Darum soll Lufthansa zur Holding werden

Konzern leidet unter massiver Unterbewertung

(Foto: www.AirTeamImages.com)

Carsten Spohr ist in ein enges Korsett eingeschnürt. Der Wert des Lufthansa-Konzerns liegt in der Hand der Aktionäre und hängt damit vor allem von der öffentlichen Meinung ab. Eine öffentliche Meinung, die hauptsächlich von Nachrichten um die Mutter-Airline geprägt wird - die herausragende Stellung der Frachtsparte Lufthansa Cargo oder die attraktiven Margen der Lufthansa Technik spielen oft nur eine untergeordnete Rolle.

Trotzdem machen auch sie den Konzern aus. Zwar bringen die Netzwerk-Airlines (Lufthansa, Austrian sowie Swiss) und Billigtochter Eurowings (inklusive Brussels und Co.) zwei Drittel des Konzernumsatzes ein. Doch im Umkehrschluss zeigt es, dass die anderen Felder nicht ganz unwichtig sind.

Ergebnisse ausgewählter Konzernfelder 2018. (Quelle: Lufthansa, Darstellung: AviationNetOnline)

Ebit-Margen ausgewählter Konzernfelder 2018. (Quelle: Lufthansa, Darstellung: AviationNetOnline)

Nur scheint die Performance aller Sparten die Aktionäre nicht weiter zu interessieren. Der Aktienkurs des Konzerns hat sich in den vergangenen beiden Jahren auf aktuell etwas über 15 Euro mehr als halbiert. An der Börse ist Lufthansa damit lediglich noch rund 7,2 Milliarden Euro wert.

Doch: In den Büchern stehen Vermögenswerte in Höhe von 22,4 Milliarden Euro - allein den Wert der eigenen Flugzeuge beziffert Lufthansa auf 6,4 Milliarden Euro. Einzig der deutsche Gesetzgeber schützt den Konzern davor, dass angesichts der massiven Unterbewertung kein aktivistischer Investor einsteigt, einen drastischen Sparkurs verordnet und das Unternehmen maximal gewinnbringend wieder verkauft.

Dirigent für den Umbau ernannt
Spohr will nun dieses Korsett aufschnüren: Lufthansa soll zur Holding werden, an der die einzelnen Geschäftsfelder und Marken andocken. Jüngst wurde bereits Patrick Staudacher von Boston Consulting zum "Head of Business Development" ernannt. Er soll laut Lufthansa als Regisseur den Umbau dirigieren.

Zudem gibt es Gedankenspiele, die Mutter-Airline als GmbH auszugründen und in eine Stiftung, die im Komplettbesitz der deutschen AG ist, einzubringen, heißt es von Insidern. So sollen internationale Geldgeber Kapital einbringen können, ohne dass die 49-Prozent-Regel der EU gebrochen wird und die Slots von Lufthansa in Gefahr sind.

Austrian, Brussels und Swiss sind bereits über solche Stiftungen angebunden und können dadurch im täglichen Geschäft autark agieren. Auch die defizitäre Alitalia könnte über so eine Aufhängung ihren Platz im Konzern finden. Und für Eurowings ist dieses Konstrukt wohl ebenfalls vorgesehen: Die Tochter ist zusammen mit den Netzwerk-Linien in das von Vorstand Harry Hohmeister geführte Segment "Commercial Passenger Airlines" eingegangen und wird lediglich noch von einem "lokalen" Management geleitet.

IPO von Lufthansa Technik
Der Umbau im Vorstand und der Ebene darunter heißt aber auch: Alle Airlines sind hinter einem Geschäftsführer (Hohmeister) versammelt. Denn in der Vergangenheit krankte es oft daran, dass sich ausgerechnet die Kern-Airline Lufthansa mit dem ganzen Konzern den CEO teilen muss.

Letztlich könnten die einzelnen Teile der Holding ebenfalls den Schritt an den Kapitalmarkt wagen. So gibt es bereits fortgeschrittene Überlegungen, dass beispielsweise Lufthansa Technik an die Börse geht, heißt es von Insidern.

Es ist ein langer Prozess, den Lufthansa beschreitet, um die einzelnen Felder aus dem Konzern herauszulösen und neu anordnen zu können. Experten gehen davon aus, dass es noch zwei Jahre dauern wird, bis der vollständige Umbau vollzogen ist. 2022 also könnte Carsten Spohr das Korsett endgültig ablegen.

Autor: Carlo Sporkmann
Redakteur
Carlo Sporkmann ist seit April 2019 als Autor für AviationNetOnline tätig. Der studierte Journalist berichtet für AviationNetOnline über den deutschen Luftverkehrsmarkt.

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