Diskussion um Status der IGL entbrannt

Tariffähigkeit der Interessenvertretung infrage gestellt.

Grafik: IGL.

Als Lufthansa in der vergangenen Woche zähneknirschend die vollumfängliche Kapitulation vor der Flugbegleitergewerkschaft UFO einräumen musste, überraschte Kranich-Personalchefin Bettina Volkens mit einem einzigen gutplatzierten Satz: "Die CU ist eine Interessenvertretung der Kabine, keine Gewerkschaft, mit der wir Verhandlungen führen werden.“

Nicht nur Verdi sich UFO bei Tarifthemen in der Kabine fortan häufiger einbinden. Auch die von UFO gegründete Industriegewerkschaft Luftfahrt (IGL) mit ihrem Kabinensektor "Cabin Union" (CU) könnte der Spartengewerkschaft zum Problem werden. Lufthansa-Chef Carsten Spohr plädiert seit Längerem dafür, dass mehrere Gewerkschaften in der Kabine miteinander konkurrieren.

Spohr sprach bereits mit der CU

Die CU reagierte prompt auf den Klippenstoß Volkens' in die Bedeutungslosigkeit und erklärte ihre Tariffähigkeit. "Diese irreführenden Behauptungen sollen lediglich die vielen CU-Mitglieder und Interessierten in der Kabine verunsichern", wird IGL-Vorstand Marc Koops in einer Mitteilung zitiert. Weiter hätte Lufthansa zugesagt, mit der CU in Gespräche für die Flugbegleiter einzusteigen.

Ungeachtet der Worte von Volkens hat Lufthansa bereits mit der CU gesprochen. Kurz vor der letzten Streikrunde von UFO fand ein Gipfeltreffen der Gewerkschaften mit Spohr statt. Bei der CU hieß es im Nachgang, die Gespräche seien "konstruktiv" gewesen.

Neue Satzung trennt IGL und UFO

Im Nachgang streiten die Beteiligten nun über den Status der IGL. Laut der bisherigen Statuten kann eine Gewerkschaft Mitglied der IGL werden - in der neuen Satzung ist das sauber getrennt, sodass Mitglieder anderer Gewerkschaften als Doppelmitglied beitreten müssen. Experten merken an, dass die neue Satzung bislang zwar beim Gericht eingereicht, nicht aber dort eingetragen ist.

Hintergrund der Gründungsstatuten: Die IGL sollte zur Steckleiste werden, an der die anderen wichtigen Spartengewerkschaften andocken - etwa die VC für die Piloten, die GdF für die Fluglotsen und eben auch die UFO für die Flugbegleiter. So sollte das Potenzial gehoben werden, das durch den erbitterten Widerstand der Branche gegen die allmächtige Dienstleistungsgewerkschaft Verdi freigesetzt wurde.

Doch dieser Ursprungsplan der IGL lähmt diese nun. Die neue Satzung soll sie von der Steckleiste zur eigenständigen Gewerkschaft machen. Denn längst ist sie zum Sammelbecken von enttäuschten Ex-UFO-Mitgliedern geworden.

Ist IGL „sozial mächtig“?

Der nächste Minuspunkt für die IGL: Sie konkurriert in der Kabine mit ihrer Tochter CU nicht nur mit UFO, sondern auch mit Verdi, die trotz mehrer Schlappen bei Lufthansa das Feld nicht räumen will. Dass die CU letztlich die notwendige Mitgliederzahl erreicht, um als "sozial mächtig" zu gelten, bezweifeln Experten stark.

Bei der IGL sieht man das ganz anders: "Die Satzung ist laut unseres Notars beim Gericht eingegangen und wird in den kommenden Tagen dort eingetragen sein", so ein Sprecher im Gespräch mit AviationNetOnline. "Im Übrigen würde ich uns schon als 'sozial mächtig' ansehen." Neben Flugbegleitern habe man inzwischen auch viele Techniker und Logistiker an Bord. "Wenn die streiken, hilft der Lufthansa auch kein Sonderflugplan mehr."

Autor: Carlo Sporkmann
Redakteur
Carlo Sporkmann ist seit April 2019 als Autor für AviationNetOnline tätig. Der studierte Journalist berichtet für AviationNetOnline über den deutschen Luftverkehrsmarkt.

    Special Visitors

    Zimex Aviation / HB-ALN
    Vueling Airlines / EC-NAJ
    Lufthansa / D-AIHZ
    Rossiya Airlines / VQ-BAS
    Air China / B-2035
    Etihad Airways / A6-BLV
    TUI Airlines Belgium / OO-JAF

    Unsere Autoren

    Martin Metzenbauer

    Jan Gruber

    Michael Csoklich

    René Steuer

    Carlo Sporkmann