Die neuen Lauda-Löhne im Überblick

Airline übermittelte KV-Vorschlag an die WKO, Vida und die fliegenden Mitarbeiter der Basis Wien.

Foto: Jan Gruber.

Am Montagabend übermittelte die Fluggesellschaft Lauda ihren Vertragsentwurf für einen neuen Kollektivvertrag, der bis 21. Mai 2020 abgeschlossen werden soll, an die Sozialpartner Wirtschaftskammer und Vida. Geschäftsführer David O’Brien betonte gegenüber AviationNetOnline, dass im Falle dessen, dass kein Abschluss zu Stande kommen sollte, die Kurzarbeit mit 31. Mai 2020 beendet wird und das Personal nach Ablauf der Kündigungsschutzfrist unter Einhaltung der Fristen gekündigt wird. Insgesamt beschäftigt Lauda derzeit fast 560 fliegende Mitarbeiter an der Basis Wien.

Der Lauda-Manager betonte ausdrücklich, dass die Bases Palma de Mallorca, Stuttgart und Düsseldorf von einer möglichen Schließung der Airbus-Operation in Wien nicht betroffen sind. Man sei an den genannten Standorten auch nicht mit einem derartig komplexen Kollektivvertrag konfrontiert, den man sich aufgrund der COVID-19-Pandemie schlichtweg nicht mehr leisten könne. Daher wolle man diesen durch einen neuen ersetzen, der vorerst bis 2023 gelten soll. David O’Brien antwortete auf die Frage, ob Lohnsteigerungen bei Erholung der Branche möglich wären: „Es ist sehr schwer zu sagen wie sich die Luftfahrt in den nächsten Jahren entwickeln wird. Die gekürzten Löhne werden uns aber helfen diese schwere Zeit zu überstehen und in drei Jahren werden wir dann einen neuen Kollektivvertrag abschließen und je nach Entwicklung sind höhere Löhne dann möglich“. Verschiedene internationale Experten rechnen derzeit damit, dass sich die Marktlage bis 2023 wieder stabilisiert haben wird und die Zeichen wieder auf Wachstum stehen werden.

Senior-Flugbegleiter-Löhne sinken um zehn Prozent

Der AviationNetOnline vorliegende Vertragsentwurf sieht vor, dass bei Senior-Flugbegleitern der durchschnittliche Jahreslohn von 36.904 Euro auf 33.150 Euro – ein Minus von zehn Prozent – sinken soll. Bei den „Juniors“ sollen die Einbußen mit drei Prozent deutlich niedriger ausfallen. Statt etwa 25.210 Euro sollen diese nun 24.450 Euro pro Jahr verdienen. Neu wäre dann auch eine Zwischenstufe, die genau zwischen Senior und Junior angesiedelt ist. Laut David O’Brien sind dies Junior-Flugbegleiter, die frisch zum Senior befördert wurden, jedoch aus operativen Gründen noch primär als Junior eingesetzt werden. Ein Beispiel hierfür könnte sein, dass in der Wiederanlaufphase der Bedarf an Juniors höher sein könnte als jener für Seniors. Mit diesem Mittelweg würden sich auch Kündigungen vermeiden lassen.

Die finanziellen Änderungen für Flugbegleiter auf einen Blick:

 

Piloten verdienen um bis zu 14 Prozent weniger

Bei Lauda-Kapitänen soll der Jahresverdienst von derzeit 136.839 Euro auf 117.380 Euro sinken. Dies entspricht einem Minus von 14 Prozent. Bei Ersten Offizieren reduziert sich der Verdient von 70.989 Euro um elf Prozent auf 63.138 Euro. Neu werden die bislang im aktuellen Lauda-KV nicht erfassten Gruppen „Junior First Officer“ und „Second Officer“ geschaffen. Diese sollen mit 48.014 Euro bzw. 42,270 Euro pro Jahr entlohnt werden. Lauda-Chef David O’Brien erklärte im Gespräch mit AviationNetOnline, das ein „Junior First Officer“ ein Erster Offizier ist, der in seiner bisherigen Laufbahn weniger als 1.500 Flugstunden absolviert hat. Beim Überschreiten dieser Marke wird man automatisch als „First Officer“ geführt. Ein Second Officer ist ein Jungpilot, der sich noch in Ausbildung befindet und weniger als 500 Flugstunden bislang absolviert hat.

Ein durchaus interessanter Nebenaspekt ist, dass die neu angebotenen Löhne nach Angaben eines Lauda-Flugkapitäns "noch immer über dem, was wir bei Niki bezahlt bekommen haben" liegen sollen. Im Zuge der Übernahme der Niki-Assets durch die Laudamotion GmbH kam es zu kräftigen Gehaltssteigerungen, die auch der damaligen Marktlage geschuldet waren, denn es gab branchenweit deutlich mehr offene Stellen als ausgebildete Flugzeugführer mit passendem Type Rating. Selbst Prämien, die für die Vertragsunterschrift bezahlt wurden, waren in der Branche üblich.

Die finanziellen Änderungen für Piloten auf einen Blick:


Screenshot: Lauda.

