Das Tüpfelchen auf dem I

ANA, All Nippon Airways, fliegt in Europa die Destinationen Brüssel, Düsseldorf, Frankfurt, London, München, Paris, Wien und Zürich an. Wien ist wieder seit Februar 2019 im Streckennetz von ANA. Geflogen wird die Strecke mit einer Boeing 787-9 Dreamliner. AviationNetOnline hat die Einladung zum Erstflug der Strecke Tokio-Narita nach Honolulu mit der ersten ANA A380 zum Anlass genommen, die Fluglinie und ihr Angebot in der Business Class-Kabine am Weg von Wien nach Honolulu unter die Lupe zu nehmen.

A380 (Fotos: Michael Csoklich).

Es ist ein Klischee, hat aber einen wahren Kern. Jene asiatische Freundlichkeit, die sich europäische Flugbegleiter kaum antrainieren können, und die den Passagieren das Gefühl gibt, gut betreut zu werden. Das beginnt bei der Begrüßung am Flugzeugeingang und endet erst bei der Verabschiedung wieder. Die Flugbegleiter von ANA sind wieder einmal ein gutes Beispiel dafür. Aufmerksam, ruhig, bemüht, aber nicht aufdringlich - so erlebte der Tester die Flugbegleiter, von Wien bis Honolulu und auch zurück.

Zwischen Wien nach Tokio fliegt ANA mit einer 787-9 in einer 3-Klassen Konfiguration mit Business, Premium Economy und Economy Class. In der Business Class mit 1-2-1 Bestuhlung. Die vielfältig variable Kabinenbeleuchtung entspricht dem 787 Standard, ebenso die besonders großen Kabinenfenster mit ihrer automatisch steuerbaren Verdunkelung. Diese kann sich aber für jene als Ärgernis entpuppen, die gerne aus dem Fenster schauen - und dann als Einzelne nichts verändern können. Die Anordnung der Sitze und der Business Class ist zwischen Fenster- und Gangreihen leicht versetzt.

Der Business Class Sitz spielt in der Oberliga. Mit der gut verträglichen Mischung aus hart und bequem. Es gibt ausreichend Ablageflächen, eine eigene Aufhängung für den Kopfhörer, Schlapfen statt Socken und ein Amenity Kit mit umfangreichem Sortiment. Der Sitz lässt sich zu einem flachen, waagrechten Bett verstellen, mit Bettauflage, Decke und weichem Polster. So lassen sich die 9200 Kilometer bequem reisen. Ein Seatguide führt durch die Funktionen, das hilft, ändert aber nichts daran, dass der Sitz nicht die Möglichkeit bietet, ihn auch in kleinen individuellen Dosen einzustellen. Was auch fehlt, ist ein eigenes Fach für die Brille. Wer Wifi nutzen will, muss dafür extra bezahlen und einen Account anlegen. Hilfreich ist die „Bitte nicht stören“ Taste, extrem umfangreich das Duty Free Angebot.

Der kulinarische Teil des Fluges ist ausgezeichnet und angemessen für die Business Class. Ein Drink - Champagner, Juice oder Wasser gleich nach dem Einsteigen. Den Auftakt zum Menü macht ein Amuse Geule, danach bietet sich die Auswahl zwischen einem japanischen oder einem internationalen Menu. Der Hunger zwischendurch kann durch diverse Snacks gestillt werden, das Frühstück vor der Landung ist eher standardmäßig. Die Getränkekarte bietet zwei Rotweine aus Frankreich, Weissweine aus Frankreich und Neuseeland sowie Champagner aus Frankreich. Wem das nicht genügt, bietet eine Special Selection Weine aus Argentinien, Chile, Frankreich, Spanien, USA, Australien und Italien. Schön wäre es, wenn gerade auf der Wien-Strecke Weine aus Österreich angeboren würden. Während des Service tragen die Flugbegleiter übrigens modische Schürzen. fesch würde man bei uns sagen. Wenn man DO&CO als Maßstab anlegen will, gibt es aber insgesamt noch Luft nach oben

