Das Geld geht aus

Der internationale Luftfahrtverband IATA warnt davor, dass den Fluggesellschaften das Geld ausgeht. IATA Chef Alexandre de Juniac hat gestern in einem telefonischen Pressegespräch „von der ernstesten Krise, die die Luftfahrt je hatte“ gesprochen.

Foto: Bombardier.

Es mutet wie ein Hilferuf an - und ist es wohl auch - wenn IATA Chef Alexandre de Juniac rasche Unterstützung von den Staaten für die Luftfahrt fordert und die benötigten Mittel mit 150 bis 200 Milliarden Dollar beziffert. Anders sei ein funktionierende Luftfahrt nicht aufrecht zu erhalten. Die Möglichkeiten reichen da von direkten Finanzspritzen bis hin zu Steuerstundungen.

Fast die gesamte Welt ist vom Corona-Virus betroffen, wegen der diversen und unterschiedlichen Einreisestopps und Reisewarnungen ist der Flugverkehr beinahe völlig eingebrochen. Die Nachfrage liege bei Null. Die Einnahmen gingen dadurch schlagartig zurück, die laufenden Kosten aber bleiben bestehen. Die Finanzmittel reichen bei drei Viertel der Fluglinien noch weniger als drei Monate, warnt IATA Chefökonom Brian Pearce, der „von einer wachsenden Liquiditätskrise“ spricht. Pierce erinnert daran, dass es selbst in den vergangenen zehn profitablen Jahren nur eine kleine Gruppe von 30 Fluglinien geschafft hat, ihre Profitabilität zu verbessern. Die Mehrheit der Fluglinien stehe finanziell auf schwachen Beinen, so Pearce. Der niedrige Ölpreis sei zwar eine Hilfe, für alle Fluglinien, die den Ölpreis absichern, werde sich das aber mit einiger Zeitverzögerung positiv auswirken.

Rund um die Welt haben Fluglinien, aber auch die Flugzeughersteller Boeing und Airbus sowie Zulieferbetriebe bereits Staatshilfen in Milliardenhöhe gefordert. IATA Chef Alexandre de Juniac rechnet damit, dass die Corona-Krise die Konsolidierung in der Branche vorantreiben wird. Eine Reihe von Fluglinien wird aufgeben müssen, andere werden gezwungen sein, sich zusammenzuschließen um in größeren Einheiten überleben zu können.

Die IATA rechnet, dass die Fluglinien heuer weltweit etwa 40 Milliarden Dollar Verlust machen werden, so viel, wie seit der Finanzkrise 2008/2009 nicht mehr. In einem worst-case Szenario rechnete die IATA Anfang März mit Umsatzverlusten von bis zu 113 Milliarden Dollar und einem Passagierrückgang von 16 Prozent. Das sei überholt und werde wohl viel schlimmer kommen, sagt die IATA jetzt und will am 23. März eine neue Prognose vorlegen.

Auch der europäische Luftfahrtverband "Airlines for Europe" (A4E), zu der Europas größte Fluglinien wie Lufthansa, IAG, Ryanair, Easyjet und Air France KLM gehören, fordert von den Regierungen in der EU ein Rettungspaket. Steuern und Abgaben sowie Flugsicherungsgebühren sollen gestundet werden, heißt es in einem offenen Brief an die EU-Verkehrsminister. Zusätzlich sollten Fluggesellschaften direkten Zugang zu EU-Mitteln bekommen. Heute tagen die EU-Verkehrsminister per Videokonferenz, um über die Krise zu beraten. 

Die Fluglinien selbst reagieren mit drastischen Sparmaßnahmen auf die Krise, viele haben auch den Flugbetrieb eingestellt. Im Visier sind vor allem die Personalkosten. Flughafen Wien, Austrian Airlines und die Lufthansa wollen da alle Möglichkeiten der Kurzarbeit ausschöpfen.

Autor: Michael Csoklich
Autor
Michael Csoklich ist einer der bekanntesten Wirtschaftsjournalisten Österreichs und leitete über viele Jahre das Ressort Wirtschaft im ORF Radio. Er ist Moderator, Querdenker und arbeitet als freier Journalist für die Kleine Zeitung. Seit 2016 schreibt er als Luftfahrtspezialist auf AviationNetOnline insbesondere über Spezialthemen, seit 2019 gibt er den Podcast "Flightcast" - eine Initiative von Austrian Airlines, FACC, Flughafen Wien und Frequentis - heraus.

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