Im Fall des Falles wird die Kurzarbeit beendet

Die Ansage von Lauda-Geschäftsführer David O’Brien ist unmissverständlich und klar: Sollte es bis zum 21. Mai 2020 keine Einigung und Unterfertigung des vorgeschlagenen Kollektivvertrags geben, so werde man die Kurzarbeit per 31. Mai 2020 beenden. Die Mitarbeiter haben anschließend aus gesetzlichen Gründen einen Monat Kündigungsschutz. Unmittelbar danach werde man das fliegende Personal der Basis Wien kündigen. „Wir halten die Kündigungsfristen, die in den Verträgen bzw. im aktuellen Lauda-Kollektivvertrag enthalten sind, ein. Diese beträgt bis zu drei Monate und wir würden diese natürlich ausbezahlen, aber dann heißt es „Auf Wiedersehen“ für das Lauda-Personal der Basis Wien“, so O’Brien. „Wir hoffen, dass es nicht zu diesem harten Schritt kommen wird, denn eigentlich wollen wir mit unserem Team und den Airbussen in Wien weitermachen. Bedingt durch die Corona-Krise hat sich die gesamte Branche verändert und wir brauchen den neuen Kollektivvertrag, um die Krise überstehen zu können. Daher hoffe ich, dass die Sozialpartner die Vereinbarung unterschrieben werden, denn andernfalls müssen wir die Airbus-Basis Wien schließen. Ryanair wird Wien aber nicht verlassen. Die Strecken von Lauda werden dann mit Wetlease-Flugzeugen von Buzz, Malta Air und Ryanair bedient und die Airbusse auf andere Bases verlegt.“

Angesprochen darauf, ob man mit der Gewerkschaft Vida bereits Gespräche führen konnte, sagte der Manager, dass man noch kein Feedback erhalten habe. Lediglich habe man am Wochenende „megaphonartigen Lärm“ um die Pläne seitens der Gewerkschaft vernommen. „Das Problem ist ganz simpel: Die Zeit drängt massiv und wir müssen eine Lösung finden, mit der wir aus der Krise herausfliegen können. Wenn das nicht gelingt, beenden wir die Kurzarbeit und liegen damit dem Steuerzahler nicht mehr auf der Tasche. Leider gehen dann fast 560 österreichische Jobs verloren. Ich betone nochmals, dass Ryanair sich nicht aus Wien verabschieden wird. Drei Boeing 737 sind schon da und die restlichen Routen würden von anderen Ryanair-, Buzz- oder Malta-Air-Bases aus bedient werden. 70 Prozent der Ziele, die Lauda anfliegt, haben eine Group-Base am Zielort. Ich hoffe aber, dass es uns gelingt eine zukunftsfähige Lösung zu finden und damit die Jobs in Wien absichern zu können“, so David O’Brien.

12 A320 und drei Boeing 737 in Wien stationiert

Derzeit sind in Wien 12 Airbus A320 von Lauda und drei Boeing 737-800, betrieben von Ryanair, stationiert. Die ursprüngliche Planung sah vor, dass im Sommer 2020 16 A320 ab der österreichischen Hauptstadt betrieben werden. Dies hält David O’Brien angesichts der Corona-Pandemie aber für unwahrscheinlich: „Dieses Jahr werden wir ganz bestimmt keine 16 A320 und 3 Boeing 737-800 ab Wien betreiben können. Der Grund dafür ist, dass zahlreiche Länder aufgrund von Reiserestriktionen derzeit nicht angeflogen werden können. Auch wenn man theoretisch fliegen könnte, sehen wir keine Nachfrage, wenn man nach der Landung 14 Tage in Quarantäne muss und wenn man nach Österreich nach Hause kommt gleich wieder“, so der Lauda-Geschäftsführer. „Wir hoffen, dass in den nächsten Wochen und Monaten praktikable Einreiseregeln entwickelt werden, die es auch Airlines ermöglicht den Betrieb wiederaufzunehmen. Wir haben verschiedene Flugpläne in der Schublade und werden, wenn klare Regeln bekannt sind, entscheiden was wir wann umsetzen können. Fix ist aber, dass der Sommerflugplan 2020 deutlich kleiner ausfallen wird, denn wir rechnen mit einer niedrigeren Nachfrage als im Vorjahr.“

Zwischenzeitlich wurden bereits Flüge auf Lauda-Strecken unter FR-Flugnummern angemeldet. Sollte es zu einer Einigung kommen, werde man weiterhin unter OE-Flugnummern fliegen. Falls nicht, sind es künftig Ryanair-Flüge. In den nächsten Tagen soll dies auch auf der Homepage sichtbar sein. Lauda-Geschäftsführer Andreas Gruber betont ebenfalls: „Die Ryanair Group wird in Wien bleiben. Die Fluggesellschaft Lauda wird auf keinen Fall geschlossen, sondern lediglich die Basis Wien steht zur Diskussion. Palma, Stuttgart und Düsseldorf sind nicht betroffen und werden fortgeführt.“

Angesprochen auf die Ankündigung des Mitbewerbers Wizzair am 1. Mai 2020 ab Wien zu starten, wobei zahlreiche Destinationen noch im Laufe vom Wochenende wieder „nach hinten“ verschoben wurden, meinte David O’Brien: „Wizzair muss so schnell wie möglich wieder ab Wien fliegen, denn dort gibt es keine Kurzarbeit. Eine ernsthafte Nachfrage besteht aufgrund der Reisebeschränkungen derzeit nicht, weshalb wir die Entwicklungen beobachten und beim Vorliegen klarer Regeln dann Entscheidungen treffen werden.“ 

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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