Druck auf UFO nimmt zu

Lufthansa lässt Gewerkschaftsstatus überprüfen und IGL gründet eigenen Bereich für die Kabine.

Foto: Ufo.

Der Druck auf die seit Monaten tief gespaltene Flugbegleitergewerkschaft UFO wächst. Der Lufthansa-Konzern hat vergangene Woche beim Landesarbeitsgericht Frankfurt ein Statusverfahren beantragt, das eine rechtsverbindliche Klärung bringen soll.

Ziel des Antrags sei es, wieder eine verlässliche Tarifpartnerschaft zu etablieren, so Lufthansa. "Seit Monaten hat die Gewerkschaft keinen vertretungsberechtigten Vorstand eingesetzt und ist damit nicht in der Lage, ihre Rolle als Tarifpartner auszufüllen." Dies sei allerdings Voraussetzung, "unter anderem für die Verhandlung und den Abschluss rechtsverbindlicher Verträge über die Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen von mehr als 20.000 Flugbegleitern".

Verfahren könnte bestehenden Rechtsstreit verkomplizieren

Zwischen UFO und Lufthansa gibt es schon seit Monaten keine Tarifverhandlungen mehr. Jüngst wurde sogar die finale Ausarbeitung des Schlichterspruchs bei Eurowings offen beendet. Unter anderem wurde als Argument vorgebracht, dass der derzeitige UFO-Vorstand nicht verhandlungsberechtigt sei. Ein Gericht in Darmstadt ernannte jüngst neue Vorstände, wogegen ehemalige UFO-Mitglieder allerdings Einspruch erhoben

Das nun angestrebte Verfahren wird wohl die Lage nur weiter verkomplizieren. Zwar gab es jüngst im Streit um Freistellungstage erste Vergleiche zwischen Lufthansa und UFO-Funktionären. Allerdings muss sich der Airline-Konzern auch noch mit der Gewerkschaft direkt einigen, um einen jahrelangen Rechtsstreit mit ungewissem Ausgang zu vermeiden - mit eben jener Gewerkschaft, die der Kranich nun ganz offen in ihren Grundfesten infrage stellt.

UFO-Chefin Sylvia de la Cruz wertet den Antrag als neuerlichen Angriff: "Lufthansa hat sich auf die Fahnen geschrieben, die UFO als unbequemen Gegner loszuwerden." UFO sei auf dem Weg, diese Angriffe Stück für Stück abzuwehren und sich zu erneuern. "Wir werden unsere Mitglieder umfassend über die weitere Vorgehensweise informieren."

IGL will Flugbegleiter vertreten

Doch auch innerhalb der UFO sind jene Risse, die im vergangenen Herbst zum offenen Machtkampf führten, offenbar nicht gekittet. Das zeigt eine aktuelle Ankündigung der in den eigenen Reihen geborenen Industriegewerkschaft Luftfahrt. Die IGL will nun ebenfalls für die Rechte von Flugbegleitern eintreten.

"Der Kabine fehlt eine tarifpolitische Perspektive", heißt es mit Blick auf UFO und die ebenfalls verhandelnde Verdi. "Die Kolleginnen und Kollegen auf der Strecke verdienen eine handlungsfähige Vertretung, die die vielen Baustellen bei z.B. der Lufthansa konstruktiv und unbelastet angeht."

Vorgehen nicht mit UFO abgestimmt

Aus IGL-Kreisen heißt es, dass das jetzige Vorgehen nicht mit UFO abgestimmt sei. Bei eben jener Gewerkschaft will man das nicht bestätigen. Zudem sei es fraglich, ob die IGL mit ihren wenigen Mitgliedern der UFO wirklich gefährlich werden könnte, heißt es im Umfeld von UFO.

Die IGL wurde 2015 gegründet und vertritt nach eigenen Angaben die tarif- und berufspolitischen Interessen der über 300.000 Beschäftigten in der deutschen Luftverkehrsindustrie. Bislang sind in ihr hauptsächlich Techniker, Logistiker und Bodendienste organisiert.

Autor: Carlo Sporkmann
Redakteur
Carlo Sporkmann ist seit April 2019 als Autor für AviationNetOnline tätig. Der studierte Journalist berichtet für AviationNetOnline über den deutschen Luftverkehrsmarkt.

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