Deutschland: Auch Lauda bittet Kunden nachträglich zur Kasse

Nach Konzernmutter Ryanair will auch die österreichische Tochtergesellschaft die per 1. April 2020 wirksame Erhöhung der deutschen Luftverkehrsabgabe nachträglich kassieren.

Airbus A320 (Foto: Thomas Ramgraber).

Nach ihrer Konzernmutter Ryanair wird auch die österreichische Tochtergesellschaft Lauda ihre Kunden, die bereits Flüge gebucht haben, die ab 1. April 2020 ab Deutschland abheben werden, nachträglich zur Kasse bitten. Hintergrund ist, dass die Bundesrepublik Deutschland die Luftverkehrssteuer drastisch erhöht und dies rückwirkend, also auch für Flugscheine, die bereits verkauft wurden. Diverse Branchenverbände kritisieren die Vorgehensweise der Regierung heftig.

Ryanair verschickte bereits per E-Mail Nachforderungen an die betroffenen Kunden, berichtete AviationNetOnline. Auf Anfrage bestätigte Lauda-Geschäftsführer Andreas Gruber gegenüber AviationNetOnline, dass dies für Lauda-Flüge „analog zu Ryanair“ erfolgt und seinen Informationen nach die Nachforderungen bereits an die betroffenen Kunden verschickt wurden.

Reisende, die Flugscheine ab Deutschland, deren Abflugtermin ab dem 1. April 2020 geplant ist, sind von der Steuererhöhung grundsätzlich betroffen. Die deutsche Bundesregierung legte fest, dass der Zeitpunkt des Abhebens und nicht der Buchung für die Besteuerung relevant ist. Da viele Airlines bereits bei der Buchung den jeweils gültigen Luftverkehrssteuersatz einheben handelt es sich um eine nachträgliche Steuererhöhung. Diese wird vom Deutschen Reisebüro-Verband, aber auch vom Bundesverband Luftverkehrswirtschaft heftig kritisiert.

Nach derzeitiger Informationslage, die sich auf Angaben des Branchenverbands BDL stützt, wollen Tuifly, Condor, Easyjet, Lufthansa und Eurowings auf Nachforderungen verzichten und den Differenzbetrag für ihre Kunden begleichen. Dadurch entstehen den Airlines möglicherweise Mehrkosten in dreistelliger Millionenhöhe. Die Ryanair Group entschied sich aber offensichtlich für einen anderen Weg und bittet die betroffenen Passagiere nachträglich zur Kasse. Alternativ können derartige Lauda- und/oder Ryanair-Flüge bei voller Erstattung storniert werden.

Betroffen sind sämtliche Abflüge ab den Lauda-Bases Stuttgart und Düsseldorf. Weiters steuert die Airline ab Wien auch Münster/Osnabrück und Dortmund an und ab Palma de Mallorca diverse weitere Städte in Deutschland. Die Erhöhung der Luftverkehrssteuer betrifft die Abflüge ab Deutschland, also beispielsweise von Stuttgart nach Wien, von Münster/Osnabrück nach Wien oder München nach Palma de Mallorca. Die umgekehrte Richtung ist nicht betroffen. Allerdings ist im Regierungsprogramm der neuen österreichischen Bundesregierung vorgesehen, dass auch in der Alpenrepublik die Ticketsteuer auf der Kurz- und Mittelstrecke drastisch angehoben werden soll, während es auf der Long Haul zu einer Senkung kommen wird. Österreich will künftig 12 Euro pro Flug ab einem österreichischen Airport kassieren, jedoch steht noch kein Zeitpunkt fest, zu dem dies umgesetzt werden soll.

In Deutschland verändern sich die Steuersätze per 1. April 2020 wie folgt:

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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