ist. Diese Menschen könnte man nur mit einem Antikörper-Test aus dem Blut erkennen - ein solcher wird aber derzeit noch nicht großflächig angewandt.

Wie hoch diese Gesamtzahl ist, kann derzeit nur grob geschätzt werden. Ob sie österreichweit bereits die Prozenthürde übersprungen hat, ist fraglich - dafür dauert die Pandemie noch nicht lange genug und die gesamte Infiziertenzahl ist noch nicht hoch. Um eine ganz genaue Zahl geht es aber auch gar nicht: Letztlich deuten diese aktuellen Ergebnisse aber auch die bisherigen Testungen darauf hin, dass die Anzahl der Personen ohne spezifische immunologische Abschirmung gegen die Infektion momentan noch sehr, sehr hoch ist - von einer Herdenimmunität, die ja einen gewissen Schutz bietet, ist man noch ganz weit entfernt. Und aus diesem Grund kann es auch leicht zu einer weiteren Erkankungswelle kommen - ein wichtiger Faktor dabei scheint die Flug- und Reisetätigkeit zu sein.

Geschäftiges Treiben auf einem Flughafen - derzeit in Europa nirgends zu beobachten (Foto: Pixabay).

Anderswo ist nämlich genau so etwas passiert: Wie die „New York Times“ schreibt, musste man in den letzten Wochen vermehrt neue COVID-19-Fälle in Hongkong, Singapur und Taiwan beobachten. Diese Regionen galten an sich als „Corona-Musterschüler“, da sie die Infektionsraten recht niedrig halten konnten. Diese Statistiken wurden nun getrübt - und zwar in erster Linie durch Reisende und weniger durch lokale Infektionen. Als Folge wurden Ende März in allen drei Regionen Einreisesperren verhängt.

Eine solche Entwicklung könnte man mit Verspätung auch in Österreich und anderen Teilen Europas beobachten: Die Immunität in der Bevölkerung gegen SARS-CoV-2 ist wie die aktuellen Zahlen zeigen niedrig. Der überwiegende Teil der Bevölkerung bleibt wohl weiterhin gefährdet - zumindest so lange, bis eine Impfung angewendet werden kann. Und damit kann es auch hierzulande trotz der zuletzt optimistisch stimmenden Gesamtzahlen und dem Abflachen der Kurve zu erneuten Infektionswellen kommen. Diesbezüglich wird man wohl auch von Seiten der Regierung extrem vorsichtig sein: Die Bilder von den Zuständen in Italien, Spanien, Frankreich und zuletzt besonders in den USA schrecken gehörig ab.

Echte Zuversicht hinsichtlich einer schnellen „Wiederbelebung“ des ungezügelten Reise- und Flugverkehrs in Europa ist also nicht angebracht: Abgesehen von Zahlen und Fakten (wie Einreiseverbote oder Quarantänemaßnahmen) kommen auch noch andere eher „weiche“ Themen dazu - beispielsweise die psychologische Hemmung, in eine Region zu fliegen, in der vielleicht schon der unsichtbare Feind in Form eines Virus lauert (und das tut er derzeit ja eigentlich fast überall - daran wird sich auch so schnell nichts ändern). Oder aber auch die Erkenntnis der letzten Wochen, dass man ohne zu fliegen auch im Geschäftsleben dank Zoom, Skype & Co. recht gut über die Runden kommt.

Die Voraussetzungen für ein schnelles Revival des Flugverkehrs, so wie man ihn in den letzten Jahren gekannt hat, sind also alles andere als brillant. Wie die Branche und ihre Player mit dieser vermutlich noch länger dauernden Situation umgehen werden, steht freilich auf einem anderen Blatt Papier.

Autor: Martin Metzenbauer
Herausgeber und Chefredakteur
Martin gründete 2004 aufgrund seines starken Luftfahrtinteresses Aviation Net. Er liebt das Fliegen und Reisen– und schreibt darüber natürlich auch gerne.

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