Auf der Strecke Tokio - Honolulu setzt ANA die nagelneue A380 ein. Sie ist mit 520 Sitzen und einem neuen Konzept bestuhlt: 8 Suiten in der First Class, 56 Business Class Sitze, 73 Sitze in der Premium Economy Class im Oberdeck, sowie – im Hauptdeck - 383 Sitze in der Economy Class. Das hintere Economy-Abteil im Hauptdeck ist mit den sogenannten „Couchii“-Sitzen von ANA bestuhlt. Hier lassen sich zusätzliche Polster über dem Fußraum ausklappen, so dass man die Sitzbänke in familienfreundliche Schlafbetten verwandeln kann. Abseits der Toiletten hat die A380 auch separte Wickel-, Still- und Umkleideräume an Bord installiert. Zu erwähnen ist, dass die A380 von ANA, die ja nur zwischen Tokio und Honolulu pendeln, das komplette Design neu entworfen und auf diese Strecke abgestimmt hat. Flying Honu. Von der Bemalung des Flugzeugs über das Menü bis zur Sicherheitskarte ist alles aufeinander abgestimmt.

Service, Menü, Sitze, Kabine - all das entspricht in etwa dem beschriebenen für die 787-9. Die Kabinenbesatzungen für die A380 sind übrigens auf innerjapanischen Flügen zwischen Tokio-Narita und Kansai geschult worden. Am Jungfernflug hat man ihnen die fehlende Routine, besonders in den Abläufen, noch angemerkt. Das dürfte sich mittlerweile gelegt haben.

Ein Satz noch zum Unterhaltungssystem. Das Unterhaltungsangebot ist breit gefächert und durchaus aus aktuell. Klar, dass eine japanische Fluggesellschaft ihr Angebot besonders auf Japaner ausrichtet. Für Anderssprachige Passagiere schränkt sich das Angebot dadurch allerdings etwas ein. Die Air Show ist vielfältig und bietet wirklich für jeden etwas. Bis hin zu den Kameras bei der A380, durch die man Start und Landung perfekt verfolgen kann.

Dass die Kabinen in ihrem in dezenten Blau und Grau gehaltenen Tönen ebenso neu wie sauber wirken, entspricht dem Standard von ANA als 5-Sterne-Airline. Erst kürzlich ist ANA zum siebenten Mal in Folge von Skytrax mit der Bestnote von 5 Sternen ausgezeichnet worden.

Erwähnenswert sind last not least noch die Lounges in Tokio und Honolulu. Wer Zutritt zur Business Class oder First Class Lounge hat, kann schon die Zeit vor dem Flug bequem verbringen. Beim Arbeiten oder Relaxen, mit diversen Speisen und vielen Getränken. Seine Vorzüge kann ANA in Tokio, in der „Home“-Lounge, ausspielen. Sie ist sehr groß, und spielt alle „Stückerln“. Gleiches gilt für die nagelneue Lounge in Honolulu inklusive direkten Zugang ins Oberdeck der A380.

Bewertungen:

Die Crew:

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Kabinenausstattung:

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Sitz:

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Mahlzeiten:

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Sauberkeit:

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Unterhaltungssystem:

✈️✈️✈️✈️

Gesamtnote: 4,5 – Gut

(Skala: Sehr gut = über 4,5, Gut = 3,7 bis 4,4, Befriedigend = 2,7 bis 3,6, Schlecht = 2,0 bis 2,6, Sehr schlecht = unter 2,0)

Fazit:

ANA wird ihrem Image als 5-Sterne-Airline durchaus gerecht. Der Passagier wird auf den getesteten Langstreckenflügen umworben und umsorgt, seine Anliegen scheinen der Crew wichtig. Das Gesamterlebnis ist hervorragend, nur Kleinigkeiten sind zu bemängeln und die Luft für Verbesserungen ist dünn. Deren Behebung aber könnte quasi das Tüpfelchen auf dem I sein.

Das Flugticket wurde von ANA zur Verfügung gestellt. Der Tester von AviationNetOnline war bei seinem Urteil unabhängig und unbeeinflusst.

Autor: Michael Csoklich
Autor
Michael Csoklich ist einer der bekanntesten Wirtschaftsjournalisten Österreichs und leitete über viele Jahre das Ressort Wirtschaft im ORF Radio. Er ist Moderator, Querdenker und arbeitet als freier Journalist für die Kleine Zeitung. Und seit 2016 schreibt er als Luftfahrtspezialist auf Aviation Net insbesondere über Spezialthemen.

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