David O'Brien: "Es gibt keine Jobgarantie für euch"

Düsseldorf und/oder Stuttgart sollen geschlossen werden, wenn mit Verdi am Donnerstagabend kein Abschluss erzielt werden und bis Dienstag die Zustimmung seitens der Mitarbeiter nicht erteilt werden sollte.

Lauda-Geschäftsführer David O'Brien während dem "Fleetcast".

Für die Lauda-Bases Stuttgart und Düsseldorf dürfte der heutige Abend entscheidend werden, denn mit der Gewerkschaft Verdi ist ein finaler Verhandlungstermin anberaumt. Geschäftsführer David O’Brien erklärte in einer virtuellen Mitarbeiterversammlung, dass ein Abschluss erzielt werden muss. Anschließend sollen die deutschen Lauda-Mitarbeiter den Tarifvertrag zugeschickt bekommen und bis Dienstag ihre Zustimmung erteilen.

In Wien wurden sämtliche Beschäftigten dies fliegenden Personals, die ihre Zustimmung verweigert haben, gekündigt. In Düsseldorf und Stuttgart ist die Ansage der Geschäftsleitung noch schärfer, denn entweder stimmen in der jeweiligen Base alle zu oder sie wird mit 31. Oktober 2020 geschlossen. Bis dahin wird ab Stuttgart und Düsseldorf nur an den Verkehrstagen Freitag, Samstag, Sonntag und Montag geflogen. Geschäftsführer Andreas Gruber sagte dazu gegenüber den Mitarbeitern, dass dies mit der derzeit geringen Nachfrage im Markt zusammenhängen würde. Ziel ist es jedoch, so Co-Chef David O’Brien, dass wieder an sieben Tagen in der Woche geflogen wird.

Die Kündigungen in der Hauptverwaltung in Schwechat bezifferte der Manager mit rund 30 Prozent des bisherigen Bodenpersonals. Man benötige zahlreiche Positionen aufgrund der neuen Ausrichtung als Wetlease-Operator nicht mehr. Primär will man für die Ryanair Group fliegen, jedoch auch für andere Carrier, fügte Andreas Gruber hinzu.

David O’Brien betonte wiederholt, dass es auch bei Zustimmung zum neuen Tarifvertrag in Deutschland keine Job-Garantie gibt. Die Situation rund um die COVID-19-Pandemie wäre absolut nicht abschätzbar. Allerfrühestens im Jahr 2023 könne man nach Ansicht von Experten wieder das Niveau des Vorjahres erreichen. In diesem Zusammenhang verwies Gruber auch auf andere, wesentlich kleinere Ereignisse, die den Markt komplett verändert haben. Der Lauda-Geschäftsführer erinnerte dabei an die Aschewolke oder 9/11, sagte jedoch, dass es einen so langen Stillstand wie jetzt aufgrund COVID-19 in der Luftfahrtgeschichte noch nie gegeben habe. Der Markt nach Corona wäre ein völlig anderer und darauf müssen sich sämtliche Fluggesellschaften einstellen.

Angesprochen auf die sozialen Kriterien nach denen Lauda in Deutschland Kündigungen aussprechen würde, meinte O’Brien, dass bei einer Schließung der jeweiligen Base die komplette Belegschaft gehen muss. Aufgrund der aktuellen Marktlage könne man keine Jobgarantien aussprechen. Die Flotte soll sich bei 30 Flugzeugen einpendeln. Alle geplanten zusätzlichen Maschinen wurden storniert und die Leasingverträge der bestehenden Flotte sollen neu verhandelt werden, um möglicherweise Kostensenkungen erreichen zu können. Für das Personal soll es jedenfalls keine Möglichkeit geben, dass im Falle einer Schließung von Düsseldorf und/oder Stuttgart nach Wien oder Palma gewechselt werden kann, denn dort wäre man schon jetzt „overstaffed“.

