Die große Reisefreiheit?

Airlines fahren ihr Angebot hoch, viele Grenzbalken fallen wieder. Trotzdem wird im heurigen Sommer im Urlaubsverkehr einiges anders sein als zuletzt.

Länder mit Reisewarnungen gibt es derzeit viele (Grafik: BMEIA).

Die Temperaturen draußen klettern wieder in die Höhe: Ein untrügliches Zeichen dafür, dass der Sommer langsam aber sicher ins Land zieht. Mit den Graden am Thermometer steigt auch wieder der Wunsch, sich ins Flugzeug zu setzen, um beispielsweise in Spanien, Griechenland oder einem anderen Mittelmeerziel eine oder zwei relaxte Wochen zu verbringen.

Doch heuer wird vieles anders: Statt der üblichen Vorfreude auf die alljährliche Sommerentspannung steht die Welt im Schatten der Corona-Pandemie. Zwar werden Grenzen wieder geöffnet und auch die Fluglinien stehen in den Startlöchern - doch das Virus scheint die Freude am Wegfliegen für die kommenden Sommersaison nicht gerade zu beflügeln.

Flaue Flugreiselust
Laut einer aktuellen Umfrage auf AviationNetOnline könnte die Nachfrage nach Urlaubsflügen heuer deutlich niedriger ausfallen als im Sommer 2019: Etwas mehr als die Hälfte der Befragten hat angegeben, im kommenden Sommer weniger zu fliegen, bei knapp 43 Prozent soll sich nichts ändern. Erstaunlicherweise möchten fast sieben Prozent heuer in der heißen Jahreszeit sogar öfter wegfliegen als im Vorjahr. In der Gesamtbevölkerung könnte dieses Ergebnis noch etwas mehr in Richtung „Nicht-Flieger“ verschoben werden - immerhin repräsentiert ja AviationNetOnline eher die flugaffine Community.

Eine Umfrage am gestrigen Sonntag zeigte, dass rund die Hälfte der Befragten im heurigen Sommer weniger fliegen werden als im Vorjahr (n=999).

Umstände, die vielleicht den Wunsch in Richtung Flugreise schmälern, könnten die Angst vor einer Infektion im Ausland sein - oder auch die (zusätzlichen) Unannehmlichkeiten beim Fliegen selbst. Ohne Mund-Nasen-Schutz und anderen Maßnahmen geht ja bekanntermaßen gar nichts mehr. Aber auch Corona-Besonderheiten am Urlaubsort - wie vermummte Kellner, abgespeckte Services oder Plexiglas en masse - könnten die Urlaubsstimmung doch auch etwas trüben. Und natürlich auch die Tatsache, dass vieles unsicher ist - ein Infektionscluster kann selbst in weniger betroffenen Regionen schnell entstehen.

Fakt ist allerdings, dass die Rate an Neuinfektionen in den klassischen Mittelmeer-Urlaubsländern grundsätzlich bereits recht gut aussieht: In einem Zeitraum von einer Woche (Ende Mai bis Mitte Juni - je nach Verfügbarkeit der Daten) sind beispielsweise Kroatien, Griechenland oder Zypern bei den (registrierten - man denke daran, dass es in einzelnen Ländern auch mehr oder weniger hohe Dunkelziffern geben kann) Neuinfektionen hinter Österreich gelegen. Italien, Spanien oder Frankreich waren etwas darüber. Deutlich höhere Infektionszahlen gab es zuletzt aber in der Türkei, Portugal, den USA oder auch Schweden. Die letztgenannten Länder stehen aber ohnehin nicht auf auf der österreichischen „White List“ - bei der Rückreise ist also eine 14-tägige Zwangsquarantäne zu absolvieren, die allerdings durch einen negativen Corona-Test abgekürzt werden kann.

Apropos: Bevor man überhaupt wegfliegt, sollte man sich genau informieren, wie es denn in der Wunschdestination in Sachen Einreisebestimmungen aussieht - dabei kann die interaktive Karte der IATA einen ersten guten Überblick liefern. Bei den Informationsstellen der entsprechenden Länder sollte man sich aber auf jeden Fall absichern.

Vorsicht bei Krankheit und Versicherung
Bedenken muss man auch, ob es bei einer Auslandsreise Versicherungsschutz gibt. Selbst wenn man eine Reiseversicherung abschließt, heißt das noch lange nicht, dass diese im Zuge der Pandemie auch den „Fall des Falles“ abdeckt. „Wenn eine Reise in ein Land angetreten wird, für das vom österreichischen Außenministerium eine Reisewarnung ausgesprochen wurde, besteht kein Versicherungsschutz. Das ist unabhängig davon, was der Grund für die Reisewarnung ist“, erklärte ein Sprecher der Uniqa-Versicherung gegenüber AviationNetOnline. Und die Liste der von einer Reisewarnung betroffenen Staaten ist derzeit relativ lang: Von den USA über Russland bis hin nach Indien oder Südafrika findet man aktuell viele „rote Flecken“ auf der Landkarte des österreichischen Außenministeriums (siehe Titelbild dieses Artikels).

