Das Frachtgeschäft in Leipzig/Halle boomt

ADV: Ein Viertel des deutschen Cargo-Aufkommens passieren LEJ

DHL-Schild in Leipzig/Halle: 2008 verlegte die Post-Tochter ihren Europa-Hub hierher. (Foto: www.AirTeamImages.com)

Der Flughafen Leipzig/Halle hat sich in den vergangenen Jahren zu einem wichtigen Player im deutschen Frachtgeschäft entwickelt. Wurden zu Beginn des Jahrtausends nach AviationNetOnline-Berechnungen gerade einmal 0,4 Prozent des deutschen Frachtaufkommens am Airport umgeschlagen, stieg der Anteil im vergangenen Jahr erstmals über die Marke von 25 Prozent. Sprich, ein Viertel der deutschen Gesamttonage passierte den Flughafen Leipzig/Halle.

Insgesamt wuchs das Cargo-Geschäft am Airport 2019 um 1,39 Prozent auf 1,24 Millionen Tonnen an, wie aus Statistiken des Flughafenverbandes ADV ersichtlich ist. Das ist zwar weniger als am größten Frachtflughafen Deutschlands, Frankfurt (2019: 2,13 Millionen Tonnen), aber mehr als am dritten großen Cargo-Standort Köln/Bonn (2019: 814.600 Tonnen). Die "Big Three" kommen zusammen auf einen Marktanteil von über 85 Prozent; die Größe der anderen deutschen Airports in dem Segment ist zu vernachlässigen.

Wie die Entwicklung der Anteile zeigt, hat Leipzig/Halle vor allem in den 2010er-Jahren große Schritte nach vorn gemacht – immer zu Lasten des Anteils von Frankfurt. Der Anteil von Köln/Bonn schwankte nur leicht. Was zeigt, wie dynamisch das Frachtgeschäft ist: Denn am Rhein hat sich das Frachtaufkommen zwischen 2000 und 2019 fast verdoppelt, wohingegen der Gesamtanteil leicht rückläufig war.

(Grafik: AviationNetOnline, Quelle: ADV, eigene Berechnung)

Hinzu kommt: Auch für das vergangene Jahr musste der NRW-Airport in der Sparte ein Minus hinnehmen. Trotz der langfristig positiven Entwicklung im Frachtgeschäft sprach Flughafenchef Johan Vanneste daher auch von "einem schwierigen Jahr". Im Frachtgeschäft bekomme man die "angespannte Weltwirtschaftslage zu spüren".

Auch in Frankfurt begründet man das 2019-Minus von 3,9 Prozent mit politischen Hemmnissen: "Die anhaltend schwierige weltweite Wirtschaftslage wurde vor allem durch den Handelsstreit zwischen USA und China sowie einen ungeregelten Brexit getrieben." Im Vergleich zu vielen anderen Flughäfen habe man sich "gut behaupten können". Über alle 22 deutschen ADV-Airports hinweg sank das Cargo-Aufkommen im vergangenen Jahr durchschnittlich um 7,9 Prozent.

Von Brüssel nach Leipzig/Halle
Der Cargo-Boom in Leipzig/Halle lässt sich aber noch an anderen Zahlen ablesen: Inzwischen zählt der Airport nach eigenen Angaben über 500 Fracht-Airlines, die Flüge zu mehr als 200 Zielen weltweit anbieten. Im Jahr 2000 waren es gerade einmal 19 Frachtfluggesellschaften.

Aufgrund der immensen Nachfrage investiert der Flughafen in den kommenden Jahren rund eine halbe Milliarde in neue Vorfelder sowie Logistik- und Bürogebäude. Dazu gehört auch die geplante Erweiterung des Vorfeldes im Bereich des DHL-Drehkreuzes.

Denn vor allem die Post-Tochter hat das Frachtgeschäft in Leipzig angetrieben. 2008 verlegte DHL unter anderem aufgrund der infrastrukturell günstigen Lage seinen europäischen Hub von Brüssel nach Leipzig/Halle (Projekt Pegasus). Dort betreibt der Logistiker den eigenen Angaben zufolge modernsten Luftfrachtumschlagplatz Europas. Der DHL-Hub in Leipzig ist der größte auf dem Kontinent und einer von weltweit drei Stück.

Alle sechs Minuten landet nachts eine der rund 65 Langstreckenjets von DHL in Leipzig. So summiert sich das Frachtaufkommen in einer Nacht auf rund 1900 Tonnen. Gewartet werden die Flugzeuge von der eigens gegründeten European Air Transport Leipzig.

Autor: Carlo Sporkmann
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Carlo Sporkmann ist seit April 2019 als Autor für AviationNetOnline tätig. Der studierte Journalist berichtet für AviationNetOnline über den deutschen Luftverkehrsmarkt.

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