David O’Brien hielt den Lauda-Mitarbeitern auch vor, dass der Betrieb der Maschinen des Typs Airbus A320 teurer ist als jener der Boeing 737-800, die von Malta Air, Buzz, Ryanair und Ryanair UK betrieben werden. Noch dazu ist die Sitzplatzkapazität niedriger. Auf die Frage warum man nicht A320neo besorgt habe, verwies der Manager darauf, dass man seiner Ansicht nach Niki Lauda im Zuge des Kaufs der Niki-Assets gezwungen war „überteuerte“ Flugzeuge von Lufthansa zu leasen. Dies hätte Lauda im ersten Betriebsjahr beinahe das finanzielle Genick gebrochen. Die momentane Flotte wäre erheblich günstiger. „Wenn es gute Angebote für A320neo gibt, dann nehmen wir die. Nur gibt es die leider nicht“, so der Lauda-Geschäftsführer während der virtuellen Betriebsversammlung. Die Verträge der bestehenden Flotte sollen noch vier bis fünf Jahre laufen.

Durchaus bemerkenswert war die Begründung von Andreas Gruber warum man Düsseldorf-Wien nicht fliegt. Hierbei wurde auf das Beispiel Wien-Stuttgart verwiesen, wo die Lufthansa Group angeblich für ein unwirtschaftliches Preisniveau gesorgt habe, um den Mitbewerber los zu werden. Dabei erwähnte der Manager allerdings nicht, dass es die Ryanair Group war, die in äußert hoher Verfügbarkeit Flugscheine um 9,99 Euro, teilweise sogar um fünf Euro angeboten hat.

Analog zu Wien sind nun die deutschen Lauda-Beschäftigten dazu aufgerufen Druck auf die Gewerkschaft Verdi zu machen, um diese zur Zustimmung zum Tarifvertrag zu bewegen. Den Einwand, dass zahlreiche Piloten in der Vereinigung Cockpit organisiert sind, wiegelte O’Brien ab und meinte, dass jetzt nicht die Zeit für Diskussionen um Zuständigkeiten ist. Entweder wird heute am Abend eine Einigung mit Verdi erzielt und die Mitarbeiter in Düsseldorf und/oder Stuttgart nehmen diese an oder per 31. Oktober 2020 wird geschlossen und die deutschen Mitarbeiter sind arbeitslos. Abfindungen soll es laut Personalchef Robert Wall übrigens nicht geben.


Lauda-Geschäftsführer Andreas Gruber während dem "Fleetcast".

Im Irrglauben, dass die Lebenshaltungskosten in Deutschland höher wären als in Österreich wollte ein Mitarbeiter auch wissen warum die geplanten Gehälter in Deutschland nicht höher sind als jene im Nachbarland. David O’Brien sagte, dass sich die Bezahlung an den Bases nicht nach den lokalen Lebenshaltungskosten richtet. In diesem Zusammenhang ist anzumerken, dass die Lebenshaltungskosten in Österreich aufgrund unabhängiger Statistiken zum Teil drastisch höher sind als jene in Deutschland. Offenbar war der Fragesteller falsch informiert.

Sofern die Bases Stuttgart und/oder Düsseldorf offen bleiben, will der Carrier so bald wie möglich wieder täglich für Ryanair fliegen. Konkrete Aussagen zu den mittelfristigen Planungen im Netzwerk machte die Geschäftsleitung nicht und verwies auf die unklare Lage aufgrund COVID-19. Man würde allerdings zahlreiche Strecken prüfen. In Palma de Mallorca sollen im Jahr 2021 laut David O’Brien fünf Airbus A320 stationiert werden. Lauda würde derzeit nur aufgrund von Krediten, die seitens der Konzernmutter gewährt werden, vor dem Kollaps bewahrt werden. Der Lauda-Geschäftsführer mahnte allerdings: „Die Kredite müssen auch zurückbezahlt werden.“

Die weitere Entwicklung in Düsseldorf und Stuttgart wird sich nach aktuellem Informationsstand bis Dienstag entscheiden.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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