Coronavirus: Regierung nimmt Airlines in die Pflicht

Luftverkehrsunternehmen müssen Passagierlisten aus Risikogebieten bereithalten. Wer Kontakt mit einem Infizierten hatte, muss in Quarantäne.

Gesundheitsminister Rudolf Anschober hat am 28. Februar 2019 diesen Erlass herausgegeben, der die Luftfahrtunternehmen verpflichtet, Passagierlisten an die Behörden zu übermitteln.

Die globale Luftfahrt ist unbestritten ein wichtiger Faktor für den "Export" des Coronavirus aus China in mittlerweile mehr als 50 Länder. Die Airlines werden nun verstärkt in die Pflicht genommen, um bei der weiteren Ausbreitung des Krankheitserregers zu helfen. Nachdem viele Flugverbindungen vor allem in Richtung Asien eingestellt und die verbleibenden Flüge mit Schutzmaßnahmen wie Atemmasken, Desinfektionsaktionen und ärztlichen Untersuchungen nach der Landung versehen werden, verlangen Staaten nun auch Informationen zu potentiellen Risiko-Passagieren.

Auch Österreich hat sich dem nun angeschlossen, nachdem sich die Zahl der Infizierten wie in anderen Teilen Europas nach oben bewegt. In einem Erlass von Gesundheitsminister Rudolf Anschober vom Freitag heißt es, dass Luftverkehrsunternehmen verpflichtet sind, auf Anforderung durch den Minister der jeweils zuständigen Bezirksverwaltungsbehörde jene Passagiere zu melden, die sich in den letzten 14 Tagen vor Reiseantritt in einem der Risikogebiete (laut Reisewarnungen des österreichischen Außenministeriums) für das Virus aufgehalten haben und die auf einem österreichischen Flughafen eingetroffen sind.


Für die Meldung an die Behörden muss die von der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation ICAO erstellte Public Health Passenger Locator Card verwendet werden.

Wird bei einem Passagier, der aus einem der Risikogebiete eingetroffen ist, nun eine Coronavirus-Infektion  bestätigt, so muss die Airline die gesamte Passagierliste der zuständigen Bezirksverwaltungsbehörde unverzüglich übermitteln. Diese Verordnung des Gesundheitsministers bleibt vorerst bis Ende Juni 2020 in Kraft.

Fünf Flugzeugreihen gelten als "high risk" - Händeschütteln ebenso
Aber auch für mitreisende Passagiere kann ein COVID-19-Fall im Flugzeug Folgen haben: Wer nämlich im gleichen Flieger wie ein infizierter oder erkrankter Passagier sitzt, kann als sogenannte Kategorie I Kontaktperson mit Hoch-Risiko-Exposition gelten: Dazu zählen Fluggäste, die in derselben Reihe wie ein COVID-19-Fallpatient oder in den zwei Reihen vor oder hinter diesem gesessen sind - und zwar unabhängig von der Flugzeit. Ansteckungsgefahr besteht laut dem Management-Blatt des Gesundheitsministeriums (siehe Beilage 2) vom 28. Februar 2020 ab 24 Stunden vor Symptombeginn. Dieser Zeitrahmen könnte sich allerdings noch ändern, da man derzeit noch nicht sicher weiß, wann die Ansteckungsfähigkeit wirklich beginnt.

Abgesehen von den Sitznachbarn gelten Personen als High-Risk-Kontakt, die Kontakt zu Sekret-Tröpfchen des Patienten hatten - wie es zum Beispiel beim Reden, Anhusten, Anniesen oder einfach nur beim gemeinsamen Aufenthalt in einer geschlossenen Umgebung der Fall ist. Laut Gesundheitsministerium und AGES gilt hier eine Entfernung von zwei Metern als Grenzwert. Aber auch Menschen, die mit einem Betroffenen direkten physischen Kontakt hatten (auch beispielsweise Händeschütteln) gelten als Kategorie I Kontaktperson!

Passagiere, die in der selben Reihe oder bis zwei Reihen vor oder hinter einem Coronavirus-Infizierten sitzen, gelten als High-Risk-Fall (Foto: Pixabay).

Wenn man diesen "Status" erreicht hat, führt dies zu weitreichenden Folgen: Abgesehen von der Registrierung bei den Behörden, muss man sich in "häusliche Absonderung" begeben und darf für zumindest 14 Tage die Wohnung nicht verlassen - selbst dann, wenn die Virus-Diagnostik vorerst negativ (also ohne Anzeichen für eine Infektion) ausfällt. Betroffene müssen während dieser Zeit zumindest zweimal täglich ihre Körpertemperatur messen.

Autor: Martin Metzenbauer
Herausgeber und Chefredakteur
Martin gründete 2004 aufgrund seines starken Luftfahrtinteresses Aviation Net. Er liebt das Fliegen und Reisen– und schreibt darüber natürlich auch gerne.

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