Deutsche Regierung rechnet nicht mit baldiger Max-Freigabe

FDP: „Desinteresse an Verfahren der Flugsicherheit ist erschreckend“.

Boeing 737-Max-9 (Foto: www.AirTeamImages.com).

Die deutsche Bundesregierung geht nicht davon aus, dass Boeings Krisenflieger 737 Max „zu Beginn des Jahres“ die Wiederzulassung der Behörden erhält. Dies geht aus einer Antwort auf eine Anfrage der FDP hervor, die AviationNetOnline vorliegt. „Das Desinteresse an Verfahren der Flugsicherheit ist erschreckend“, konstatiert der Bundestagsabgeordnete Reinhard Houben im Gespräch mit unserer Redaktion. Boeing selbst hatte den Zeitplan ins Spiel gebracht.

Das Bundesverkehrsministerium werde von der europäischen Flugsicherheitsbehörde EASA (European Union Aviation Safety Agency) „im Verwaltungsrat und im sogenannten Member State Advisory Body wie alle Mitgliedstaaten regelmäßig über die Entwicklungen zum Thema Boeing 737 Max unterrichtet“, heißt es in dem Schreiben der Regierung.

Änderung des Zertifizierungsprozesses

Auch über eine eventuelle Änderung der Zertifizierungsprozesse neuer Flugzeugmodelle weiß die deutsche Regierung nichts. Bislang prüft die Aufsicht jenen Landes, in dem der Hersteller sitzt, das neue Flugzeug und gibt es frei – die Behörden anderer Länder übernehmen gemäß geltender bilateraler Abkommen die Zulassung. Sprich, bei Boeing-Flugzeugen gibt die amerikanische FAA (Federal Aviation Administration) den Takt vor, bei Airbus die EASA.

Im Zuge der Max-Krise war die FAA jedoch unter Druck geraten: Die EASA kritisierte, dass bei der Zulassung der 737 Max zu viele Schritte an Boeing ausgelagert und später weitgehend ungeprüft abgezeichnet wurden und kündigte an, die Wiederzulassung des Unglücksfliegers selbst prüfen zu wollen. Bei der deutschen Regierung heißt es dazu nebulös: „Die bilateralen Abkommen zur Zusammenarbeit im Bereich der Flugsicherheit sind wichtige Instrumente in der globalen Luftfahrt. Es besteht die Möglichkeit, den Umfang der Validierung der von den für die Musterzulassung zuständigen Stellen geleisteten Arbeiten jederzeit anzupassen.“

Houben fordert Nachbesserungen bei Abkommen 

Beobachter kritisieren, dass die deutsche Regierung sich mit ihrer Unkenntnis über den laufenden Prozess selbst ein „Armutszeugnis“ ausgestellt hat. Und auch FDP-Mann Houben kritisiert: „Verkehrsminister Scheuer lässt dringende Aufgaben im Verkehrsministerium liegen, während er versucht in der Maut-Affäre seinen Hals zu retten.“

„Ich habe den Eindruck, dass trotz der schrecklichen Unfälle das Verkehrsministerium den Problemen bei den Sicherheitsüberprüfungen nicht auf den Grund gehen will“, so Houben weiter. Die bilateralen Abkommen zwischen der EASA und anderen Staaten müssten dringend nachgebessert werden.

Im Herbst 2018 und im März 2019 waren zwei 737-Max-Jets abgestürzt. Bei den beiden Unglücken starben fast 350 Menschen. Seit dem Frühjahr 2019 gilt ein weltweites Flugverbot für den 737-Nachfolger. Die Untersuchungsberichte zu den Abstürzen rückten das für die 737 Max entwickelte Steuerungsprogramm MCAS in den Fokus, den das soll bei den Unglücken eine entscheidende Rolle gespielt haben. Anders als bei der Einführung des Jets 2017 empfiehlt Boeing nun vorab Trainings für alle Piloten Trainings im Flugsimulator. Da solche Trainings für Airlines kostspielig sind, ist die Notwendigkeit dafür oft ein wichtiges Argument beim Kauf neuer Flugzeugmodelle.

Autor: Carlo Sporkmann
Redakteur
Carlo Sporkmann ist seit April 2019 als Autor für AviationNetOnline tätig. Der studierte Journalist berichtet für AviationNetOnline über den deutschen Luftverkehrsmarkt.

    Special Visitors

    Atlantic Airways / OY-RCK
    Danish Air Transport / OY-RUE
    LGW - Luftfahrtgesellschaft Walter / D-ABQA
    British Airways / G-EUPJ
    Windrose Airlines / UR-DNT
    Jet2.com / G-JZHY
    SAS / OY-KAM

    Unsere Autoren

    Martin Metzenbauer

    Jan Gruber

    Michael Csoklich

    René Steuer

    Carlo Sporkmann