In Europa selbst genießt man einen gewissen Schutz durch die europäische Krankenversicherungskarte - dies allerdings nur in den EU- und EWR-Mitgliedsstaaten, der Schweiz, Nordmazedonien, Montenegro, Serbien und Bosnien-Herzegowina. Das Vereinigte Königreich zählt seit dem Brexit nicht mehr dazu - wer also unbedingt (trotz derzeit noch verpflichtender vierzehntägiger Quarantäne) nach London reisen möchte, wird sich mit einem Krankenversicherungsschutz schwer tun.

Die aktuellen Infektionszahlen schwanken derzeit noch stark - hier die letzten verfügbaren sieben Tage von ausgewählten Urlaubszielen (Neuinfektionen über sieben Tage pro 100.000 Einwohner).

Bei den Reiseversicherungen geht es aber nicht nur um Erkrankungen im Ausland - sondern je nach Produkt auch um Stornos und dergleichen. Hier zahlt es sich aus, die jeweiligen Produkte auf ihre Corona-Tauglichkeit zu prüfen. So hat beispielsweise die Europäische Reiseversicherung erst kürzlich ihre Vertragsbedingungen adaptiert: „Wir versichern trotz Pandemiestatus (als einzige Reiseversicherung) wieder vollumfänglich“, so ein Sprecher des Unternehmens zu AviationNetOnline.

Soviel zum Thema Outgoing-Tourismus. Wie sieht es mit den Reisen nach Österreich aus? Aus insgesamt 31 europäischen Ländern darf man künftig wieder ohne Zwangsquarantäne oder Corona-Test einreisen - Ausnahmen bilden derzeit noch Spanien, Portugal und das Vereinigte Königreich. Und auch wer aus der Lombardei kommend die Grenze zu Österreich übertritt, muss in Quarantäne oder zum SARS-CoV-2-Test.

Einreise: Nur stichprobenartige Kontrollen
Doch wie wird das eigentlich überprüft? Speziell, wenn ein Passagier aus einem Drittland kommend über einen „sicheren“ Staat nach Österreich einreist? Auf jeden Fall nicht wirklich lückenlos: "Um Missbrauch vorzubeugen, werden stichprobenartige Kontrollen durchgeführt, bei denen Einreisende am Land- und Luftweg in Grenznähe oder am Flughafen nachweisen müssen, dass sie sich in den letzten 14 Tagen nur in Ländern aufgehalten haben, die im Anhang A der Verordnung 263 über die Einreise nach Österreich angeführt sind. Dann sind sie von der 14-tägigen Quarantäneverpflichtung oder der Vorlage eines ärztlichen Attestes mit dem Nachweis eines negativen molekularbiologischen Tests auf Sars-CoV-2 ausgenommen“, erklärte ein Sprecher des österreichischen Innenministeriums gegenüber AviationNetOnline. Könne dieser Nachweis nicht erbracht werden, so bedeute dies eine Verwaltungsübertretung und werde von der zuständigen Bezirksverwaltungsbehörde abgehandelt.

Diese lediglich „stichprobenartigen Kontrollen“ bergen natürlich die (theoretische) Gefahr, dass es sich manche Reisende aus Risikogebieten etwas bequemer machen und auf Testung und/oder Quarantäne verzichten wollen. Freilich muss man hier auch - wie es schon Außenminister Alexander Schallenberg am Freitag in der ZIB2 generell zum Thema „Reisen“ meinte - auf Eigenverantwortung und „Hausverstand“ setzen.

Der Reisesommer in Europa wird 2020 also durchaus stattfinden - allerdings so ganz unbekümmert wie gewohnt wird sich die Angelegenheit nicht abspielen. Und von Passagierzahlen wie in den letzten Jahren werden die Airlines nur träumen können. Wer verreist, dem seien jedenfalls die Worte des Außenministers ins Ohr und ans Herz gelegt. Ohne, vor der Reise etwas mehr zu planen und die „Fürs“ und „Widers“ abzuwägen, wird es heuer jedenfalls nicht gehen.

Autor: Martin Metzenbauer
Herausgeber und Chefredakteur
Martin gründete 2004 aufgrund seines starken Luftfahrtinteresses Aviation Net. Er liebt das Fliegen und Reisen– und schreibt darüber natürlich auch gerne.

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