Deutschland: Lauda kann Mai-Gehälter nicht mehr auszahlen

 Betroffene Lauda-Mitarbeiter sollten dringend zur akuten Absicherung ihres Lebensunterhalts den Gang zum Jobcenter und Antrag auf Hartz IV andenken. Verärgerte Flugzeugführer drohen mit Strafanzeige wegen dem Verdacht auf Insolvenzverschleppung und denken darüber nach selbst einen Konkursantrag gegen die österreichische Ryanair-Tochter einzubringen.

Airbus A320 am Flughafen Stuttgart-Echterdingen (Foto: Thomas Ramgraber).

Die deutschen Lauda-Mitarbeiter in Düsseldorf und Stuttgart werden definitiv vergebens auf ihren Girokonten nach ihrem Mai-Gehalt suchen, denn das Unternehmen informierte am Donnerstag darüber, dass man nicht mehr in der Lage ist dieses auszubezahlen. Bereits am 15. Mai 2020 kündigte Personaldirektor Robert Wall an, dass ein solcher Schritt bevorstehen könnte - AviationNetOnline berichtete.

In einem AviationNetOnline vorliegenden Anschreiben, das Iluta Svicka, Head of HR, unterschrieben ist, wird als Hauptgrund der von der Bundesagentur für Arbeit abgelehnte Antrag auf Kurzarbeit angegeben. Weiters verweist man darauf, dass in den letzten beiden Jahren Verluste in der Höhe von 200 Millionen Euro angehäuft wurden und seit 17. März 2020 keine nennenswerten Einnahmen aus Ticketverkäufen mehr vorhanden sind.

Das Verhalten der Bundesagentur für Arbeit Würzburg wird im Anschreiben an die Lauda-Mitarbeiter in Düsseldorf und Stuttgart als ungesetzlich bezeichnet. Klärungsversuche hätten bislang keinen Erfolg gebracht. Man habe nun die Firmenanwälte mit der Einbringung von Klagen gegen den Rechtsträger der Bundesagentur für Arbeit beauftragt. Mit einer schnellen Lösung rechnet man nicht. Ein möglicher Auszahlungstermin wurde den Beschäftigten nicht genannt.

Deutsche Lauda-Mitarbeiter sollten dringend zur eigenen Absicherung über Hartz-IV-Antrag nachdenken

Für die Beschäftigten der Fluggesellschaft Lauda hat dies nun erhebliche Konsequenzen, denn Anspruch auf Arbeitslosengeld oder Insolvenzgeld haben diese nicht, da weder die Dienstverhältnisse aufgelöst wurden, noch der Gang zum Konkursrichter angetreten wurde. Somit bleibt den Betroffenen nur noch der Weg ins so genannte Jobcenter und das demütigende Bitten um Unterstützung aus den Hartz IV-Mitteln. Diese sind in Deutschland gegenüber der österreichischen bedarfsorientierten Mindestsicherung nicht nur geringer, sondern auch an durchaus knallharte Kriterien geknüpft, so dass insbesondere Piloten möglicherweise gar nichts bekommen könnten.

Genau diese Berufsgruppe will sich das Vorgehen des österreichischen Unternehmens nicht gefallen lassen. Zahlreiche deutsche Lauda-Piloten haben durchaus Vorerfahrung in Sachen Airline-Insolvenzen, denn viele flogen zuvor bei Air Berlin, Niki, Germania oder Small Planet Germany. Mehrere Flugzeugführer kündigten an, dass sie bei Nichtzahlung ihrer Gehälter Strafanzeige wegen dem Verdacht der Insolvenzverschleppung gegen die Geschäftsführer stellen wollen und da sie gezwungenermaßen auch Gläubiger wären einen Insolvenzantrag gegen das Unternehmen einbringen wollen. Die Hoffnung liegt hierbei auf einer sogenannten harten Patronatserklärung, die seitens der Ryanair Holdings PLC für ihre Tochter Laudamotion GmbH abgegeben wurde. Ob dieses Ankündigungen wirklich umgesetzt werden, bleibt freilich abzuwarten. Dass „harte Patronatserklärungen“ im Falle des Falles das Papier, auf dem sie gedruckt sind, nicht wert sein können, zeigte der Fall Air Berlin. Etihad zahlte einfach nicht und Insolvenzverwalter Lucas Flöther konnte bislang über seine Schadensersatzklage den Staatscarrier von Abu Dhabi nicht zur Zahlung bewegen.

Lauda-Chef Andreas Gruber hofft, dass "so rasch wie möglich ausbezahlt werden kann"

In einem am Donnerstag von AviationNetOnline mit Lauda-Geschäftsführer Andreas Gruber geführten Interview befasste sich die nachstehende Frage mit der Situation in Deutschland:

„AviationNetOnline: In Deutschland wurde die Kurzarbeit abgelehnt und den Mitarbeitern angekündigt, dass die Mai-Gehälter mangels Finanzmitteln nicht ausbezahlt werden können. Unter vorgehaltener Hand erheben Ihre eigenen Mitarbeiter den Vorwurf der Insolvenzverschleppung und mutmaßen, dass Sie die Flugzeuge ausfliegen, da in Kürze ein Insolvenzantrag gestellt werden könnte. Lässt Ryanair die heutige Laudamotion GmbH also doch fallen?
Andreas Gruber: Bezüglich der Kurzarbeit der in Deutschland stationierten Kollegen sind wir in laufenden Gesprächen mit der Agentur für Arbeit. Wir bedauern aufrichtig das Vorgehen der Würzburger Agentur für Arbeit, die hier die Zusicherung der Kurzarbeit widerrufen hat. Dies geschieht in der schlimmsten wirtschaftlichen Krise in der Geschichte der Luftfahrt, obwohl unsere in Deutschland stationierten Kollegen in Deutschland wohnhaft sind, dort arbeiten und ihre Sozialabgaben in Deutschland zahlen. Wir haben Rechtsmittel gegen die Entscheidung eingelegt und aufgrund des laufenden gerichtlichen Verfahrens kann ich mich dazu inhaltlich nicht weiter äußern. Die Gehaltsauszahlung für den Mai verspätet sich leider, wird jedoch so rasch wie möglich ausgezahlt.“

Lauda ist nicht Vertragspartner der Ticketkäufer, sondern Ryanair

Die Laudamotion GmbH verkauft übrigens selbst keine Flugscheine, sondern der Vertrieb wird vollständig über die Ryanair DAC, eine Konzernschwester von Lauda, durchgeführt. Bei der Buchung wird der Beförderungsvertrag mit Ryanair DAC und nicht mit der Laudamotion GmbH abgeschlossen. Dieses Unternehmen stellt auch die Rechnungen aus und zieht die Gelder im eigenen Namen von Kreditkarten und anderen Zahlungsmitteln ein. Die Ryanair DAC ist die operative Fluggesellschaft Ryanair. Diese ist – genau wie Lauda – eine Tochter der Ryanair Holdings PLC. Die Konzernschwester Buzz befindet sich ebenfalls vollständig im Eigentum der Holding. Malta Air hingegen ist eine Minderheitsbeteiligung, denn der Staat Malta besitzt die „goldene Aktie“ und damit die Mehrheit. Eine weitere Tochter unterhält Ryanair im Vereinigten Königreich. Diese dient als "Brexit-Absicherung" und hat derzeit nur eine Boeing 737-800 auf dem AOC.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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