Der wichtige Blick aufs Detail

Der „World Media Day“ der Weltluftfahrtorganisation IATA in Genf ist traditionell auch das Forum, wo die Organisation ihren aktuellen Ausblick auf das kommende Jahr präsentiert. Dieser Ausblick ist verhalten, aber etwas besser, als das Jahr 2019 gelaufen ist.

Foto: Michael Csoklich.

Im Moment gibt es viele Gründe, warum die Luftfahrt mit Prognosen zurückhaltend ist. Der Handelskrieg, der mögliche, wahrscheinliche Brexit, eine Reihe geopolitischer Brennpunkte, von HongKong bis nach Südamerika, die Klimadebatte, der Spritpreis und, mit all dem zusammenhängend, die schwächelnde Konjunktur komplizieren nämlich jede seriöse Prognose.

In Summe gesehen erwartet die IATA, dass es im kommenden Jahr keine Rezession geben wird, der Spritpreis eicht unter dem von heuer liegen wird und deswegen die Weltluftfahrt weltweit um 4 % auf 4,72 Milliarden Passagiere wachsen wird. Das ist deutlich unter dem Schnitt der vergangenen 20 Jahre von 5,5%. Die Gewinne werden auch leicht steigen auf 29 Milliarden US-Dollar weltweit. Im Schnitt bedeutet das einen Gewinn pro abfliegenden Passagier von 6,20 US-Dollar.

Der Blick aufs Detail und die Regionen offenbart aber ganz andere Zahlen und er zeigt, wie wichtig der Blick aufs Detail ist. Wirklich gut geht es der Industrie in Nordamerika. 56% des weltweiten Gewinns werden die Fluglinien dieser Region erwirtschaften. Der Gewinn pro Passagier wird etwas unter 16 US-Dollar pro Passagier liegen.

Relativ gut läuft es auch in Europa. Die Fluglinien hier werden knapp 30% der weltweiten Gewinne erwirtschaften, der Gewinn pro Passagier liegt aber bei nur 6,4 US-Dollar. Die Reihe von Airline-Pleiten im heurigen Jahr wird am hohen Wettbewerbsdruck kaum etwas ändern, erwartet die IATA. Gewinne werden ach für Asien prognostiziert, der Gewinn pro Passagier liegt hier aber nur bei 3,3 US-Dollar.

Wachstum und trotzdem Verluste hingegen erwartet die IATA im Nahen Osten, in Afrika und in Lateinamerika. Das hat politische wie auch wirtschaftliche Gründe, auch die schlecht ausgebaute Infrastruktur trägt dazu bei.

Von knapp 200 Fluglinien hat die IATA eine gute Datenbasis, überwiegend von ihren Mitgliedern. Sorge macht der IATA, dass von diesen knapp 200 Fluglinien es rund 30 sind, die 60% des Gewinns machen, dass es nur rund 30 Fluglinien sind, die sich in den vergangenen 10 Jahren finanziell tatsächlich grundlegend verbessert haben. Also einen guten Cash Flow erwirtschaften und Schulden zurückzahlen können. Für den Rest der Industrie sieht Brian Pearce, Chefökonom der IATA, seit 10 Jahren keinerlei Verbesserungen. Sie haben die Boomjahre also ungenutzt verstreichen lassen.

22.000 Städte weltweit sind durch die Luftfahrt direkt miteinander verbunden. Doppelt so viele wie noch 1998. Der durchschnittliche Ticketpreis ist heute 62% unter dem von 1998. IATA Generaldirektor Alexandre de Juniac weist deshalb auf die völkerverbindende Funktion des Flugverkehrs hin. In Bezug auf die Klimadebatte meint de Juniac, nicht Fliegen sollte der Feind sein, sondern der CO2 Ausstoß. Und da sei es nicht nur das erklärte Ziel der Weltluftfahrt sauberer zu werden, sondern man habe auch bereits zahlreiche Verbesserungen umgesetzt und weitere beschlossen. Wie zum Beispiel das CO2 neutrale Wachstum ab 2020 sowie die Halbierung des CO2 Ausstoßes auf Basis von 2005 bis 2050. Milliarden. De Juniac räumt aber ein, dass die Luftfahrtindustrie ihre Kommunikation deutlich verbessern müsse.

Autor: Michael Csoklich
Autor
Michael Csoklich ist einer der bekanntesten Wirtschaftsjournalisten Österreichs und leitete über viele Jahre das Ressort Wirtschaft im ORF Radio. Er ist Moderator, Querdenker und arbeitet als freier Journalist für die Kleine Zeitung. Seit 2016 schreibt er als Luftfahrtspezialist auf AviationNetOnline insbesondere über Spezialthemen, seit 2019 gibt er den Podcast "Flightcast" - eine Initiative von Austrian Airlines, FACC, Flughafen Wien und Frequentis - heraus.

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